The Pleasure Principle – Geometrie des Todes – Staffel 1

Nicht nur im Nordic Noir Thriller geht es düster zu. Die osteuropäische Serien-Koproduktion „The Pleasure Principle – Geometrie des Todes“, an der auch das ZDF beteiligt war, zeigt in kühlen, düsteren Bildern die grenzübergreifende Jagd nach einem Serienmörder. Neben handwerklichem Können und starken, unverbrauchten Darstellern sorgen vor allem die hierzulande selten gezeigten Ansichten der Städte Odessa, Prag und Warschau für eindrückliche Schauwerte. Eye see Moviues bringt die erste Staffel von „The Pleasure Principle – Geometrie des Todes“ nun auf DVD und Blu-ray für das klassische Home-Entertainment heraus.

An den Badestrand der ukrainischen Hafenstadt Odessa reibt ein führerloses Ruderboot, das eine grausige Fracht enthält. Die nackte Leiche einer jungen Frau, mit durchgeschnittener Kehle und fehlendem rechten Arm ruft die Polizei auf den Plan. Kommissar Serhji Franko (Sergej Strelnikow) und sein Mitarbeiter stehen vor einem Rätsel. Der genaue Todeszeitpunkt lässt sich schwer eingrenzen, da die Leiche längere Zeit der Witterung ausgesetzt war.

Einige Stunden später greift in der polnischen Hauptstadt Warschau ein scheinbar Übergeschnappter ein Pärchen an. Mit seiner Limousine demoliert der Maskierte das Fahrzeug des darin knutschenden Paares und schlägt mit einem Baseball-Schläger die Windschutzscheibe ein, bevor er sich demonstrativ vor die Straßenüberwachungskamera stellt. Kommissarin Maria Sokolowska (Małgorzata Buczkowska) findet im Kofferraum der Limousine des Angreifers einen abgetrennten Arm.

Odessa, Prag, Warschau

Der Gerichtsmediziner stellt fest, dass der Arm gefroren war und man sicher mit einer dazugehörigen Leiche rechnen muss. Doch die Kommissarin hat auch andere Probleme, gegen sie läuft eine Interne Ermittlung, weil sie im Dienst jemanden erschossen hat. Kommissarin Sokolowska braucht ihren Assistenten Marek, der zwar ein guter Polizist ist, aber immer wieder mit Drogen in Kontakt kommt.

Bei einer Theater-Aufführung in Prag taucht in einer Requisiten-Tasche ebenfalls ein Arm auf, von einer Leiche keine Spur. Major Viktor Seifert (Karel roden), der kurz vor der Pensionierung steht, beginnt zu ermitteln. In Warschau hat man immerhin schon den Besitzer des Autos, das der Angreifer gefahren hat, ermittelt. Der Geschäftsmann Witold Bronisz (Marcin Tyrol) behauptet, auf offener Straße überfallen, betäubt und entführt worden zu sein. Er habe sich selbst befreien können und an einem völlig unbekannten Ort wiedergefunden. So recht mag die Kommissarin dem Geschäftsmann nicht glauben, auch weil er und seine Ehefrau etwas zu verheimlichen scheinen.

In Odessa gehen die Polizei-Ermittlungen vor allem in Richtung organisierte Kriminalität und man hat einen örtlichen, halbseidenen Oligarchen in Verdacht. In Prag taucht eine Frauenleiche ohne Arm auf und durch die Europol-Datenbank bekommen auch die Warschauer Polizisten davon Kenntnis. Maria Sokolowska trifft sich mit ihrem tschechischen Kollegen und man ermittelt gemeinsam weiter.

Serienmörder oder Frauenhandel?

Man kennt die grenzüberschreitende Ermittlungsarbeit nicht erst seit dem skandinavischen Thriller-Serien-Highlight „Die Brücke“, von dem das deutsch-österreichische Ermittlerteam in „Der Pass“ die Inspiration bezog. Auch europaweite Mördersuche und Bekämpfung der organisierten Kriminalität kennt man aus erfolgreichen Serienformaten. In Das Team“ etwa wurde über zwei Staffeln mit unterschiedlichen Polizisten gleichzeitig in Dänemark, Belgien und Deutschland ermittelt.

„The Pleasure Principle – Die Geometrie des Todes“ kommt der Idee und dem Ansatz von „The Team“ recht nahe, weiß aber eigene Akzente zu setzen. Etwa dadurch, dass die Ukraine wohl nach europa orientiert ist, aber nicht in der gemeinsamen Europol-Zone ist. bis die Ermittler in Prag und Warschau von der Leiche in Odessa Kenntnis erhalten und sich mit dem Kollegen austauschen dauert es immerhin bis zur fünften Folge. Bis dahin lässt das Drehbuch von Regisseur Dariusz Jablonsk und Autor Maciej Maciejewski die Geschehnisse parallel laufen und nur die Zuschauer sind in der Lage einen übergeordneten Zusammenhang zu erkennen.

Der Spannung tut diese keine Abbruch, wohl aber die etwas zu gut gemeinte Ausformulierung der Charaktere der Ermittler. Alle drei haben so ihre Päckchen zu tragen und neben der Serienmörder-Ermittlung noch einen Haufen anderer Probleme an den Hacken. Am schillerndsten ist sicherlich die polnische Polizistin, die bei der im Wesentlichen in Polen entstandenen Produktion auch ein bisschen stärker im Mittelpunkt steht. Bisweilen geht die dramatische Tiefe doch zu Lasten der Spannung, die die Serie zusammenhält.

Dabei hat sich „The Pleasure Principle“ nicht lumpen lassen und fährt haufenweise Verdächtige, zwielichtige Situationen und Ermittlungsansätze auf, die in unterschiedlichste Richtungen laufen. Serien-begeisterte Zuschauer werden allerdings schon häufiger bemerkt haben, dass zuviele Spuren auch frustrieren können. Etwa in der ersten Staffel von „Kommissarin Lund“ die einfach zu häufig ins Leere ermittelt hat, so dass zwischenzeitlich die Spannung schwindet, schlicht aufgrund der Tatsache, dass bei der verbleibenden Sendezeit auch bei diesem Hinweis wenig Sachdienliches zu ‚tage gefördert werden wird. Vielleicht drehen die Ermittlungen ein paar Runden zuviel.

Beim „Lust-Prinzip“ wäre da ein dubioser tschechischer Oberstaatsanwalt, der die Lebensgefährtin von Viktor Seifert zwar zur Nachfolgerin auserkoren hat, aber auch zweifelhafte Beziehungen ins Geschäftsleben hat. Eine polnische Filmproduktionsfirma drehte mit tschechischen Starlets ebenso freizügige wir billige Horror-Slasher-Filme und der Oligarch in Odessa handelt scheinbar nicht nur mit Waffen. Dann taucht noch ein charmanter Fotograf (Stipe Erceg) auf, der einige der Opfer bei Fotoshootings getroffen hat, es gibt weitere vermisste Mädchen, eine Spur die nach Deutschland führt und immer wieder scheint der polnische Geschäftsmann im Dunstkreis der Ermittlungen aufzutauchen.

Viele übliche Verdächtige – und eine kantige Ermittlerin

Das alles ist zwar genreüblich aber auch einigermaßen clever und weitgehend spannend zusammengefügt, so dass die Darsteller genügend Gelegenheit haben, ihre Charaktere auszuloten und ihr Können unter Beweis zu stellen. Und abgesehen von Karel Roden, den Zuschauer:innen bereits aus diversen internationalen Produktionen kennen („Rocknrolla“, „McMafia“, „Die Bourne-Verschwörung“) sind die übrigen Schauspieler:innen hierzulande weitgehend unbekannt, der Thriller-Serie kommt das sehr entgegen.

Eine weitere sehenswerte Stärke von „The Pleasure Principle“ ist die cinematografische Klasse. Nicht nur, dass hier gekonnt mit kalten, blauen Farbfiltern für winterliche Stimmung gesorgt wird, auch die Location-Scouts haben ganze Arbeit geleistet und in jeder der drei osteuropäischen Weltstädte filmenswerte Ecken hervorgekramt, ohne zum Tourismus-Programm zu verkommen, wie das bei einigen Lokal-Krimis im deutschen Fernsehen der Fall ist. Regisseur Dariusz Jablonski, der auch ein erfolgreicher Produzent ist und mit seiner Produktionsfirma Apple hauptverantwortlich für „The Pleasure Principle“ schafft es gekonnt, urbane Wahrzeichen neu und fast nebensächlich in Szene zu setzen und zugleich eindrückliche Nebenschauplätze und abseitige Ecken der Städte zu präsentieren. Die Kamerarbeit ist gelegentlich geradezu extravaganter Klarheit.

„The Pleasure Principle –die Geometrie des Todes“ weiß über weite Strecken spannend und vertrackt als düsteres Thriller-Serien-format zu überzeugen und packend zu unterhalten. Einige ereignislosere Phasen sind immerhin schön gefilmt. Selbstredend verschießt die osteuropäische Serie genreüblich noch nicht ihr ganzes Pulver und lässt eine Hintertür für Fortsetzungen.

Serien-Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

The Pleasure Principle – Geometrie des Todes – Staffel 1
OT: Zasada przyjemnosci
Genre: TV-Serie, Krimi, Thriller
Länge: ca. 600 Minuten (10 x 60), POL, 2019
Idee: Dariusz Jablonski, Maciej Maciejewski
Regie: Dariusz Jablonski
Drehbuch: Maciej Maciejewski
Darsteller: Małgorzata Buczkowska, Karel Roden, Sergej Strelnikow, Stipe Erceg, Ana Geislerova
FSK: ab 16 Jahren
Vertrieb: eye see movies
DVD- & BD-VÖ: 05.11.2020

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