Der Räuber Hotzenplotz: Biestiger Schnupftabak

In meiner Kindheit gab es in der Adventszeit Klassenausflüge ins Weihnachtstheater. Heutzutage erscheinen Kinobesuche zeitgemäßer und mit einer neuen Verfilmung des Kinderbuches „Der Räuber Hotzenplotz“ sollten eigentlich große und kleine Kinozuschauer:innen auf ihre Kosten kommen. Aber bitte dran denken: Nicht jeder Schnupftabak ist so explosiv. Im Kino ab 08.12.2022.

Es ist immer dasselbe: Kaum hat jemand etwas Schönes, will es der Rauber Hotzenplotz (Nicolas Ofczarek) auch haben. So etwa die Kaffeemühle, die auch ein Lied spielt. Die hat die Großmutter (Hedi Kriegeskotte) nämlich vom Kasperl und vom Seppl zum Geburtstag bekommen. Doch der Hotzenplotz hat gute Ohren und mopst der Großmutter die Mühle.

Kasperl (Hans Marquard) und Seppl (Benedikt Jenke) sind zwar eigentlich mit wissenschaftlichen Experimenten beschäftigt, aber nun wollen sie dem Hotzenplotz das Handwerk legen. Die beiden Jungen füllen eine Kiste mit Sand, schreiben „Vorsicht Gold“ drauf und ziehen sie durch den Wald. Es dauert nicht lange, bis der Räuber anbeißt und die Kiste klaut. Doch der Plan das Versteck zu finden geht nicht auf.

Geschenke klauen gildet nicht

Stattdessen packt der Räuber den Kasperl und verkauft ihn zum Kartoffelschälen an den Zauberer Petrosilius Zwackelmann (August Diehl). Höchste Zeit, dass Wachtmeister Dimpfelmoser (Olli Dittrich) sich der Sache annimmt. Der ist zwar etwas sockelig, aber auf dem richtigen Weg. Großmutter kann dann doch nicht stillsitzen und macht sich selbst auf die Suche.

Es ist immer schwierig, die vermeintlich einfachen Dinge hinzubekommen. Junge Zuschauer:innen sind ein anspruchsvolles Publikum und es muss schon etwas passieren, damit die Geschichte auch interessant bleibt. Regisseur Michael Krummenacher hält sich bis auf das Wissenschaftsexperiment an die klassische Erzählung von Ottfried Preußler.

„Der Räuber Hotzenplotz“ ist bekanntlich nach den beliebten Figuren des Kasperle-Theaters entworfen und so verwundert es kaum, dass die Charaktere nicht sonderlich tiefgehend sondern eher typisch sind. Trotzdem – oder gerade deshalb – ist Nicolas Ofczarek („Der Pass“) ein großartiger Hotzenplotz. Er steht seinen rabaukigen Vorgängern Gerd Fröbe (1974) und Armin Rohde (2006) in nichts nach. Das liegt vor allem daran, dass er seinen Räuber nicht überkandidelt anlegt, sondern ein bisschen schlicht, ein bisschen bauernschlau und vor allem auf seinen eigenen Vorteil bedacht.

Betriebsausflug nach Buxtehude

Anders August Diehl als Zauberer. Dessen Performance ist total überzogen und wirkt dadurch ebenfalls. Allerdings hat Diehl seinen Zwackelman belebt als stamme er aus dem fantastischen „Zamonien“ von Walter Moers, wo auch „Käptn Blaubär“ seine Abenteuer erlebt. Das ist an und für sich in Ordnung, nur war der Zauberer für mich quasi im falschen Film.

Alle anderen tun, was sie immer machen, und sind, wer sie immer sind. Wobei die Großmutter Hedi Kriegeskotte es wirklich dolle hinkriegt mit ihrem hannoverschen Hochdeutsch und der beinahe Wilhelm Busch’schen Empörung. Vielleicht gibt es in „der Räuber Hotzenplotz“ einen Pupswitz zuviel, aber seit „Doktor Proktors Pupspulver“ die Kinderzimmer erobert hat, lässt sich das wohl kaum vermeiden. Eine der schönsten Szenen ist dann die mit der Pilzsuppe, aber das soll jeder selber sehen. Und keine Bange, am Ende wird alles gut.

Wohl jede Generation hält ihre kindlichen Geschichten und Filme für die gelungensten. Das liegt maßgeblich an der Verklärung der Erinnerung. Dennoch kann „Der Räuber Hotzenplotz“ ganz locker mit früheren Verfilmungen mithalten, die immer auch ein bisschen des jeweiligen Zeitgeistes in die zeitlose Kasperle-Geschichte einfließen lassen. Ein bisschen Fantastik hat noch keinem Wegelagerer geschadet.

Film-Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

Der Räuber Hotzenplotz
OT: Der Räuber Hotzenplotz
Genre: Kinderfilm
Länge: 106 Minuten, D, 2022
Regie: Michael Krummenacher
Vorlage: Kinderbuch von Ottfried Preußler
Darsteller:innen: Nicolas Ofczarek, Hedi Kriegeskotte, Benedikt Jenke
FSK: ohne Altersbeschränkungen
Vertrieb: Studiocanal
Kinostart: 08.12.2022

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