Drehbuch-Autor Shane Black hatsich bereits in den 1980ern einen Namen gemacht, als er die Action-Komödie mit Filmen wie „Lethal Weapon“, „Last Boyscout“ und „Last Action Movie“ neu belebte. Auch sein Regiedebüt „Kiss Kiss Bang Bang“ gilt unter Kennern als Perle des Genres. Mit „The Nice Guys“ schickt Shane Black nun die Stars Ryan Gosling und Russel Crowe als abgehalfterte Privatermittler in die lasziven Siebziger. „The Nice Guys“ ist eine clevere und sehr unterhaltsame Action-Komödie.
Der turbulente Auftakt von Shane Blacks Actioner „The Nice Guys“ scheint kaum etwas mit der eigentlichen Handlung zu tun zu haben, erweist sich aber im Verlauf als roter Faden. Da stibitzt ein Teenager nachts heimlich ein Männermagazin unter dem Ehebett seiner Eltern und freut sich an den Kurven des Centerfolds Misty Mountains.
Im Hintergrund durch das Fenster sieht man ein Auto über dem Abhang hinausfahren, dass kurz darauf durch das Haus kracht und dahinter als Totalschaden liegenbleibt. Der Teenager schaut nach und findet eben jene Misty Mountains als Fahrerin sterbend und mit entblößter Brust auf einem Felsen liegend und bedeckt die Nacktheit mit seinem Pyjamaoberteil.
Erst schlagen, dann fragen
Danach erlebt der Zuschauer zunächst den Arbeitsalltag von Jack Healey (Russel Crowe) der sich im Los Angeles des Jahres 1977 als hilfsbereiter Schläger engagieren lässt und aus dem Off kommentiert, warum er diversen Leuten auf die Glocke gibt. Anschließend erläutert in gleicher Weise Privatdetektiv Holland March warum er so viel trinkt, wieso er nicht wirklich erfolgreich ist und wie er trotzdem über die Runden kommt.
Es folgt das erste (handfeste) Aufeinandertreffen, der beiden Protagonisten und so langsam kommt auch die Story ins Rollen: Denn beide sind hinter derselben Frau her, Amelia (Margaret Qualley). Die ist in irgendwelche halbseidenen Filmaufnahmen verwickelt, und wird deshalb bedroht und gejagt. Healey wurde von Amelia beauftragt, ihr March vom Hals zu schaffen.
Aber als Healey selbst Besuch von Schlägern bekommt, wittert er, dass da etwas nicht stimmt und versucht der Sache gemeinsam mit dem Privatdetektiv auf den Grund zu gehen. Dessen dreizehnjährige Tochter Holly (Angourie Rice) erweist sich bei den Ermittlungen in der Welt der Erwachsenenfilme als schwer abzuschüttelnde Assistentin.
Überforderte Erziehungsberechtigte
Die Buddy-Komödie „The Nice Guys“ ist ohne Zweifel sehr kurzweilig und unterhaltsam ausgefallen, doch wirklich neu wirkt das alles nicht. Das 70er Setting ist ziemlich gelungen und weiß mir seinen Zeitgeistreferenzen an Autoindustrie und die goldene Zeit der Pornografie eine gewisse Nonchalance zu erzeugen.
Das grandiose Setdesign und die absolut authentischen Kostüme sind genauso stimmig wie der funky Soundtrack. Die markigen Sprüche der beiden Antihelden bleiben leicht im Ohr hängen, Humor und Action halten sich die Waage und sind meistens auf den Punkt inszeniert. Die Story ist einigermaßen vertrackt und das Drehbuch kann man mit seinen vielen Anspielungen nur als ausgesprochen clever konstruiert bezeichnen.
Filmchen unterm Ladentisch
Die Mixtur erinnert auch an Paul Andersons (stärkerer) Verfilmung von Thomas Pynchons „Inherit Vice“ und auch Blacks eigenes Regiedebut „Kiss Kiss Bang Bang“ kommt einem des Öfteren als Referenz in den Sinn. Die Gratwanderung zwischen Blaxploitation-Stilistik und Film Noir Avancen in den vermeintlich niedlichen Tagen der Pornografie spielt selbstverständlich auch mit Klischees. Aber nicht immer gelingt es dabei auch wirklich etwas Originelles herauszukitzeln. Das zeigt sich schon am den Tönen von „Papa was a Rolling Stone“ die den Film eröffnen.
Die beiden Stars bewegen sich mit erstaunlicher Sicherheit auf dem komischen Parkett und tragen die Film mit Klasse und Mut zur Albernheit auf ihren geschundenen Schultern. Der heimliche Star des Duos ist allerdings Marchs Tochter Holly, die mit ihrer Vorwitzigen und zugleich naiven Art für einige sehr gelungenen Szenen sorgt. Filmliebhaber werden außerdem an den nett eingebauten Referenzen ihren Spaß haben. Das filmische Wiedersehen von Crowe und Kim Basinger etwa, die in „L.A. Confidential“ zusammen zu sehen waren, oder auch die Hommage an die Krimiserie „Detektiv Rockford“.
Insgesamt betrachtet, erfüllt „The Nice Guys“ die Erwartungen, die man an eine gelungene, actionreiche Buddy-Komödie und an ein Drehbuch von Shane Black haben kann und sorgt für gute und witzige Unterhaltung mit großartigen Momenten. Das ist schon deutlich mehr als Genremittelmaß, und sorgt immer wieder für launige Unterhaltung.
The Nice Guys- Nett war gestern
OT: the Nice Guys
Genre: Komödie, Action, Krimi
Länge: 116 Minuten, USA, 2016
Regie: Shane Black
Schauspiel: Ryan Gosling, Angourie Rice, Margaret Qualley, Russel Crowe
FSK: ab 12 Jahren
Vertrieb: Leonine
Kinostart: 02.06.2016
DVD-& BD-VÖ: 31.12.2016