Da kommt der schmächtige Gauner Alex in den Knast und muss sich in einer archaischen und gewalttätigen Welt behaupten. Das deutsche Knastdrama „Haps – Crime Doesn’t Pay“ versteht sich als Teil einer Kampagne zur Verbrechensprävention bei Jugendlichen. Und keult doch in die klischeeversmierte Kerbe des Gangsta-Raps, der der hier allerorten zu hören ist, wenn mal gerade nicht gedroht oder gelitten wird. Mag sein, dass sich jugendliche Delinquenten so abschrecken lassen. Diese Diskussion führe ich hier nicht, finde den Film aber absolut nicht gelungen. „Haps – Crime Doesn’t Pay“ kommt ab dem 27.März 2025 in die Kinos.
Alexander Rothstein (Constantin von Jascheroff) steht vor dem Zeugwart im (Untersuchungs?)-Gefängnis und bekommt seine Knastklamotten ausgehändigt. „Anziehen kannste dir sparen, wirst eh gefickt.“ Mit dieser Aussicht teilt Alex die Zelle mit dem wortkargen Russen Viktor (Amir Israil Aschenberg) und dem neurotischen Palästinenser Khalil (Kais Setti).
Alex beteuert unschuldig zu sein. Man habe irgendwie haufenweise Cannabis mit ihm in Verbindung gebracht, er wüsste auch nicht wieso. Er müsse dringend wieder raus, weil seine Freundin schwanger ist. Schnell lernt Alex, dass er im Haps, so wohl der arabische Ausdruck für Knast, ziemlich auf sich gestellt ist und strategische Freundschaften schließen muss, um zu überleben.
Knastkumpel Manni (Michael Lott), einer der wenigen deutschen Insassen, gibt gerade anfangs brauchbare Tipps. Mit dem kurdischen Gangsterboss Mazlum (Cem Öztabakci) kommt Alex in Kontakt, weil er gut mit Zahlen und Technik kann. Das sichert das Überleben eine zeitlang.
„Dieses Geschäft bringt nur Armut nach Hause.“
Die Zellen strotzen vor Dreck, die Klos sind versifft, der Gang in die Gemeinschaftdusche droht zum Spießrutenlaufen zu werden. Die meisten Insassen sind ausländischer Abstammung und die wenigen Deutschen sind „fast alles Kinderficker, der Rest sind Junkies“. Man organisiert sich in Gangs und lungert rum ohne sich gegenseitig Stress zu machen. Der Neue, keineswegs so unschuldig wie anfangs beteuert, wird von der Außenwelt und der Familie schnell abgeschrieben. Nun – und sowieso – zählt nur noch was im Haps passiert. „Monster werden nicht geboren, sie werden gemacht.“ lässt Alex das Publikum gleich zu Beginn unheilsschwanger und finster aus dem Erzähler-Off wissen.
Und dann reiht sich eine Klischeeszene an die nächste und die Gangsterrap-Floskeln wie auch der tough testosteronlastige Knastsprech wühlen sich durch massives Gepose. Zwischendurch immer wieder der Soundtrack zum Hofgang dargeboten von einschlägigen Gangsta-Rappern, derweil die Knastis durch die Gitter gefilmt treppauf treppab pilgern wieGladiatoren, wie Legionäre – oder wie Lemminge.
Das Ganze wird mit intensiver, fast voyeuristischer Kamera gefilmt und in übersteuertem Lichtfilter dargeboten. Zugleich düster und doch im grellen Licht der Suchscheinwerfer. Gewalt und triebgesteuertes Mackergehabe sind so onmipräsent wie der Rassismus alle gleich macht, gleich asozial. Wärter inklusive. Denn der verkappte Ausländerfeind, wettert zwar gegen Juden, identifiziert Alex aber vorrangig als Deutschen, der hier ein bisschen Schutz verdient.
„Egal wie reich du bist.“
Es ehrt die Produzenten und Filmmacher Ekrem Engizek alles unabhängig finanziert zu haben und eine Aufklärungskampagne gegen Jugendkriminalität zu initiieren, bei der „Haps“ integraler Bestandteil ist. Haufenwiese Musikvideos und Social Media Inhalte und haste nicht gesehen gibt es zu erkunden. Authentische Ex-Knastis und alles voll realistisch. Funzt trotzdem nicht. Ist womöglich sogar kontraproduktiv. Und cineastisch nicht wertvoll. FSK 16 und in der sexualisierten Gewaltandeutung auch immer frauenfeindlich. Absurderweise. Aber das mag jede:r selbst sehen, wenn’s den sein muss.
Immer wieder ist zu lesen „Haps“ mache weiter wo „4 Blocks“ als TV-Serie unterwegs war. Das ist in Aspekten sicher stimmig, aber es hilft nun auch nicht weiter. Denn das Milieu hier ist zu klischeebehaftet, die Charaktere zu sehr Abziehbilder, und in seiner Entwicklung ist auch Alex nicht stimmig. Steve Buscemi hat anno 2000 als Regisseur mal einen Knastfilm gedreht, bei dem viele ehemalige Insassen mitgewirkt haben. „Animal Factory“ war hierzulande kaum zu sehen, machte auf mich aber mehr Eindruck als „Haps“, weil er sein Milieu nicht so übersteuert ausstellt.
Wäre es nicht so derart over the Top, „Haps – Crime Doesn’t Pay“ würde noch als überzogener, ungelenker Genrebeitrag zum Knastfilm durchgehen. Doch selbst wenn der Siff halbwegs die Verhältnisse abbilden sollte, ist das im Film einfach unrealistisch drüber. So wie der Rest. Und Gangsta-Rap war eigentlich noch nie ein sozialverträgliches Musikgenre. Wie soll denn da Abschreckung funktionieren, wenn dieselben Stilmittel zur Verherrlichung benutzt werden? Jetzt diskutiere ich doch…will ich nicht. „Haps“ ist nicht gut, nicht sehenswert. Schwamm drüber und mal ordentlich durchfeudeln.

Haps – Crime doesn’t Pay
OT: Haps
Genre: Gefängnis-Drama
Länge: 128 Minuten, D, 21025
Regie: Ekrem Engizek
Schauspiel: Constantin von Jascheroff, Kais Setti, Cem Öztabakci
FSK: ab 16 Jahren
Vertrieb: Eigenvertrieb Engizek Inc.
Kinostart: 27.03.2025