Sisterqueens: Ziemlich gut für Mädchen

In der Reihe „Politkino“ bringt der Drop-Out Filmverleih Dokumentarfilme in die Kinos. „Sisterqueens“ begleitet drei junge Mädchen innerhalb des Berliner Rap-Projektes “Sisterqueens“. Die Doku von Clara Stella Hüneke ist für den Grimme Preis nominiert und schon seit dem 6. März 2025 in den Kinos zu sehen.

Die drei Mädchen Jamila (9), Rachel (11) und Faseeha (12) wollen Hip-Hop lernen. Sie machen mit im Rap-Projekt „Sisterqueens“ in Berliner Wedding. Dort reimen und rappen sie und bekommen Feedback und Anleitung von „etablierten“ Rapperinnen. Doch in dem Projekt wird auch gemeinsam gekocht und überhaupt darauf geachtet, dass die Mädchen ihren Platz im Leben selbst beanspruchen.

Die Doku, die als Film-Abschlussarbeit entstanden ist und in Kooperation mit „Das kleine Fernsehspiel“, begleitet die Mädchen über einen Zeitraum von drei Jahren. Darin ist auch die Covid-19 Pandemie-Phase enthalten. Das darf sich durchaus Langzeit-Beobachtung nennen. Bei „Sisterqueens“ lernen die Mädchen ihre ersten Schritte hin zur Musik und gegen die Geschlechterklischees.

„Man muss jetzt machen.“

An dieser Stelle und ausschließlich zu Informationszwecken einige Gedanken. Auch Dokumentarfilme sind Filme. Es gibt da Missverständnisse. Nur weil etwas Doku heißt, bedeutet es nicht, dass der Film „die Realität objektiv“ abbildet. Jeder Film hat einen Blickwinkel, eventuell sogar mehrere, die gegeneinandergestellt werden. Jeder Film, auch die Doku, hat eine Erzählung, ein Narrativ. Gerade in Zeiten von KI und Fake News, von Meinungsmache und Manipulation sollte ein Publikum darauf achten, was Bilder zeigen, was möglicherweise ausgelassen wird. Ob und wie weit das Publikum den Filmemacher:innen bei ihren Ausführungen folgen mag, muss jeder selbst entscheiden und prüfen.

In „Sisterqueens“ beginnt es mit einer frühen Variante des Songs „Diskriminierung“ den die Mädchen selbst gereimt und komponiert haben. Das ist schon ziemlich catchy und hat Potential wie sich gegen Ende des Films nochmal auf der Bühne bestätigt. Dazwischen liegt ein Zeitraum von drei Jahren, in denen die drei jungen Hauptfiguren des Films Einblicke in ihr Leben und ihre Träume, Wünsche und Hoffnungen gewähren.

Die Kamera ist dabei sehr nahe an den drei Mädchen, und die Infos zum Sozialprojekt „Sisterqueens“ werden eher nebenbei eingeflochten und erlebbar gemacht. Das ist schön, weil es die Menschen in den Vordergrund stellt und nicht die gesellschaftspolitische Initiative. Die ist etabliert genug und kann sich selbst eine Stimme geben.

„Digger, was? Geh dich vergraben.“

Während Rachel und Faseeha in einem Alter sind, wo Jungs beziehungsweise romantische Freundschaften interessant werden, ist die anfangs neunjährige Jamila mit ihren Wünschen und Träumen noch unbedarfter unterwegs. Sie will Erdkunde studieren, was mir als studiertem Geographen sehr sympathisch ist. Mit dem Flow beim Rappen haperts anfangs noch.

Und später im Film auf einer Demo fragt sich Jamila, warum die Polizei so rabiat durchgreift. Wobei die Demosituation ausschließlich aus Sicht der Mädchen und ohne Kontext abgebildet wird. Das scheint mir im Sinne des Narrativs stimmig, weil eine Politisierung von den Hauptcharakteren ablenken würde.

Faseeha hat die Schule abgebrochen und will ihr Ding machen. Und raus aus dieser blöden „Ziemlich gut für’n Mädchen“-Ecke, die sich dumme Kerle ausgedacht haben. Später ist Faseeha endlich 15. Darauf hat sie sich sehr gefreut, aber seit sie 15 ist, fragt niemand mehr, wie alt sie ist. Und sie geht wieder zur Schule. Ihrer Mutter muss sie auch erklären, warum und wann deren Sprachgebrauch rassistisch ist. Mutters Kommentar: Ich komm da nicht mehr mit. Wer sagt das? Das Internet. Und ich lerne was über „Hate Fame“.

Der Film Sisterqueens“ macht schon ziemliche Freude, denn er bleibt nahe an seinen Heldinnen. Dadurch nimmt die Doku viele Menschen mit auf den Weg und die ermutigende Botschaft wird gehört. Es ist auch einfach interessant zu sehen, was junge Leute umtreibt. Ob mensch dafür ins Kino muss ist eine andere Frage. Das Projekt „Sisterqueens“ sollte viele Nachahmer finden, denn weibliche Selbstermächtigung, female empowerment, kann gar nicht früh genug anfangen.

Bewertung: 3.5 von 5.

Sisterqueens
OT: Sisterqueens
Genre: Doku, Musik, Gesellschaft
Länge: 97 Minuten, D, 32024
Regie: Clara Stella Hüneke
FSK: ab 6 Jahren
Verleih: drop-out Cinema

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