Die Königin des Nordens: Der Preis der Macht

Um die Jahrhundertwende zum 15. Jahrhundert gehörte die dänische Königin Margarethe I. zu den mächtigsten Figuren der Weltpolitik, die über fast ganz Nordeuropa herrschte. Ihre Politik bestimmte die Geschicke Skandinaviens noch Jahrhunderte später. Nun hat die Regisseurin Charlotte Sieling in einer aufwändigen und kostspieligen Produktion der „Königin des Nordens“ ein Filmporträt gewidmet. In der Titelrolle eine wie fast immer sehenswerte Trine Dyrholm.

Im Jahr 1402 scheint die Regentin Dänemarks auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Margarethe (Trine Dyrholm) lenkt nach dem Tod ihres Gatten Hakon, der auch König von Norwegen und Schweden war, die Geschicke der Königreiche solange ihr Sohn nicht volljährig ist. Sohn Olav verstirbt in einer Schlacht und Margarethes Neffe Erik von Pommern wird als Thronfolger gekrönt.

Seit 1387 lenkt Margarethe nun als Regentin die Geschicke der nordischen Länder. Als sie in Kalmar diesen „Nordischen Bund“ besiegeln will, taucht ein norwegischer Gesandter auf, der behauptet, Margarethes Sohn Olav (Jakob Oftebro) aus einem deutschen Verließ gerettet zu haben. Sollte sich der Unbekannte als rechtmäßiger norwegischer König erweisen, wäre der Anspruch Eriks (Morten Hee Andersen) nichtig. Doch ausgerechnet die Schweden, die mit dem Nordischen Bund so ihre Schwierigkeiten haben, ziehen Erik auf dem gemeinsamen Thron vor.

Während sich am Hof im schwedischen Kolmar die politischen Scharmützel zwischen dänischen, schwedischen und norwegischen Edelleuten ausweiten, versucht auch der Abgesandte des Deutschen Reiches Einfluss zu nehmen, indem er die schwedische Politik unterstützt. England seinerseits will die Thronfolge durch eine Heirat Eriks mit der englischen Prinzessin an sich ziehen. In all den Wirren muss sich Margarethe behaupten und zugleich herausfinden, ob ihr Sohn tatsächlich noch lebt.

„Die Königin des Nordens“ soll auf wahren Begebenheiten beruhen, allerdings ist der Zwischenfall mit dem vermeidlich noch lebenden Sohn Margarethes kein Teil der offiziellen Geschichtsschreibung. Nach dieser stirbt Olav im Jahr 1387 und Erich von Pommern, der Neffe der Regentin wird zum neuen Thronfolger gekrönt. Tatsächlich aber ist die Kalmarer Union, dieses Bündnis zwischen Dänemark, Norwegen und Schweden ein Ergebnis von Margarethes Bestrebungen Nordeuropa zu vereinigen.

Die Kalmarer Union, obwohl nicht rechtlich bestätigt, hatte immerhin fast eineinhalb Jahrhunderte Bestand, bevor sich Schweden daraus lossagte. Die Verbindung von Norwegen und Dänemark wurde noch bis 1816 aufrecht erhalten. Margarethes Politik hat die Geschicke Skandinaviens also lange geprägt und zurecht gilt Margarethe I. (1353 – 1412) als eine der mächtigsten Personen des Mittelalters und zählt zu den größten Frauen der Weltgeschichte.

In seiner Dimension zielt das stark fotografierte filmische Porträt der mittelalterlichen Herrscherin auf Shekhar Kapurs Biopic über „Elizabeth“ (1998), allerdings ist der Ansatz von Regisseurin Charlotte Sieling („Die Brücke“) weniger persönlich als vielmehr funktional. Das kommt der dargestellten historischen Periode auch zugute, denn moderne Gefühlsausbrüche würden ebenso stören wie zu viele „poppige“ Schauwerte.

Die teuerste Filmproduktion Skandinaviens bemüht sich stattdessen um ein historisch plausibles Ränkespiel, indem sich eine Riege konkurrierenden Männer um die Regentin versammelt und versucht, Einfluss zu gewinnen. Mit namhaften gestandenen skandinavischen Charakterköpfen wie Søren Malling als Berater der Regentin, Magnus Krepper als schwedischer Deutschenfreund, Bjørn Floberg als norwegischer Edelman Asle Jonson und Thomas W. Gabrielsson als dänischer Fehdehelfer und Margarethe Feind Jens Due ist der mittelalterliche Machtpoker packend inszeniert, der im Schauprozess um den vermeintlichen Königssohn Olav seinen Höhepunkt findet.

Als Zuschauer:in muss man und frau sich erst einmal einsehen, in das Erzähltempo und die kalte, karge Düsternis der mittelalterlichen Saga, die sich weigert ein Heldinnenepos zu bebildern und stattdessen von der inneren Zerrissenheit der Regentin erzählt. Trine Dyrholm („Das Fest“, „Love is all you need“), ohnehin Dänemarks ungekrönte Schauspielkönigin, trägt auch dieses Drama wieder mit beeindruckender Präsenz. Was auch sonst.

Wer von „Die Königin des Nordens“ ein turbulentes Intrigenspiel a la „Game of Thrones“ erwartet ist hier definitiv nicht richtig. Stattdessen entwickelt die aufwändige und düstere Geschichte beinahe kammerspielartige Intensität, die getragen wird vom Konflikt der Königin zwischen Muttergefühlen und Machterhalt inmitten gefährlicher Machenschaften. Vor allem das großartige Ensemble und die Landschaft machen den Film zu einem Erlebnis.

Film-Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

Die Königin des Nordens
OT: Margrete den første
Genre: Drama, Historie
Länge: 120 Minuten, DK, 2021
Regie: Charlotte Sieling
Darsteller:innen: Trine Dyrholm, Søren Malling, Jakob Oftebro, Morten Hee Andersen
FSK: ab 12 Jahren
Ertrieb: Splendid Films
Kinostart: 30.12.2021

Mararethe I. bei wikipedia

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