Doctor Strange in the Madness of the Multiverse

Marvels beliebter Superzauberer Doctor Stephen Strange ist zurück auf der Leinwand. Im zweiten Solo-Abenteuer des Magiers geht es um nicht weniger als den Schutz aller Dimensionen. Wer nun meint mit vieren davon sei man in der Physik gut bedient, der kennt Marvels Multiversum noch nicht. Kann das Publikum auch ohne „MCU Vorbildung“ Spaß im Kino haben? Ich denke schon. Disney bringt „Doctor Strange In the Madness of the Multiverse“ ab 5. Mai 2022 in die Kinos.

Wer sich schon des öfteren auf brutstatt.de verirrt hat, oder hier freiwillig regelmäßig reinschaut, weiß, dass ich Comic-Fan bin und auch diverse Marvel Superhelden-Geschichten vorstelle. Da stellt sich natürlich die Frage, wie viel Vorwissen darf ich bei der Verfilmung voraussetzen? Und ist der Film nur als Teil des „Marvel Cinematic Universe“ zu genießen, oder auch als selbständiges Fantasy-Abenteuer? Ich behaupte mal, letzteres.

Vielleicht gehen den unbeleckten Zuschauer:innen einige Gags und Anspielungen, so genannte Ostereier (Easter Eggs), verloren, aber die grobe Handlung ist so schlicht gestricht, dass sich leicht folgen lässt. Ich zitiere an dieser Stelle mal, was Marvel bzw. Disney auf der Filmseite zur Filmhandlung veröffentlicht: „Dr. Strange, der mächtigste Magier des Kosmos, durchquert gemeinsam mit alten und neuen Verbündeten die verblüffenden und gefährlichen alternativen Realitäten des Multiversums, um das Ende aller Dimensionen zu verhindern.“

Das ist dermaßen nichtssagend, dass Spoiler im Folgenden nicht ausbleiben. Auch sollte den meisten Leuten inzwischen klar sein, dass bei jedem Marvel-Film im MCU auch immer vorangegangenen Ereignisse anderer Filme eingearbeitet werden. Das ist an dieser Stelle aber weitestgehend egal.

Die Realität ist in Gefahr – mal wieder

Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) wird wiederholt von demselben Alptraum gejagt: Darin muss er mit einer jungen Frau zusammen das Zauberbuch von Vishanti finden und wird von einem Dämon daran gehindert.
Ausgerechnet während der Hochzeit von Stephens ehemaliger Flamme Christine (Rachel McAdams) entpuppt sich der Alptraum als nicht ganz irre. Ein glotzäugiger Dämon taucht in unserer Realität auf und jagt eben jene junge Frau aus Stranges Träumen.

Wie sich herausstellt heißt die Frau America Chavez (Xochitl Gomez) und hat die unkontrollierte Fähigkeit Portale in andere Dimensionen des Multiversums zu öffnen. Tatsächlich wird sie von mächtigen Dämonen verfolgt und ein Stephen Strange aus einer anderen Parallelwelt ist bereits gescheitert, America zu beschützen.

Doctor Strange wird klar, dass er Verbündete braucht. Er wendet sich daher an die „Scarlet Witch“ Wanda Maximoff (Elizabeth Olsen), die früher Mitglied der Avengers war. Doch Wanda hat sich eine eigene Fantasiewelt geschaffen und glaubt, ihre beiden Söhne verloren zu haben. Während Stephen Strange das Buch Vishanti sucht, wird Wanda Maximoff von dem bösen Gegenstück, dem Darkhold, beeinflusst. Statt America Chavez zu beschützen, will Scarlet Witch dem Mädchen nun die Kräfte rauben, um in anderen Welten mit ihren Kindern zusammen zu sein.

Geh und rette America

„Echt jetzt, ausgerechnet die Hexe, die du um Hilfe gefragt hast, jagt uns jetzt?“ America Chavez hat auf ihrer sprunghaften Reise durch das Multiversum schon Einiges erlebt und einige Stephen Stranges getroffen, aber das scheint ihr ziemlich dumm gelaufen zu sein. Und so nimmt der 27. MCU Film und das zweite Solo-Abenteuer des Magiers seinen turbulenten und actionlastigen Lauf. Soweit so vorhersehbar.

Insgesamt ist das Actionfeuerwerk eventuell ein wenig ermüdend, vor allem da es dieses Mal weder in 3D vorgeführt wird, noch (wie bei vielen der aktuelleren Marvel-Filme) übermäßiger Wert auf eine atemberaubende Choreographie gelegt würde. Man lässt die CGI einfach durchlaufen, so lässt sich auch schneller produzieren. Verloren gehen dabei die Alleinstellungsmerkmale der Held:innen und Geschichten. Der erste Doctor Strange Film war da noch anders gestrickt.

Ein neuer (alter) Regie-Bekannter

Regisseur Sam Raimi ist ein alter Hase im Filmbusiness und in der Marvel-Verfilmung. Neben dem lange Zeit indizierten „Tanz der Teufel“ (OT: „Evildead“) war Raimi auch Regisseur der ersten Spider-Man-Trilogie mit Tobey Maguire. Der Mann hat also ein Händchen fürs Gruselige, das in der Magieschlacht mit Doc Strange durchaus angebracht ist. Aber es geht doch ziemlich in old school daher. Das ist nicht unbedingt negativ und genügt wohl auch einem allgemeinen Retrotrend.

Ein Retter-T-Shirt wie seinerzeit beim FC St. Pauli würde ich Raimi, der die Regie von Scott Derrickson übernommen hat, aber nicht überziehen wollen. Dazu ist das Leinwand-Abenteuer letztlich doch zu durchwachsen ausgefallen. Manche Kollegen munkeln sogar, ohne Wissen aus den Disney+-Marvel-Serien würden Zuschauer hier kaum klarkommen, aber dem halte ich meine Comic-Sammlung entgegen.

Es gibt etliche so genannte Ostereier, sowohl für Film-Fans als auch für Marvel-Comic-Nerds. Auf einen witzigen prominenten Gastauftritt sei an dieser Stelle nur kurz hingewiesen. Die Hommage an chinesische Historien-Kämpfe ist offensichtlich. Eigenzitate aus Raimis Horror-Phase sind erlaubt und erwünscht.

Die Einführung von America Chavez als junge Heldin ist durchaus gelungen und sorgt für frisches Blut im Heldinnen-Pool. In den Comics ist Ms Chavel als Captain America einer Parallel-Welt unterwegs, ausgestattet unter anderem mit der Kraft Portale zu offenen. Strange und America sind ein gutes Team, das ebenso funktioniert wie Cade Yaeger und Izzy in „Transformers: The Last Knight“.

Kosmischer Krawall

Für Fans der Doctor Strange Comics taucht anfangs noch der einäugige Krake auf, der ein Gruß an die erfolgreiche und hochgelobte Doctor Strange-Serie von Autor Jason Aaron und Zeichner Chris Bachaldo darstellt. Deren organische Magie war schon außerordentlich und Aaron hat das wandelnde Auge „Orb“ erfunden.

Also, es gibt genug zu sehen und zu erkunden in dem Magischen Marvel-Abenteuer „Doctor Strange in the Madness of the Mulitverse“. Die enthusiastische Flamme des Neuen und Spektakulären leuchtet allerdings nicht mehr so hell wie in den anfangstagen von Marvel Comic-Verfilmungen.

Wieder was gelernt: Träume sind alternative Realitäten in anderen Dimensionen. Ich persönlich mochte den ersten „Doctor Strange“-Film wesentlich lieber als die aktuellen. Das hat weniger damit zu tun, das Folgefilmen grundsätzlich der Charme des Neuen abhanden kommt, sondern vielmehr damit, dass die Horror – und Gruselelemente in „Doc Strange and the Madness of the Multiverse“ klassischer – also altbackener – ausfallen. Das hat zwar auch seinen Charme und Witz, aber eben einen gediegeneren. Ich mag meine Superhelden auf der Höhe der Zeit.

Film-Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

Doctor Strange In The Madness of the Multiverse
OT: Doctor Strange In The Madness of the Multiverse
Genre: Superhelden, Action, Fantasy
Länge: 126 Minuten, USA, 2022
Regie: Sam Raimi
Darsteller: Benedict Cumberbatch, Benedict Wong, Elzabeth Olson, Xochitl Gomez,
FSK: ab 12 Jahren
Vertrieb: Marvel Studios, Walt Disney Pictures
Kinostart: 05.05.2022

Offizielle Film-Homepage

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