Ansichten am Donnerstag # 51: Zukunftsmusik

Es ist nun wahrlich keine neue Erkenntnis, dass das Genre der Science-Fiction schon seit Längerem nicht mehr innovativ ist. Die Hochphase in Literatur und Film ist schon längst vorbei. Gelegentlich kommt dann doch noch mal eine positive Überraschung auf die Leinwand, aber von der Wiederbelebung eines Genres kann keine Rede sein. Meist bleibt die Science-Fiction in den Kulissen stecken.

So wie jüngst in dem Actioner „World Invasion: Battle Los Angeles“. Die Aliens müssen schlicht als Prototyp militärischer Überlegenheit herhalten. Auch in dem spektakulären „Avatar“ ist die außerirdische Welt im Grunde nur ein schöner, dreidimensionaler und bunter Tummelplatz. Alle Jubeljahre wieder wird dann der erneute, meist nicht überzeugende, Versuch unternommen eine Vorlage von Philip K. Dick zu verfilmen. Der hat bekanntlich viel geschrieben, weilt aber auch schon seit einer Weile nicht mehr unter uns.

Wo bleiben die neuen Stoffe? Stories mit Weitblick, mit Vision? Wo bleiben Filme und Geschichten, die ausloten, was die Grenzbereiche der Technik, des Zusammenlebens und der Erkenntnis hergeben? Wo bleibt die in der Zukunft versteckte Kritik am Bestehenden. Ist nach „Alien“, „Blade Runner“ (die rühmliche Ausnahme unter den Dick-Verfilmungen, die allerdings kaum etwas mit der Vorlage zu tun hat) und „Matrix“ wirklich alles schon erzählt?

Warten auf ein Revival der Science-Fiction

Der Western hat ein Revival erfahren, der Horrorfilm, der Piratenfilm und selbst das Musical ist filmisch wieder in Mode gekommen. Eigentlich wäre nun mal die Science-Fiction dran. Stattdessen gibt es mittels digitaler Bilderbasteleinen aber Comic-Verfilmungen und aufwändige Fantasy oder Historienschinken.
Allesamt schön anzuschauen, aufwändig und mit viel fantastischem Beiwerk, aber selten mehr als gute Unterhaltung. Tiefgreifende Stories sind da nicht zu erwarten, geschweige denn Visionen einer besseren oder schlechteren Welt. Einer anderen Welt. Anderer Welten.

Vielleicht ist die Freiheit sich auch künstlerisch äußern zu können, ein Grund dafür, Kritik nicht mehr in Paralleluniversen zu verschicken. Vielleicht liegt es am Zeitgeist, der hektischen westlichen Alltagsrealität und dem ewigen Bedürfnis nach wohlverdienter Entspannung, dass so wenig Bedarf, so wenig Neugier und so wenig Sehnsucht besteht, nach dem Unbekannten. Aber Sie fehlen mir doch, die visionären Entwürfe alternativen Lebens.

Der Weltraum. Unendliche Weiten.

(ursprünglich veröffentlicht bei Cinetrend.de, 14.04.2011)

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