Hohle Welten – Zara: Eine fantastische Gesellschaft

Illustrationen von François Schuiten sind immer eine faszinierende Angelegenheit. In „Zara“ dem zweiten, aber quasi in sich abgeschlossenen Band des „Hohle Welten“-Zyklus der Gebrüder Schuiten wird die Frauengesellschaft des siebenten Planeten im Sternbild Hohle Welten vorgestellt. Bei Schreiber & Leser, dem kundigen Verlag für Erwachsenen-Comics, ist „Zara“ nun jüngst erschienen.

Die Bergarbeiterin Nelle bereitet sich auf einen außergewöhnlichen Tag vor. Morgen soll sie von Lingam, der großen Larve, besamt werden. Das ist in der Gesellschaft auf der Hohlwelt Zara eine große Ehre. Derweil brechen von einen fernen kleinen Planeten Weltraumabenteurer auf um den Frauenplaneten zu suchen, von dem die alten Chroniken berichten.

Auf Zara sorgt bald darauf eine unbekannte Frau für Aufregung, die durch die Wand der Hohlwelt bricht. Olivia erzählt von ihrem Nomadenleben auf der Oberfläche des ständig rotierenden Planeten. Und dann sind die Kreuzfahrer auch schon da.

Bevor der belgische Comic-Illustrator und inzwischen in den Adelsstand erhobene François Schuiten mit seinem Jugendfreund Benoît Peeters den Zyklus „Die geheimnisvollen Städte“ ersann (bei brutstatt unter anderem vorgestellt „Der Turm“, „Der Archivar“, „Brüsel“), bildete er mit seinen deutlich älteren Bruder Luc ein kreatives Comic-Gespann. Daraus entstanden auch „Die hohlen Welten“. Die erst unterwegs zu einem Zyklus konzipiert wurden. Zunächst waren es einzelne kurze Erzählungen, die Ende der 1970er Jahre in einem Comic-Magazin erschienen.

„Zara“ unterscheidet sich von den Stories im ersten Band „Panzerung“, der auf drei Ausgaben angelegten „Hohlen Welten“ bei Schreiber & Leser, durch zwei Aspekte. Erstens ist „Zara“ ein langes Abenteuer, das im Magazin „Metal Hurlant“ in Episoden erschien. Zweitens ist „Zara“ koloriert, was den hinreißend maschinenstürmenden Fantasien der Gebrüder Schuiten sehr entgegen kommt.

Die Theorie der hohlen Erde

Zum besseren Verständnis der Story in Zara ist die Episode „Olivia“ vorangestellt, in der es um das Leben eben jener Dame geht, die in der Frauengesellschaft durch die Wand bricht. Und es ist ein alternatives Ende angefügt. Abschließend gibt es ein kurzes und lesenswertes Essay des französischen Comic-Experten Nicolas Finet. Der brachte unter anderem das Magazin des Comic-Festivals in Angouleme heraus und das Buch „1001 Comics you must read before you die“. Im kurzen Worten entführt Finet in jene Zeit, in der „Hohle Welten“ entstand und in der die so genannten Erwachsenencomics ihre Aufbruchphase hatten.

In „Zara“ ist sicherlich nicht alles Gold, was glänzt. Die Story um die Frauengesellschaft hat so ihre zeitgeistigen Macken und bietet auch ausreichend Gelegenheit nackte Haut zu zeigen. Doch es gibt auch durchaus ernsthafte Visionen einer alternativen Gesellschaft, die sich in einer so genannten Hohlerde entwickelt haben könnte. Ein wenig erinnert das an die ersten Schritte der literarischen Phantastik. Als man noch glaubte, den Mond mit ausreichend Leitern erreichen zu können.

Frauen an der Macht

Es erinnert an Cyrano de Bergeracs „Mondstaaten und Sonnenreiche“ aus dem 17. Jahrhundert und es illustriert den kategorischen „Riss“ in der Phantastik. Jenes zufällige Portal, bei dem Lebewelten aufeinanderprallen, wenn Olivia aus der „Leinwand“ des Frauenvolks hervorbricht. In „Zara“ ist die Story nicht sonderlich ausgereift, aber doch unterhaltsam. Die Faszination des Frauenplaneten liegt eher im erotischen Bereich.

Allerdings ist der junge Illustrator François schon längst dabei, seinen Stil zu verfeinern. Es sind, wie das auch später so häufig der Fall sein soll, die architektonisch ausgefeilten Kulissen, die Mechaniken der Fortbewegung, die deutlich über den Streampunk, der damals noch nicht erfunden war, hinausgehen. Immer wieder überraschen organische Formen, die als Bauanleitungen für die Technik herangezogen wurden. Das ist insofern sehr modernistisch und futuristisch, weil Ingenieure jeder Couleur auch oft genug aus der Natur Inspiration schöpfen.

Zeichnerisch mögen die Panels etwas düster wirken, die Farben eher erdig ausgefallen sein. Durch die filigranen Schraffuren verstärkt sich dieser Eindruck gelegentlich. Möglicherweise aber sind auch die Druckvorlagen gealtert, so dass diese 2010 bei Casterman herausgegebene Edition die Seiten auch ein wenig restauriert und konserviert.

„Hohle Welten – Zara“ ist sicherlich für Fans und an der Comic-Geschichte interessierte Leser:innen faszinierend. Eher als für jene, die auf der Suche nach einer schillernden Schi-Fi-Story sind. Diese sind wahrscheinlich besser bedient mit einem Ausflug in „Die geheimnisvollen Städte.

Bewertung: 7 von 10.

Hohle Welten – Zara
OT: Zara
Genre: Comic, Science-Fiction
Autor: Luc Schuiten
Zeichner: François Schuiten.
Übersetzung: Michael Hain
ISBN: 978-3-96582-217-7
Verlag: Schreiber & Leser, 72 Seiten, Hardcover
VÖ: 06.01.2026

Zara bei Schreiber und Leser

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