Bring Me Home: Hoffnungsirre Suche nach dem Sohn

Das südkoreanische Thriller-Drama „Bring Me Home“ beschäftigt sich mit dem Phänomen verschwundener Kinder. In Korea scheint das häufiger zu passieren. In dem Regie-Debüt von Kim Seung-woo, setzt eine Mutter alles an die Suchen nach dem vermissten Sohn. Mit ruhiger Hand und eindrücklichen Bildern konnte der Thriller bereits beim Fantasy Filmfest im September 2020 überzeugen.Busch Media bringt den Thriller nun auf DVD und Blu-ray als Home-Entertainment-Premiere auf dem Markt.

Da geht eine lädierte Frau bei Ebbe an der Küste entlang und starrt abwesend vor sich hin. Anschließend sieht man dieselbe Frau als Ärztin in der Notaufnahme eines Krankenhauses. Gerade muss ein eingelieferter Notfall reanimiert werden, während ein kleiner Junge die Szene beobachtet.

Regisseur Kim Seung-woo erzählt sein Langfilm-Debüt quasi als eine Art Rückblende der Protagonistin, die seit Jahren verzweifelt nach ihrem vermissten Kind sucht. Dabei müssen Zuschauer:innen schon ein bisschen am Ball bleiben, um unterscheiden zu können, was real, was Wunschvorstellung, was erzählerische Gegenwart und was Rückblick ist. Und dann gelingt es dem koreanischen Thriller-Drama auch immer noch verstörende Überraschungen einzubauen.

Die Ärztin Jung-Yeon (Lee Young-ae) und ihr Ehemann, ein Lehrer, suchen seit sechs Jahren nach ihrem verschwunden Sohn. Die Mutter hat Schuldgefühle, weil sie überarbeitet und abwesend war, als ihr Sohn plötzlich vom Spielplatz verschwand. Ihr Mann hat seinen Job gekündigt und konzentriert sich ausschließlich auf die Suche nach dem Sohn.

Eines Tages bekommt Jung-Yeons Mann einen telefonischen Hinweis, dass sein Sohn in einer Tankstelle gesichtet wurde und verunfallt auf dem Weg dorthin. Die Fernsehnachricht des Unfalls macht einen jungen Provinz-Polizisten stutzig, denn in dem benachbarten Fischerdorf lebt ein Junge, der dem gesuchten erstaunlich ähnlich sieht.

Der Polizist und sein Vorgesetzter Hong (You Chea-myung) gehen der Sache nach. Trotz aller Zweifel will der korrupte Hong, dass nicht weiter untersucht wird. Über Umwege gelingt es dem jungen Polizisten schließlich der suchenden Mutter eine Hinweis zukommen zu lassen. Jung-Yeon macht sich auf den Weg in das Fischerdorf.

Verstörend ist in „Bring Me Home“, dass es scheinbar niemanden zu kümmern scheint, wenn Kinder verschwinden. Immer wieder behauptet der Film die Gleichgültigkeit der Gesellschaft gegenüber den vermissten Kindern. Zeigt nicht nur Korruption, Sadismus, Ignoranz und Gier, sondern auch einen Dienstleiter in Sachen Vermissten-Suche.

Es ist auch eine Qualität der Geschichte, dass sie nicht reißerisch erzählt ist und vordergründig auf Suspense und Rache angelegt ist, allerdings lässt sich das eindrucksvoll gefilmte Drama auch ziemlich viel Zeit, um in den scheinbar ausdruckslosen Gesichtern der Charaktere nach Emotionen zu forschen. Da geht auf der heimischen Couch schon auch mal das ein oder andere filmische Spannungselement flöten.

Vor allem wenn Zuschauer:innen sich den eher wortkargen Film in der deutschen Synchro anschauen. Die kommt nämlich eher hölzern rüber und der Nachhall des hohlen Raumklang im Tonstudios sorgt für zusätzliche Distanz zum Filmgeschehen. Vielleicht bin ich als gewohnheitsmäßiger, professioneller OmU-Gucker aber auch zu kritisch. Jedenfalls ziehe ich die untertitelte Variante vor.

Wobei sich auch hier die Frage stellt, was einer meint, wenn er im Dialog mit der Mutter davon spricht, dass er nach Korea gereist ist, um seine Eltern zu suchen. Der Film spielt in Korea, die Szene trägt sich in Seoul zu. Wahrscheinlich ist ein Ausflug ins Hinterland gemeint.

Spannung stellt sich in „Bring Me Home“ immer dann ein, wenn der triste Alltag des Jungen gezeigt wird, der es bei den eher schlichten und rustikalen Fischern als billige Arbeitskraft nicht gerade leicht hat. Dann werden die Suchbemühungen der Mutter parallelmontiert und so nähern sich die beiden Handlungsebenen einander an. Wobei offen bleibt, ob es sich bei dem Jungen tatsächlich um Jung-Yeons Sohn handelt. Im letzten Dritttel wird es dann doch Thriller-mäßig nervenaufreibend und auch etwas kryptisch, aber das mag jede:r selbst sehen.

Das südkoreanische Thriller-Drama „Bring Me Home“ punktet mit stark besetzten Hauptrollen, vernachlässigt aber die Nebenfiguren. Die Handlung entfaltet ihre Spannungselemente erst in der zweiten Hälfte so richtig und hat bis dahin einige Untiefen zu umschiffen. Insgesamt ein solides, vor allem handwerklich beachtliches, typisches asiatisches Thriller-Drama.

Film-Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

Bring Me Home
OT: „Bring Me Home“ aka “Nareul chajajwo”
Genre: Thriller, Drama
Länge: 108 Minuten, ROK, 2019
Regie: Kim Seung-woo
Darsteller:innen: Lee Young-ae, You Chea-myung
FSK. Ab 16 Jahren
Vertrieb: Busch Media
DVd-& BD-VÖ: 29.01.2021

„Bring Me Home“ bei Busch Media

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