Equilibrium: Orwell lässt grüßen

Aus dem Archiv von 2012 der Review zur Blu-ray-Veröffentlichung einer Science-Fiction-Perle von 2002. Kurt Wimmer schreibt recht erfolgreich Drehbücher und arbeitet nach der „Total Recall“ Neuauflage gerade an einer Fortsetzung von „Salt“. Dabei hat der Mann auch drei Ausflüge als Regisseur gestartet. Nu je, „Ultraviolet“ und „One Tough Bastard“ sind irgendwie gefloppt, aber mit „Equilibrium“ ist Wimmer 2002 eine Sci-Fi-Action-Perle gelungen, die erstmals auf Blu-ray erschien.

In der Zukunft hat die Menschheit aus den Kriegen und der Gewalt gelernt – aber die falschen Schlüsse gezogen. Die Wurzel aller Konflikte ist diese menschliche Eigenschaft Gefühle zu zeigen. Folglich werden Gefühle in dieser Welt unter Kontrolle gehalten. Die ganze Gesellschaft unter der Führung des weisen „Vaters“ steht unter dem Einfluss des Medikaments Librium, das emotionale Regungen eliminieren soll.

Doch die heile Welt ist zu einem totalitären System verkommen, in dem sogenannte Kleriker die Ordnung aufrecht erhalten, indem sie Gefühlstäter aufspüren und hinrichten, Kunstwerke aller Art vernichten und so den Widerstand ausschalten wollen.

John Preston (Christian Bale) ist einer der besten und effektivsten Kleriker und auch die Todesstrafe seiner Frau hat ihn nicht vom Weg abgebracht. Doch eines Tages will es der Zufall, dass Preston seine Dosis Librium nicht nehmen kann, und so erschließt sich dem Wächter der Ordnung eine neue Weltsicht. Der Kleriker spielt ein gefährliches Spiel: Während er seinem Boss Dupont (Angus Macfayden), dem Stellvertreter Vaters, und seinem Kollegen Brandt (Taye Diggs) gegenüber den Widerstand auszulöschen behauptet, fühlt er sich gleichzeitig zu der gefangenen Gefühlstäterin Mary O’Brian (Emily Watson) hingezogen und will sich dem Widerstand anschließen.

Überwachungsstaat und Rebellion

Zugegeben, wirklich originell ist die dystopische Story nicht gerade, doch irgendwo zwischen dem Orwellschen „1984“ und Ray Bradburys „Fahrenheit 541“ findet Regisseur und Drehbuchautor Kurt Wimmer eine Nische, in der er nicht nur eine stimmige futuristische Gesellschaft und ihre martialischen, faschistoiden Bauten zeigen kann, sondern auch eine Mischung aus Sci-Fi-Drama und Action hinlegt, die es eigentlich verdient hätte, höher wertgeschätzt zu werden. Die Kleriker benutzen als Kampfmittel eine Art hochchoreographiertes Knarrenballett angelehnt an die östlichen Kampfkünste. Das allein sorgt für einige spektakuläre Action-Elemente, die ein wenig an den Matrix-Stil erinnern, aber ihre eigene Faszination ausüben.

Außerdem hat „Equilibrium“ eine wirklich sehenswerte, britische Besetzung zu bieten, die das Thema überzeugen rüberbringt. Neben Hauptdarsteller und Oscar-Gewinner Christian Bale, der zu dieser Zeit gerade seinen „American Psycho“-Durchbruch hatte, und der grandiosen Emily Watson („Breaking the Waves“) sind auch Sean Bean („Herr der Ringe“ und Angus Macfayden („Braveheart“) gestandene dramatische Schwergewichte, die dem Sci-Fi-Actioner auch die gebührende dramatische Tiefe verleihen können.

Vielleicht war aber gerade dieser Spagat zwischen Drama und Action etwas, das dem Erfolg von Kurt Wimmers „Equilibrium“ seinerzeit im Wege stand. Der Film mit seinem 20 Million US-Dollar Budget spielte am Eröffnungswochenende gerade mal eine halbe Million Dollar ein, lief aber auch nur in wenigen Kinos. Auch in Großbritannien floppte „Equilibrium“ derart an der Kinokasse, dass der sehenswerte Science-Fiction-Film hierzulande direkt auf DVD erschien und das auch erst fast ein Jahr später.

Nun kommt mit der Blu-ray zwar kein Ersatz für die große Leinwand, aber immerhin brillante Bildqualität auf dem Markt. Leider enthält di BD kaum Bonusmaterial und der „Blick hinter die Kulissen“ ist nicht wirklich aufschlussreich. Immerhin sind die Darstellerinfos aktualisiert und nicht auf dem Stand von 2002 stehengeblieben.

Unter Sci-Fi-Fans genießt „Equilibrium“ seit jeher den Status eines unterschätzten Geheimtipps. Trotz der deutlich sichtbaren Inspirationsquellen ist Kurt Wimmers Action-Drama-Hybrid ein mehr als empfehlenswertes Vergnügen.

Film-Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

Equilibrium
OT: Equilibrium
Genre: Science-Fiction, Thriller
Länge: 107 Minuten, USA, 2002
Regie: Kurt Wimmer
Darsteller: Christian Bale, Emily Watson, Sean Bean
FSK: ab 16 Jahren
Vertrieb: Constantin Film / Universal
Kinostart: nicht in Deutschland
DVD-VÖ: 04.09.2003
BD-VÖ: 04.10.2012

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