Verrückt nach Figaro: Mozarts Leichtigkeit und schottischer Nebel

Viele Menschen träumen wohl davon, eine Berufung zu finden und diese auch zu verwirklichen. Etliche junge Leute wetten auf ihr Talent und hoffen auf den großen Durchbruch. Aber nicht jede:r will Opernsänger:in werden. Vor allem, wenn der mensch dafür eine erfolgreiche und lukrative Berufslaufbahn aufgeben muss, so wie Maddie. Die romantische Komödie mit viel mehr oder minder Belcanto (schönem Gesang) kommt hierzulande am 27. Juli in die Kinos.

Maddie Cantwell (Danielle McDonald) ist in London erfolgreiche Fondsmangerin und wurde gerade in ihrer Agentur befördert. Sie ist mit ihrem Kollegen Charlie (Shadez Latif) zusammen und das Paar hat einen luxuriösen Lebensstil in der City. Allerdings hat Maddie schon ewig den Traum Opernsängerin zu werden. Nun gönnt sie sich eine Auszeit und wagt zumindest den Versuch. Charlie ist perplex und interessiert sich überhaupt nicht für Musik, unterstützt seine Freundin aber.

Doch Maddie bekommt am Konservatorium gleich eine Abfuhr: Zu alt, um noch gründlich ausgebildet zu werden. Aber es gäbe da einen Wettbewerb, der die Siegerin zu einem Konservatoriums-Platz verhelfe. Und es gäbe da eine empfehlenswerte Gesangslehrerin, die allerdings nicht mehr unterrichte. Vielleicht macht sie ja eine Ausnahme.

Die Lehrerin Meghan Geoffrey-Bishop (Joanna Lumley) ist eine ehemalige Opernsängerin, die ein Cottage in einem schottischen Dorf lebt, das sie geerbt hat. Ansonsten ist die ehemalige Diva nicht gerade auf Rosen gebettet und von eher schroffem Naturell. Maddie überzeugt vor allem mit finanziellen Argumenten und bekommt eine Chance.

Landleben und Hochkultur

Sie mietet sich im örtliche Pub ein, der gleichzeitig Gästezimmer vermietet. Wirt Ramsay (Gary Lewis) hat seine eigene Geschichte mit Meghan und so auch Aushilfskoch und „Mädchen für alles“ Max Thistlewaite (Hugh Skinner). Der ist nämlich seit Jahren Meghans Schüler, gewinnt aber einfach den Talentwettbewerb nicht. Nun sind Maddie und Max Rivalen.

Zugegeben, „Verrückt nach Figaro“ ist ziemlich absehbar ausgefallen. Aber die in Schottland angesiedelte romantische Komödie kann mit Charme und gut harmonierenden Darsteller:innen auftrumpfen. Gelegentlich braucht es nicht viel mehr für einen unterhaltsamen Kinoabend.

Danielle McDonald mimte 2017 in „Patti Cakes“ sehr überzeugend und einnehmend eine Vorstadt-Rapperin aus der Unterschicht. Auch in der australischen Outback-Thrillerserie „The Tourist“ wusste sie mich als unbeholfene Polizistin zu überzeugen. Nun also ab in die Oper. Das Publikum muss schon ein gewisses Faible für klassischen Gesang haben oder ihn zumindest aushalten können, um an der musikalischen Entwicklungsgeschichte Freude zu haben.

Das ländliche Setting tut ein Übriges um eine „Fisch aus dem Wasser“-Situation zu erzeugen, in der sich die Hauptfigur beweisen muss. Tatsächlich rechne ich dem Film auch an, dass er eine kräftige Frau besetzt und darum absolut gar kein Gewese macht. Die Kneipengänger stellen sich bei der Radioübertragung des Talent-Wettbewerbs (selbstverständlich) als Kenner und Experten heraus und drücken dem Lokalmatador die Daumen.

Kindheitsträume und Erfolgshoffnungen

Die Gesangslehrerin wird von Joanna Lumley hinreißend grantelig dargeboten. Sie greift immer wieder zu unorthodoxen Methoden. So drückt sie ihrer Schülerin zum Stimmbandbrüfung und Grundsatzeignung erstmal an die Kehle zu. Später dann stattet sie ihre Wettbewerbsteilnehmerin mit einem Kinderlied aus. „Twinkle Twinkle Little Star“, auf deutsch bekannt als „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ nach einer Volksweise , die auch Mozart inspirierte, ist sicherlich eine schräge Wahl als Wettbewerbsbeitrag.

Regisseur Ben Lewin („Der Gefallen, die Uhr und der sehr große Fisch“, „The Sessions“) routiniert die Story, die er mitentwickelt hat mit ruhiger Hand und viel Routine. Das führt zu überzeugendem Timing und stimmigen Pointen. Und dazu, dass die Darsteller:innen aufleben.

Wer im aktuellen Kinoprogramm auf leichte Unterhaltung aus ist, kann es wahrlich schlechter Treffen als mit „Verrückt nach Figaro“. Zwar ist der Film eher Operette als große Oper, aber die charmante Geschichte und die authentischen Darsteller:innen sorgen Schmunzeln und Lacher. Warum soll im Film nicht funktionieren, was beim Schleswig-Holstein Musikfestival seit Jahren praktiziert wird? Musik in der Scheune.

Film-Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

Verrückt nach Figaro
OT: Falling for Figaro
Genre: Romanze, Komödie
Länge: 105 Minuten, Aus/USA, 2020
Regie: Ben Lewin
Darsteller:innen: Danielle McDonald, Joanna Lumley, Hugh Skinner
FSK: ab 12 Jahren
Vertrieb: 24 Bilder, MFA
Kinostart: 27.07.2023

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