Stormskärs Maja: Liebe wie ein Felsen

Die historische Romanze „Stromskärs Maya“ scheint in der Finnischen Heimat extrem erfolgreich zu sein. Dabei fordert der fast 3stündige Film schon einiges an Sitzruhe, doch die Zeit fliegt. „Strömskärs Maja“ spielt in karger skandinavischer Landschaft und erzählt aus den Leben von Maja, die Mitte des 19. Jahrhunderts als junge Frau mit einem Fischer verheiratet wird. Hört sich schlicht an, ist aber ein großartiges Filmepos, das auf einer Romanserie von Anni Blomqvist beruht. Mindjazz Pictzures versorgt das hiesige Publikum ab dem 3. April 2025 mit wunderschöner Kino-Sehnsucht.

Maja (Amanda Jannson) lebt als Tochter eines wohlhabenden Bauern ein recht unbeschwertes Leben. Als Mädchen schwärmt sie für den Schönling im Dorf, der die neugierigen Blicke erwidert. Doch ihre Eltern haben anderes vor und verheiraten die Tochter. Der Sohn eines Fischers hält um Majas Hand an und der ungelenke Janne (Linus Toredsson) war schon immer in das lebenslustige und verträumte Bauernmädchen verliebt.

Als jüngerer Sohn hat Janne zuhause nicht viel zu erwarten und zu erben. Daher hat er eine Insel in den äußeren Schären des Åland-Archipels als zukünftigen Zuhause für seine Familie erkoren. Stromskärs macht nicht viel her, doch reiche Fischgründe liegen vor der Insel. Janne hat einen Plan und nimmt einen Kredit auf, um das Holz für ein Haus zu bezahlen.

„Mutter des Meeres, zeig mir meinen Zukünftigen“

Bis dahin hält die Kuh im Stall die Eheleute im Winter warm. Während Maja anfangs noch sehr mit ihrer Ehe und Janne fremdelt, fasst sie bald Vertrauen zu ihrem Gatten und lernt die ungezähmte Natur und das selbstbestimmte Leben zu schätzen. Dabei erkundet sie neugierig die Welt um sie herum und die Möglichkeiten, die sich ihr bieten.

Das Åland-Archipel um die Hauptinsel Åland liegt zwischen Schweden und Finnland hat aber eine Sonderstellung. Die Inselgruppe ist autonom, gehört verwaltungstechnisch zu Finnland während die Amtssprache Schwedisch ist. Bereits zu der Zeit – Mitte des 19. Jahrhunderts – als „Stormskärs Maja sich zuträgt, war Åland etwas spezieller.

Die epische Romanze von Regisseurin Tiina Lyma beruht auf einem fünfteiligen Romanzyklus, den die von Åland stammende Schriftstellerin Anni Blomqvist verfasste und der in den 1970er Jahren bereits als TV-Serie adaptiert wurde. Das Gesamtwerk von Anni Blomqvist ist bislang leider nicht in deutscher Sprache erschienen. Die Autorin hat aber später auch über das Leben der Menschen auf Åland geforscht. Insofern ist „Stromskärs Maja“ sowohl romantische Lebensgeschichte als auch ein Bericht über das Leben der einfachen Menschen zu jener Zeit.

„Dort kann man alles sein, was man will.“

Auch die Verfilmung von Tiina Lyma übernimmt die Aufgabe, das einfache karge Leben seinerzeit zu zeigen. Freilich ist das eingebunden in eine romantische Geschichte, die den Film emotional trägt und von zwei großartigen Darsteller:innen mitreißend vorgetragen wird. Und es ist eingebunden in eine so wunderschöne Küstenlandschaft, dass es schon ein Jammer wäre, die wunderbaren Aufnahmen von Kameramann Rauno Ronkainen nicht auf der großen Leinwand zu genießen.

Es mag sein, dass die Drehbuchadaption des Romanzyklus die emanzipatorischen Momente in Majas Leben in moderner Art stärker herausstellt als die Romane. Allerdings ist Maja als Person und Frau so kraftvoll und in sich selbst ruhend, dass sie sich den Stürmen und Sturmfluten des Lebens aussetzt. Das ist schön, faszinierend und bewegend.

Tatsächlich hat der 162minütige Film einen irritierenden Moment, als die bislang zeitlich mehr oder minder kontinuierliche Erzählung einen Sprung von etlichen Jahren macht. Nun erst wird dem Publikum (oder zumindest mir) klar, dass es sich nicht um einen Auftaktfilm handelt, dem mögliche Fortsetzungen folgen könnten, sondern um einen großen Lebensentwurf, der einen Großteil des Romazyklus umfasst. Das sorgt in der Folge für eine eigene, packende Dynamik.

„Alles, was ich liebe, ist hier.“

Mich als Serien-Fan hätte es allerdings nicht gestört, irgendwann mehr aus diesem Leben und dieser Liebe zu sehen. „Stormskärs Maja“ ist seiner Erzählung vermeintlich schlicht, auch weil es um einfache Leute und ein naturverbundenes Leben geht. Es gibt einige wesensverwandte Erzählungen, die auch als Film oder Serie adaptiert wurden.

Die TV-Serie „Anne with an E“ beispielsweise, basierend auf den Romanen „Anne von Green Gables“ von Lucy Maud Montghommery triebt das emanzipatorische Moment deutlich energischer voran. Der „Poldark“-Zyklus (nach Winston Grahams Romanen) hat in seiner modernen Serien-Adaption eine vergleichbare Erzählhaltung, in der die unerwartete Liebe im Vordergrund steht und die Handlung vorantreibt, die durchaus mit sozialen Beobachtungen gespickt ist.

Nicht zuletzt bebildern auch die Literaturverfilmung „Das Flüstern der Felder“ (nach „Die Bauern“ von Wladislaw Reymont) und Rauni Mollbergs derbe finnische Roman-Verfilmung „Die Erde ist ein sündiges Leid“ (nach Timo Mukka) ländliche Lebewelten aus fernen Zeiten an fernen Orten und loten damit Gesellscvhaftliche Dynamik aus. Wer mit diesen Verweisen neugierig geworden ist, sollte „Stromskärs Maja“ einen Blick gönnen. Längst nicht so melodramtisch wie „Vom Winde verweht“ aber nordisch sturmumtost und keineswegs kühl, sondern voller Lebensfeuer und Leidenschaft.

Das finnische Epos „Stormskärs Maja“ erzählt mit überwältigender Landschaft und großem Gefühl von den Schwiergkeiten eines ursprünglichen Lebens in längst vergangenen Zeiten. Das ist wunderbar detailliert und schön beobachtet und wirkt bis in unsere Zeit. Die Kinoüberraschung des Jahres.

Bewertung: 9 von 10.

Stormskärs Maja – Von Liebe getragen, von Stürmen geprägt
OT: Myrskyluodon Maija
Genre: Drama, Romanze, Historie
Länge: 162 Minuten, FIN, 2024
Regie: Tiina Lymi
Vorlage: Romanreihe um „Stormskärs Maja“ (1968-73) von Anni Blomqvist
Schauspiel: Amanda Jansson, Tony Doyle, Linus Troedsson,
FSK: ab 12 Jahren
Verleih: Mindjazz Pictures
Kinostart: 03.04.2025

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