Ansichten am Donnerstag # 43: Die unanstrengende Mixtur

Neulich stolperte ich in meinem TV-Programm über die Formulierung „Eine unanstrengende Mixtur“ aus Drama und Komödie. Das war durchaus als wohlwollende Wertung einer Sendung gemeint. Doch was soll das dem potentiellen Zuschauer vermitteln? Mich jedenfalls hat diese Beschreibung extrem irritiert.

In dem TV-Spielfilm ging es wohl um ein Ehepaar, das durchaus seine gängigen Problemchen hat. Die werden dann komödiantisch etwas überhöht, so dass sich der Zuschauer gefahrlos amüsieren kann. Das ist ein souveräner Zeitvertrieb und kann durchaus niveauvoll und charmant geschehen. Aber ist das unanstrengend? Und ist unanstrengend an sich eine Qualität?

Als Zuschauer kann ich mir nun denken, dass mich ein Film erwartet, der nicht urplötzlich emotionalen Stress verbreitet, etwa durch unerwartete Unfalle oder schwer verdaubare Bilder. Ebenso kann ich davon ausgehen, dass sich der Humor nicht in schlechtem Geschmack und Schadenfreude ergeht. Die Extreme fallen weg. Der Film wird sich wohl an den Sehgewohnheiten der Mehrheit orientieren. Das ist schon eine wichtige Information, wenn ich einfach nur nett unterhalten werden will.

Fahrstuhlmusik und seichte Filmkost

Doch das hätte die Filmbewertung auch anders ausdrücken können. Durch die Verneinung eines vermeintlich negativ belasteten Begriffes wird der nicht automatisch positiv. Das Anstrengende schwingt mit und schimmert durch – bleibt als Nachgeschmack haften. Solcherlei Sprachgebrauch ist nicht ganz unüblich und hat auch seine Gelegenheiten.

Jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einen unanstrengenden Film gesehen habe, der mir gefallen hat. Anstrengend hingegen empfinde ich, mit Belanglosigkeiten meine Zeit zu vertrödeln. Anstrengend sind Filme, die nicht auf den Punkt kommen, neue Aufgüsse erfolgreicher Vorgänger, überstrapazierte Stereotypen in Charakter und Handlung. Anstrengend ist, sich mit Themen zu beschäftigen, die einen nicht interessieren oder berühren. Aber in dieser Hinsicht bin ich bestimmt nicht repräsentativ.

Und möchte man nicht von dem Film, dem Buch, der Musik berührt werden, ergriffen? Geht es nicht auch darum, dass man mitfühlt mit den Menschen und dem Geschehen, dass man sich entführen lässt, seinem eigenen Alltag entflieht? Das schließt notwendiger Weise ein, dass etwas auch anstrengend ist. Alles was der Mensch emotional an sich heranlässt, fordert seinen Tribut. Die Frage ist vielmehr, lohnt sich das Einlassen, die Anstrengung?

In diesem Sinne: Viel Spaß im Kino.

(ursprünglich veröffentlicht bei cinetrend.de, am 08.10.2009)

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