Moon Girl and Devil Dinosaur: Mein Dino, die Bösen und ich

Neue Heldinnen braucht die Welt, selbst wenn sie wie im Fall der superintelligenten Lunella Lafayette im Marvel Comic-Universum erst neun Jahre alt sind. Aber die Afro-Amerikanerin bekommt Unterstützung von einem Urzeit-Dino, der plötzlich in New York auftaucht. Panini Comics veröffentlicht die ersten 12 US-Ausgaben der 2015 gestarteten Serie nun unter dem „INK“-Label, das sich vor allem an junge Neu-Leser:innen wendet. Doch „Moon Girl und Devil Dinosaur“ haben auch langjährigen Marvel-Fans etwas zu bieten.

Die neunjährige Lunella Lafayette ist in der Schule höhst gelangweilt. Das superintelligente Kind will Erfinderin werden und ist in Sachen Naturwissenschaften deutlich weiter als ihre Altersgenossen. Das führt immer wieder zu Stress mit Lehrern und Eltern, doch Lunella, die von den Mitschülern als Moon Girl (Mädchen vom Mond) gehänselt wird, ist es leid, sich zu verbiegen. Lunella hat ganz andere Sorgen, denn die Terrigen-Nebel, die auf der Erde beobachtet werden, lösen bei gewissen Menschen Mutationen aus und Lunella will nicht mutieren.

Dann taucht urplötzlich eine roter T-Rex in Lunellas Nachbarschaft auf und läuft dem Mädchen nach. Das liegt an dem vermeintlichen Kree-Kristall, das Lunella gefunden hat. Doch der Kristall wird von einem urzeitlichen Stamm kultisch verehrt, der genau wie der Dino und der Kristall durch die Zeit gefallen ist. Nun macht das Mördervolk auf Straßengang, macht Lunellas Nachbarschaft unsicher und sucht den Kristall. Als dann später auch noch ein neuer Klassenkamerad auftaucht, der Lunella nicht nur den Platz als Klassenbeste streitig macht, sondern auch noch den Lego-Wissenschaftswettbewerb an sich reißen will, läuft für die Neunjährige das Fass über.

Seit 2015 macht die Intelligenzbestie Lunella Lafayette das Marvel Universum unsicher und trägt mit ihrer chaotischen und infantilen Art erheblich zu unterhaltsamen Turbulenzen bei. Im Laufe dieses Panini-Megabandes, der die ersten zwölf US-Ausgaben der Serie beinhaltet, lernen nicht nur Lunellas Eltern, dass sie anders ist, sondern auch der Hulk, Amadeus Cho, und Ms Marvel, Kamala Khan, beginnen die Göre ernst zu nehmen. Auch und gerade weil sie auch ganz eigene Weise mit dem Dinosaurier verbunden ist.

Obwohl Moon Girl eine neue Heldin ist, die ebenso wie die neue Ms Marvel, Miles Morales und Amadeus „Hulk“ Cho neue Lesergruppen ansprechen und auch die Vielfalt unter Marvels Superheld:innen betonen soll, geschieht das bei dem amerikanischen Comic-Dino, der inzwischen längst zum Disney-Konzern gehört immer auch im Dienste der Geschichte und der Figurenentwicklung. Hier werden zwar liberale Werte vermittelt, aber im Vordergrund steht die genregerechte Unterhaltung.

Moon Girl ist zwar das neue Kid im Block, kommt aber nicht von ungefähr. Wer sich an die hochgelobte Serie „Runaways“ von Brian K. Vaughn und Adrian Alphona erinnert, die auch als Netflix-Serie erfolgreich war, wird sich an Arsenic erinnern: Teenie Gertrude, die telepathisch mit einem Raptor verbunden ist. Auch hat die Serie „Moon Boy und Devil Dinosaurier“ von Altmeister Jack Kirby hat hier eindeutig Pate gestanden. So gesehen verwundert es auch nicht, dass die Macher noch ein bisschen japanische Anime-Kunst in den Topf geschmissen haben und in der Serie auch Elemente aus den Zeichentrickfilmen des Studio Ghibli finden.

Die Autoren Amy Reeder und Brandon Montclare haben die Story zwar für junge Neuleser angelegt, die sich in der gleichalten Heldin wiederfinden können und so auch ein Rollenmodell finden. Dass die Marvel-Helden auch oft Außenseiter sind, ist nicht erst seit dem Erfolg von Spider-Man zu beobachten, sondern gehört zum Erfolgsrezept. Die Autoren sind clever genug, dass die Story auch für altgediente Marvel Fans funktioniert, die ihr inneres Kind noch zum Spielen herauslassen und sich auf Experimente einlassen mögen.

Das Artwork ist der avisierten Zielgruppe entsprechend eher klassisch ausgefallen, mit klarem Seiten und Bildaufbau und der klaren Kontur. Die Charaktere sind cartoonesk überzeichnet und die Hintergründe oftmals reduziert. Dennoch ist das grafische Erzählen dynamisch und abwechslungsreich. Der Serienauftakt umfasst im Prinzip zwei längere Storybögen. Zunächst muss sich Lunella mit dem Dino anfreunden und anschließend bekommt sie es mit einem Rivalen zu tun. Aber das kann jede:r selbst lesen.

Hierzulande wurde die Serie „Moon Girl und Devil Dinosaur“ bislang nur als Ausgabe 164 der Hachette Marvel-Collection (Band 1 bis 6) veröffentlicht. Insofern geht der „Moon Girl“- Megaband bei mir als Premiere durch. Die US-Serie wurde 2019 nach 48 Ausgabe und vier Jahrgängen eingestellt. Was noch lange kein Grund ist, die Serie nicht auch einer deutschen Leserschaft in Gänze zu präsentieren .

Ähnlich wie die muslimische Ms Marvel, Kamala Khan, trägt die Afro-Amerikanierin Lunella dazu bei, Marvels Superhelden-Welt ein bisschen bunter und diverser zu machen. Dabei steht allerdings jederzeit die originelle Geschichte im Vordergrund und das junge Genie hat so einige Probleme damit, ernst genommen zu werden. Das ist ein unterhaltsamer und turbulenter Blick aufs Erwachsenwerden, der auch hierzulande gerne fortgesetzt werden darf.

Comic-Wertung: 8 out of 10 stars (8 / 10)

Moon Girl and Devil Dinosaur: Mein Dino, die Bösen und ich
OT: Moon Girl and Devil Dinosaur 1-12, Marvel Comics, 2015-2016
Genre: Comic, Superhelden
Autoren: Amy Reeder, Brandon Montclare
Zeichner: Marco Failla, Natacha Bustos
Farben: Tamara Bonvillain
Übersetzung: Carolin Hidalgo
ISBN:9783741621826
Verlag: Panini, Softcover, 276 Seiten
VÖ: 18.05.2021

Moon Girl bei Panini Comics

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