Yeast Machine – Bad Milk: Album Review

Eine meiner größten Auslassungen im vergangenen Jahr war, dass ich Yeast Machine nicht auf dem Wutzrock Festival in Hamburgs Süd-Osten gesehen haben. Da sind die Tübinger schon mal in der Gegend – umsonst und draußen – und ich war anderweitig beschäftigt… Dabei hatte das Quintett mit seinen Debütalbum „Sleaze“ (für mich) eines der Besten von 2024 veröffentlicht. Jetzt gibt’s was Neues. „Bad Milk“ zeigt die Hefe Maschine in Höchstform – wieder, oder immer noch. Neu beim freundlichen Kreuzberger Label Noisolution seit dem 20. März 2026.

Wenn ich nicht weiß, wohin mit meiner Lobhudelei, werde ich gerne grundsätzlich. Tatsächlich fand ich schon beim epischen Debüt-Album Sleaze, dass die Band aus den ewiggestrigen Soundvergleichen herausgewachsen war. Allein, zur musikalischen Verortung braucht es wohl ein paar Buzz-Words. Also irgendwo in der Ursuppe aus Grunge, Alternative, Punk, Prog und Stoner Rock haben die fünf Musiker um die Gitarre schwingenden Brüder Könniger ihr eigenes Süppchen gekocht.

Das ist ganz eindeutig moderne Musik für das Jetzt, für hier und heute und hat absolut nichts mit rückwartsgewandtem Rocken zu tun. Das haben aktuelle Bands, die bestimmten, noch oder wieder bestehenden Musiktraditionen folgen ohnehin meistens nicht, aber wir Schreiberlinge brauchen Referenzrahmen oder nehmen an, die Hörerschaft bräuchte solche. In diesem Review fallen auch noch Vergleiche an, um klarzustellen, was die Musik auslöst. …und schon zuviel geschwafelt.

„I’ve always had the feeling, this pastry needs more yeast“

Yeast Machine sind als Band gerade einmal fünf Jahre zusammen und die Besetzung ist konstant. Das Kollektiv entwickelt sich in einer beängstigenden Geschwindigkeit, dass es einem das Herz hüpfen lässt, sofern mensch denn auf diese Art von getriebenem Rock steht. Im Vergleich zum Vorgänger „Sleaze“ hat sich vor allem der Sound geändert, verbessert. Mensch, klingt das neue Album phat.

Auch die Aufmachung (mit Textbook und so) macht schon Spaß. Das war dem Label Noisolution auch eine Club 100 Vinyl Edition wert, die berechtigter Weise auch ausverkauft ist. Die zweite merkbare Veränderung liegt im Songwriting. Variabel und immer an der Grundidee des Liedguts. Dabei kompakt und hinreißend dynamisch. War auf „Sleaze“ der furiose Gesang von Ben noch relativ herausragend und im Vordergrund wahrnehmbar, so präsentiert sich Yeast Machine auf „Bad Milk“ verstärkter als musikalische Einheit. Mensch, ist die Band gut.

„Now i realize, you look more charming in my rear view“

Die geneigte Hörerschaft täusche sich nicht, noch immer ist Ben ein herausragender Sänger, noch immer kriegen die Instrumente auch ihre Momente um zu strahlen und noch immer rocken Yeast Machine mit beinahe infantiler Freude am Spieltrieb. Das ist schon eine Ausnahmeerscheinung. Mensch, sind die selbstbewusst.

Es gibt ja bereits drei vorab ausgekoppelte Songs, die ihre Beachtung bekommen und Großes angekündigt haben. Die Videos zu „Falling Rocks“ und „Feeding Poison To The Spiders“ waren ebenso clever und bezirzend wie die Beschränkung „Honey & Sweet“ nur als digitalen Song rauszuhauen. Zu meiner großen Freude hält das gesamte Album, was die Klangboten verheißen haben. Aber der Reihe nach, quasi schnell und sinnlos.

„The dawn came early, i still couldn’t fall on my feet“

„Global Condolences“ ist mehr als nur ein Statement zur Lage der Welt. Hier wird mit aufkommenden Furor und erheblicher Dringlichkeit massiv Druck aufgebaut. Das ist deutlich mehr als nur ein Intro, Es ist eine Overtüre, die abrupt in „Falling Rocks“ wechselt. Der Song ist dermaßen catchy und bleibt so im punkrockigen Ohr kleben, dass es des Duetts mit Polly von The Red Flags gar nicht bedurft hätte. Es hebt den Song trotzdem ganz erheblich. „Falling Rocks“ ist ein mit Sicherheit ein Highlight auf jedem Gig.

Viel irrer aber ist die Tatsache, dass dieser wahnwitzig Übergangsmoment von einem zum anderen bei mir Glücksgefühle auslöst wie weiland die Heavyrocker von Warrior Soul, die zum Album-Auftakt von „Gods, Drugs & The New Republik“ zunächst proklamierten „We are the Government“ um dann in Joy Divisions „Interzone“ hinterherzuschieben „and we rock and roll.“ Es ist schon immer schön, wenn einen Tonkonserven zum Zappeln bringen.

„They were miles ahead of me, they took the lead.“

Der Titelsong „Bad Milk“ ist ein düsterer Rocker, dessen Gitarrenriff sich unter die Hirnschale fräst, im moshenden Refrain darf dann auch gejault werden. Gegen Ende gibt es dann ein atmospährisches Austrudeln. Ganz großes Musikkino. „Forshadowing“ kündigt scheinbar einen anderen Song an und beginnt mit der Testzeile „Feeding Poison to the Spiders“, aber die intime Klangsphäre mit Akustikklampfe und melodischem Gesang ist eigentlich ein Nick Drake Song, der viel zu kurz ist. Da ginge noch ein volles Orchester hinterher; vielleicht auf dem nächsten Album.

Aber „Forshadowing“ ist auf dem Album auch der reingemischte Auftakt zu „Dust on the Radio“. Was für ein epischer Rocker! Dramatischer Auftakt, treibender Beat und verhalten lockender Refrain um hinterher einen Veitstanz zur Fuzzgitarre rauszuhauen. Die tolle Laut-Leise-Dynamik wird von vergleichsweise zurückgenommenen Vocals unterstützt.

„And in a flash i fond my death, oh my“

„Feeding Poison to the Spiders“ ist ein düsterer Rocker, der von einem Bassriff getragen wird, auf dem du über den Atlantik reiten kannst. Das erlaubt dem Rest der Band sich ein bisschen auszutoben. Und wieder gibt es ganz hinreißende Laut-Leise-Wechsel zu erleben. Es schließt sich die Power-Ballade „Karthago“ an und mir schießen die Tränen ein. „Do you remember the places we built?“ Der Song ist mit deutlich unter 3 Minuten lang genug, aber ich hätte gerne noch in dieser melancholischen Stimmung geschwelgt.

„Honey & Sweat“ will aber wieder lostanzen und nun bekommt das Schlagzeug mit perkussiven Geklöppel und der Kuhglocke seinen Spot im Rampenlicht. Und wieder fügt sich der Rest der Band in den Sound ein und weiß mitzureißen und einzureißen. „Wobbly Wizzard“ kommt mit seltsamem Titel und vertrackten Rhythmus daher. Das lässt kurz mal die spacigen 70er aufblitzen und entführt in kosmische Gefilde, kommt aber wieder runter auf die Erde und funkelt sich funky zum Endspurt. Was für ein Ritt in nicht einmal 5 Minuten.

„Oh, oh! Dust on the radio.“ (Yeast Machine)

Da fällt mir dann doch noch das letzte Clowns Album „Endless“ ein, bei dem ich dachte, viel mehr Parts kann man unmöglich in eine Hochgeschwindigkeits-Punksong packen. Einer geht noch. „The Golden Cage“ beendet als fulminante Power-Ballade ein großartiges Album. Es geht melancholisch los und wird hymnisch weitergetragen. Und wieder dieser außergewöhnliche Gesang, der da croont wie Nico im Underground, wie Tanita Tikaram in verdrehter Nüchternheit. Ich bin jetzt auch durchgeschwitzt, Honey.

Yeast Machine sind ihr eigener Tanzbereich und „Bad Milk“ wieder ein Anwärter auf mein Album des Jahres. Sicher, die Musik ist in Heavy Grunge verwurzelt und für Heavy Rotation gemacht. Die Hefe treibt und treibt und treibt – und alles klingt wie …Yeast Machine. Großartige Band, großartiges Album! Tatsächlich eine Steigerung des fulminanten Debüts und eine Ausweitung der eigenen Soundzone bei gleichzeitiger Verdichtung der Produktionsmittel. Brutstatt, du schwafelst. Da war was in der Milch. Habt euch lieb, geht tanzen. Tourdates unten.

Yeast Machine – Bad Milk
Genre: Stoner Rock, Alternative,
Länge: 34 Minuten, 10 Songs, D, 2026
Interpret: Yeast Machine
Label: Noisolution
Vertrieb: Edel
Format: Vinyl, digital, CD
VÖ: 20.03.2026

Yeast Machine Homepage
Bad Milk bei Noisolution
Instagram mit Yeast Machine
Yeast Machine Bandcamp

TOURDATEN
21.03.2026 DE – Tübingen – Shedhalle RELEASE PARTY
11.04.2026 DE – Köln – Carlswerk Club Volta – Sonic Ride Festival
16.04.2026 DE – Stuttgart – Live Club
17.04.2026 DE – Bochum – Theater Rottstrasse 
18.04.2026 DE – Siegen – Vortex
29.04.2026 DE – Köln – MTC
30.04.2026 DE – Dortmund – Subrosa
01.05.2026 DE – Saarbrücken – Die Wand
02.05.2026 CH – St. Gallen – Lucas Bar 
03.05.2026 DE – Freiburg – Slow Club
13.05.2026 DE – Nürnberg – Z-Bau
14.05.2026 DE – Dresden – Zilles Anker 
15.05.2026 DE – Räbel – Rock im Räbel
22.05.2026 DE – Heidenheim – Friday
23.05.2026 DE – Erfurt – Klanggerüst
12.06.2026 DE – Tübingen – Ract
13.06.2026 DE – Obernzenn – Wasted Open Air

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