Die Mars-Chroniken: Colonel Wilders Weltraum-Abenteuer

Ray Bradburys „Mars-Chroniken“ gehören zu den Klassikern der Science-Fiction-Literatur. Ende der 70er wagte sich MGM an eine Verfilmung als TV-Serie mit Rock Hudson in einer Hauptrolle. Pidax Film hat die Serie in restaurierter Form und in Deutschland erstmals vollständig für das Home-Entertainment veröffentlicht.

Mit Beginn des zweiten Jahrtausends geht für die Menschheit ein jahrzehntelang vorbereitetes Projekt in Erfüllung: Die bemannte Raumfahrt sendet erste Raketen zum Mars, um dort die Lebensbedingungen zu erforschen. Der NASA-Offizier Colonel Wilder (Rock Hudson) wäre am liebsten selbst geflogen, ist aber für das Projekt zu wichtig. Und in der Tat kommen nicht von allen Missionen Lebenszeichen zurück zur Erde.

Die ersten Raumfahrer machen auf dem Mars erstaunliche Entdeckungen und die Mars-Bewohner stellen sich nicht unbedingt als willkommen heißende Gastgeber heraus. Als Colonel Wilder dann selbst mit seiner Familie zum Mars aufbricht hat ein Virus die Marsbevölkerung bereits ausgelöscht; zumindest scheint es so. Die menschlichen Siedler tun sich in der lebensfeindlichen und kaum besiedelten neuen Umgebung dennoch schwer und versuchen ihre Probleme zu bewältigen. Später bricht auf der Erde der Nuklearkrieg aus und die Siedler erkennen, dass sie nun die neuen Marsianer sind. In den Ruinen der alten Kultur schlummert noch immer das unerforschte Erbe einer fremden Zivilisation.

Ray Bradburys Kurzgeschichten

Ray Bradburys (1920 – 2012) 1950 erschienene Kurzgeschichtensammlung „Die Mars Chroniken“ (OT: The Martian Chronicles“) enthielt 28 Stories über eine fiktive Kolonialisierung des Mars durch die Menschheit. Im Prinzip ergeben die unabhängigen und alleinstehenden Short Stories ein Panorama der Marsbesiedelung, das in drei Phasen unterteilt werden kann: Die Expeditionen, die Besiedelung, die Auswanderungen. Einige der Stories wurden zuvor in Magazinen veröffentlicht. Übrigens wurden die Zeithorizonte der Stories in der englischen Ausgabe von 1997 um 31 Jahre auf die Zeit nach 2030 verschoben. Wir bleiben gespannt, was die reale Raumfahrt so anbietet.

Die Verfilmung von Regisseur Michael Anderson stützt sich auf ein Drehbuch von Richard Matheson. Beide haben in der Phantastik durchaus ihre eigenen Spuren hinterlassen. Regisseur Anderson (1920 – 2018) hatte bereits „In 80 Tagen um die Welt“ verfilmt und mit „Zurück ins 23. Jahrhundert“ ein Sci-Fi-Abenteuer in typischer 70er-Jahre-Manier inszeniert. Richard Matheson (1926 – 2013) schenkte der Welt unter anderem das mehrfach verfilmte „I Am Legend“ (1954, aka „The Omega Man“).

Die Verfilmung

Das Filmprojekt „Die Mars–Chroniken“ wurde von MGM groß angekündigt und hatte für die Zeit ein durchaus beachtliches TV-Budget zur Verfügung. Für die Fernseh-Version versuchte Richard Matheson einen roten Faden zu entwickeln, der die einzelnen Geschichten besser zusammenhält. In der Figur des Colonel Wilder, der von Hollywood-Stars Rock Hudson dargestellt wurde, zeigt sich ein Leitmotiv der Serienadaption. Seine Präsenz wird in viele der unabhängigen Episoden eingebaut, so dass eine gewisse Kontinuität in der Erzählung erzielt wird.

Die drei jeweils spielfilmlangen Teile der Serie halten sich an die drei Phasen der Kolonialisierung und sind entsprechend benannt: „Die Expeditionen“, „Die Siedler“, „Die Marsianer“. Nicht alle Stories aus der literarischen Vorlage wurden übernommen. Wie bereits mit der Verfilmung von Bradburys ebenfalls klassischer Kurzgeschichtensammlung „Der Illustrierte Mann“ (OT: The Illustrated Man“, 1951) bleibt die Schwierigkeit, die Episodenhaftigkeit in ein funktionierendes Spielfilm- bzw. Serienformat zu bringen. Daran scheiterte auch Jack Smights „Der Tätowierte“ (OT: The Illustrated Man“, 1969) mit Rod Steiger in der titelgebenden Rolle.

Zwar hat die fast fünfstündige TV-Serie ihre Momente und ihre Highlights aber insgesamt herrschte bereits bei der Erstveröffentlichung 1980 die Meinung vor, dass die Serie hinter ihren Möglichkeiten und hinter der Erwartung zurückbleiben würde. Vor allem die wenig überzeugenden Spezialeffekte wurden bemängelt. Die Raumschiff-Modelle wären in der Tat trefflicher in „Star Trek“ aka „Raumschiff Enterprise“ (1966 – 69) aufgehoben, was einiges über den technischen Aufwand aussagt. Auch ist etwa in der späten Episode mit dem Diner auf dem Mars (Sam’s Café) die Schnüre deutlich zu erkennen, die dem Marsianer aufrecht hält, um nur ein Beispiel zu nennen.

Publikumsreaktionen

Ray Bradbury („Fahrenheit 451“) selbst war von der Verfilmung wenig angetan und bezeichnete die Serie als „Beleidigung des denkenden Menschen“ (nach Wikipedia bzw. Jahrbuch der Sci-Fi). Dabei war die Intention Bradburys keineswegs eine Zukunftsvision zu entwerfen, sondern vielmehr ging es dem Autor darum die Gegenwart des kalten Krieges und das Zusammentreffen unterschiedlicher Kulturen zu thematisieren.

Dazu bräuchte es nicht unbedingt knallige Spezialeffekte, wenn denn die Geschichten überzeugen würden. Doch auch hier bleibt vieles in der guten Absicht stecken. Timing und Charaktere lassen bisweilen zu wünschen übrig und die Inszenierung ist oftmals mehr als bieder, gerade so, als wären die Inhalte so verschreckend, dass die Bebilderung beruhigend wirken müsse. Gefilmt wurde übrigens in englischen Studios, auf Malta und auf Lanzarote. Dort sind wohl vor allem die außerweltlichen Gesteinswüsten gedreht worden.

Erzählung und Struktur

Insgesamt ist vor allem der erste Teil sehr stark auf die Etablierung des Settings und der Hauptfigur ausgerichtet. Das wirkt schon erstaunlich undramatisch. Die Ankunft der Raumfahrer im marsianischen „Illinois“ ist da schon gespenstischer. Im zweiten Teil sind es dann vor allem spirituelle Themen, die vorherrschen, wenn der Seelsorger Vater Stone (Roddy McDowell) die ersten Siedler besucht und unterwegs auch unheimliche Begegnungen der dritten Art hat. Lichtwesen nähern sich. Im dritten Teil zeigen sich die Ruinen der Mars-Städte dann doch belebt und der Mars wird zur Heimat in der Fremde.

Es gibt durchaus gelungene Episoden in den „Mars-Chroniken“. Die Episode in der Major Spender (Bernie Casey) vom Mahner vor kultureller Überheblichkeit zur Gefahr wird, hat beispielsweise eine gewisse Spannung. Viele Themen der ursprünglichen Kurzgeschichten wirken durch die behäbige Inszenierung hindurch und zeugen von der Kraft, die in Bradburys meisterhaften Kurzgeschichten steckt.

Die deutschsprachige Fassung

Die deutsche Fassung der 1980 veröffentlichten Serie ließ etwas auf sich warten. Das ZDF strahlte „Die Mars Chroniken“ 1983 in gekürzter Fassung als Dreiteiler aus. 1992 erschien eine noch stärker gekürzte Version als „Die Reise zum Mars“ auf Video. Die vorliegende restaurierte Fassung der Pidax-Variante zeigt erstmals die vollständige Fassung. Pidax Film hat sich auf „vergessene“ Perlen aus den Bereichen Film und Fernsehen spezialisiert und wird von Studio Hamburg Enterprises mitvertrieben.

Die ehemals gekürzten Passagen der Serie sind in der aktuellen Version leicht zu erkennen, da sie nach rund 40 Jahren nicht angemessen synchronisiert werden konnten und daher konsequent im untertitelten Original belassen wurden. Bei den Auslassungen sind durchaus starke Szenen dabei wie etwa die epische Jagd mit einem fischerkahn-ähnlichen Marsschiff, auch andere Kürzungen erscheinen aus heutiger Sicht recht willkürlich, da sie vor allem den Unterhaltungsfaktor im Zaum zu halten scheinen oder auf die religiösen Gefühle des Publikums schonen sollten wie die weggelassene Jesus-Erscheinung.

Alles in Allem bleibt die TV-Serie „Die Mars-Chroniken“ deutlich hinter seinen damaligen Möglichkeiten zurück. Auch heute trifft die damalige Einschätzung weitgehend zu, dass die Verfilmung trotz hohen Budgets gerade im Bereich der Optik einiges zu wünschen übriglässt. Auch in Sachen Storytelling hätte man sich mehr Dynamik vorstellen können. So bleibt „Die Mars-Chroniken“ vor allem für Fans und Komplettisten interessant. Vielleicht ist der Stoff im Zeiten immer beliebterer Serien ja demnächst einen weiteren Versuch wert.

Serien-Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

Die Mars-Chroniken
OT: The Martian Chronicles
Genre: Science-Fiction, TV-Serie
Länge: 281 Minuten, USA, 1980
Regie: Michael Anderson
Drehbuch: Richard Matheson
Vorlage: Kurzgeschichtensammlung „Die Mars –Chroniken von Ray Bradbury
Darsteller:innen: Rock Hudson, Maria Schell, Bernadette Peters,
FSK: an 12 Jahren
Vertrieb: Pidax Film, Studio Hamburg
DVD-VÖ: 18.11.2021

Mars-Chroniken bei Wikipedia

Ray Bradbury bei Wikipedia

Serien-Kritik bei Moria Review (englisch)

Mars-Chroniken bei Pidax-Film

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