King’s Land: Brandrodung

In der Mitte des 18. Jahrhunderts macht sich ein verarmter Veteran daran sein Schicksal in die Hand zu nehmen. Er will für den dänischen König die Heidelandschaft im Westen urbar machen. Dabei kommt er einem adeligen Gutsherrn in die Quere. Das historische Drama mit Mads Mikkelsen basiert auf einem Roman von Ida Jessen. Plaion Pictures veröffentlicht „King’s Land“ nun digital und als DVD, Blu-ray und Mediabook für das klassische Home-Entertainment.

Anno 1755 lebt der ehemalige Hauptmann Ludvig Kahlen (Mads Mikkelsen) in einem Heim für Veteranen in Kopenhagen. Kahlen kommt aus einfachen Verhältnissen und hat 25 Jahre lang gedient, nun wird er am dänischen Hof vorstellig, um die Heide in Jütland urbar zu machen. Bis zum König dringt der Hauptmann nicht vor, aber bis zum Berater Paulli.

Die Heidelandschaft im Westen des Königreiches gilt als unkultivierbar und nimmt beinahe ein Drittel der Reichsfläche ein. Viele haben dort vergeblich ihr Glück versucht. Man lässt Ludvig Kahlen auf eigene Kosten gewähren und verspricht ihm im Erfolgsfall den erwünschten Adelstitel und ein Gut in Jütland, wohl wissend, dass der ehemalige Gärtner scheitern wird.

Die Heide abfackeln und urbar machen

Als Kahlen in der Gegend von Viborg auf Jütland eintrifft, hat er kaum Geld, nur was er von der Rentenkasse zusammengespart hat, und kann sich keine Landarbeiter leisten. Wohl aber kann er ein vermeintliches Geschwisterpaar anstellen, dass von einem brutalen Herrn geflohen ist. Der Pastor Anton Eklund (Gustav Lindh) ist begeistert von Kahlens Vorhaben. Anders der Gutsherr Frederik De Schinkel (Simon Bennebjerg) der meint, dass die Heide ihm gehöre.

Rein formal ist das Heideland Besitz des Königs, aber wenn es lange genug brachliegt, will De Schinkel sich das Land aneignen. Der Gutsherr lädt Kahlen ein und unterbreitet ihm einen Vertrag zur Zusammenarbeit, beziehungsweise bietet dem Hauptmann an in seine Dienste zu treten. Kahlen lehnt ab. Er wähnt sich im Recht, denn er ist im Auftrag des Königs unterwegs. De Schinkels widerwillige Verlobte, die Edelfrau Helene (Kristine Kujath Thorp), hofft, der Hauptmann könnte ein Ausweg aus der avisierten Ehe sein, sollte er erfolgreich und belohnt sein.

Zwischen dem Gutsherrn und dem Pionier kommt es zu einem erbitterten aber ungleichen Streit um das Land, der auch andere Menschen in Mitleidenschaft zieht. Allen voran Kahlens Arbeiter Johannes Eriksen (Morten Hee Andersen) und Ann Barbara (Amanda Collin). In seiner Not überredet Ludvig Kahlen die Vagabunden um Hector (Marcus Krepper) dazu für ihn zu arbeiten. So kommt auch die Sinti-Waise Ammai Mus (Melina Hagberg) an Kahlens Hof. Doch De Schinkel greift zu rabiaten Maßnahmen um den Rivalen auszustechen.

Besitz beschützen und die Privilegien

Heidelandschaften sind karge Landstriche, in denen wenig wächst, außer jenem struppigen und strunkigen Heidekraut. Gelegentlich noch ein Wachholderbusch oder eine windschiefe Kiefer. Dort ist wenig Landwirtschaft zu betreiben und die Heide gilt als Inbegriff einer nicht nutzbaren Landschaft. Kein Wunder also, dass es den dänischen König Mitte des 18. Jahrhunderts nervt, dass ein Drittel seines Reiches nicht urbar zu machen ist.

Wer sich auf ein solches Unterfangen einlässt, muss einigermaßen verzweifelt sein, oder keine Perspektive in seinem Leben sehen. Außerdem wäre es für eine derartige Mammutaufgabe hilfreich, einen Plan zu haben. Ludvig Kahlen erfüllt die Voraussetzungen und ist nicht umsonst wochenlang damit beschäftigt, systematisch Bodenproben zu nehmen. Er sucht den rechten Standort, wo der Boden nicht nur aus nährstofflosem Sand besteht.

Als er einen möglichen Standort findet, gehen die Probleme erst richtig los, zwar haben sie auch mit Arbeit zu tun, aber vor allem mit Machtverhältnissen und Rivalität. Das ist schon vergleichbar mit dem Treck nach Westen, der im US-Western so häufig als Motiv verwendet wird. Auch in „King’s Land“ geht es nach Westen, in einen Landstrich, wo die Ordnungsmacht fern ist und das feudale Recht des Stärkeren herrscht.

Tun, was getan werden muss

Der Konflikt zwischen Kahlen und De Schinkel ist jener zwischen Viehhaltern und Farmern im Western, ein Kampf um Reviere. Jütland ist im Dänischen Königreich seinerzeit absolute Provinz. Die Ostsee, das Baltikum, ist der zentrale Machtbereich in dem sich das Inselreich Dänemark mit Schweden um die Vorherrschaft streitet. Der westliche Kontinentalzipfel Jütland ist da von ebenso geringem Interesse wie die norwegische Berglandschaft, die um 1750 ebenfalls vom dänischen König regiert wird.

„King’s Land“ ist eine Romanverfilmung, die dem Regisseur Nicolaj Arcel („Eine Königliche Affäre“) angeboten wurde, bevor der historische Roman von Ida Jessen erschienen ist. Zusammen mit Anders Thomas Jensen („Helden der Wahrscheinlichkeit“, „Adams Äpfel“) wurde daraus ein Drehbuch. Interessant und aussagekräftig ist dabei, wie sich der Titel jeweils verändert hat.

Während Jessens auf historischen Recherchen basierender Roman „Kaptajnen og Ann Barbara“ (bislang nicht auf Deutsch veröffentlicht) auf die Beziehung von Kahlen und seiner anfänglichen Haushälterin abzielt, nimmt der dänische Filmtitel „Bastarden“ Bezug auf die Herkunft des Protagonisten und dem damit verbundenen Klassenkonflikt. Der internationale Verleihtitel „The Promised Land“ stellt die zukunftsweisende Verheißung in den Vordergrund und der deutsche Titel „King’s Land“ betont die Ordnungsverhältnisse und die Rechtschaffenheit des Ludvig Kahlen.

Haben oder Sein?

All diese Aspekte sind in dem vielschichtigen Drama ebenso zu finden, wie weitere gesellschaftliche und historische Aspekte, die möglicherweise bis in unsere Zeit reichen. So etwas die Vagabunden, denen es bei Strafe untersagt ist, zu arbeiten. Ebenso die Ablehnung und den Aberglauben Sinti und Roma gegenüber und nicht zuletzt die Anwerbung von Facharbeitern, die im Film als Siedler und Bauern aus Deutschland auftreten. Angeführt von den deutschen Darstellern Felix Kramer („Warten auf’n Bus“, „Freies Land“) und Martin Feifel.

Getragen allerdings wird der skandinavische Western von der wortkargen und ambitionierten Präsenz des Ludvig Kahlen. Mads Mikkelsen („Die Jagd“, ‚“Salvation“) wurde dafür bereits mehrfach ausgezeichnet. Doch auch Amanda Collin als Ann Barbara und Simon Bennebjerg als De Schinkel tragen dazu bei, dass „King’s Land“ einer der intensivsten und besten Filme des Jahres ist. Das Duell um die Heide ist keineswegs nur ein Abnutzungskampf sondern auch ein tiefgründiger Psychothriller.

Da ist einer, der hat sein ganzes Leben nach Höherem gestrebt und statt um 1755 in einem Armenhaus für Veteranen zu versauern, macht er einen neuen Anlauf am trostlosen Ende der Welt. Die karge Heidelandschaft Jütlands urbar zu machen scheint ein auswegloses Projekt und stößt doch auf den Widerstand des örtlichen Gutsherrn. „King’s Land“ ist großes, episches Kino mit weiten Landschaften, großartigen Figuren und Darstellern. Basierend auf einem Roman von Ida Jessen nach historischen Recherchen gibt es viel zu entdecken in der kargen jütischen Landschaft.

Film-Wertung: 9 out of 10 stars (9 / 10)

King’s Land
OT: Bastarden aka „Kongens Land“, Internationaler Titel: The Promised Land
Genre: Drama, Historie
Länge: 127 Minuten, DK, 2023
Regie: Nicolaj Arcel
Vorlage: Roman „Kaptajnen og Ann Barbara“ von Ida Jessen
Schauspiel: Mads Mikkelsen, Simon Bennebjerg, Melina Hagberg, Amanda Collin
FSK: ab 12 Jahren
Vertrieb: Plaion Pictures
Kinostart: 06.06.2024
Digital-VÖ: 17.10.2024
DVD- & BD-VÖ: 24.10.2024

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