The Housemaid: Privilegien und Gitterfenster

Es gibt Jobs, die sind intensiver als andere. Anstellungen in Privathaushalten gehören dazu, sofern sie Kost und Logis enthalten, denn die Arbeitnehmer:innen werden schnell mal als selbstverständlicher Teil der Familie angesehen und eine klare Trennung von Arbeit und Privatsphäre wird erheblich erschwert. So auch in dem amerikanischen Mystery-Thriller „The Housemaid“, in dem eine junge Frau als Haushälterin einer wohlhabenden Familie so ihre Überraschungen erlebt. Zu sehen ab dem 15. Januar 2026 im Kino.

Die junge Frau, die sich bei den Winchesters als Haushaltshilfe bewirbt, setzt eine Brille auf, bevor sie das Haus betritt. Sie will seriöser wirken, denn sie braucht unbedingt schnell einen Job. Zur Zeit lebt Millie Calloway (Sydney Sweeney) nämlich in ihrem Auto auf dem Parkplatz eines Diners. Zu den Bewährungsauflagen gehören sowohl ein Arbeitsplatz als auch ein fester Wohnsitz.

Die dynamische Hausherrin Nina Winchester (Amanda Seyfried) scheint nett und zugänglich uns sucht eine Haushaltshilfe um ihren anderen Verpflichtungen nachzukommen. Millie rechnet eigentlich nicht damit den Job zu bekommen bei der Vorzeigefamilie mit einer Tochter auf dem gepflegten Anwesen außerhalb New Yorks. Doch dann ist sie überraschend eingestellt.

Allerdings weiß Gatte Andrew (Brandon Sklenar) scheinbar nichts von der neuen Haushaltshilfe. Und auch die junge Tochter Cece (Indiana Elle) reagiert kühl und abweisend. Vor allem aber ist das Haus in einem chaotischen Zustand und Millie hat alle Hände voll zu tun Ordnung zu schaffen. Zumindest scheint ihre Kammer unter dem Dach ein wenig Rückzug zu ermöglichen. Nina hat sogar einen Türschlüssel zur Hand.

„Deine Haare sind ein Privileg.“

Millies Verhältnis zum attraktiven Hausherrn bessert sich schnell, doch Nina scheint zunehmend überfordert, hat hysterische Phasen und beginnt die Haushaltshilfe zu schikanieren. Auch die reichen Nachbarsfrauen und ihre Kindermädchen beginnen zu tratschen. Bei den Winchesters scheint einiges nicht so zu sein, wie es scheint.

Regisseur Paul Feig („Spy“, „Ghostbusters“ 2016) inszeniert den Mystery-Thriller „The Housemaid“ nach dem gleichnamigen Bestseller von Freida McFadden (Deutsch: „The Housemaid – Wenn sie wüsste“, Heyne Verlag). Amanda Seyfried („In Time“, „Red Riding Hood“) kann in der Rolle der neurotischen reichen Hausherrin überzeugen und Sydney Sweeney („Euphoria“) bringt eine gewisse fotogene Naivität in die Erzählperspektive.

Womit sich für das thrillergeschulte Publikum durchaus die Frage stellt, wie jemand, der so lange im Gefängnis gewesen ist, derart wenig Misstrauen an den Tag legen? Jahrelanges Studium von „Hinter Gittern – Der Frauenknast“ beweisen etwas anderes. Sei es drum, diese Prämisse muss das geneigte Publikum ebenso akzeptieren wie die Alternativlosigkeit in Millies Notsituation. Wer steckt schon drin im amerikanischen Bewährungssystem?

Tatsächlich sind es vor allem die Storytwists der fortgeschrittenen Geschichte, die zu überzeugen wissen und dem Thriller eine gewisse unvorhersehbare Dynamik verleihen. Bis dahin allerdings wird die Millies Story mit schlichtem und klischeehaften Situationen für eine eher junge weibliche Zielgruppe ausformuliert. Die attraktive „Jungfrau in Nöten“ versucht wieder Boden unter die Füße zu bekommen. Die Chefin ist eine Zicke und deren Mann selbstredend eine mitfühlende Sahneschnitte.

Der kräftige schweigsame Gärtner

Da kommt die Haushaltshilfe schon mal ins erotische Tagträumen. So verrucht wie bei „50 Shades of Grey“ wird es dann aber doch nicht und der Arbeitsalltag der jungen Frau auf Bewährung gestaltet sich schon recht absehbar. Das mag filmisch und dramaturgisch Methode haben, führt aber dazu, dass es bis zum letzten Drittel des Films erhebliche Ermüdungserscheinungen gibt.

Ehrlicher Weise könnte ich es niemandem verdenken, der aufgrund der plumpen Inszenierung vorzeitig das Kino verlässt. Wer durchhält wird immerhin belohnt. Immerhin kam der Rezensent andererseits in den Genuss von Goldie Bouteliers hörenswertem Song „The Angel and The Saint“, der den Abspann begleitet.

„The Housemaid“ ist die effektheischende Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Freida McFadden. Der stimmig besetzte Thriller watet durch einige klischeebeladene Untiefen und einen eher unspannenden Storyaufbau auf ein wendungsreiches Finale zu. Das entschädigt für einige Plattitüden. Dennoch scheint der Thriller eher für eine junge weibliche Zielgruppe angelegt als für ein diverses Thrillerpublikum.

Bewertung: 5 von 10.

The Housemaid – Wenn sie wüsste
OT: The Housemaid
Genre: Thriller, Mystery
Länge: 132 Minuten, USA, 2025
Regie: Paul Feig
Vorlage: Roman „The Housemaid“ von Freida McFadden
Schauspiel: Amanda Seyfried, Brendan Sklenar, Sydney Sweeney
FSK: ab 16 Jahren
Verleih: Leonine
Kinostart: 15.01.2025

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