Rettet den Zoo: Tierimitationen

Es scheint, als laufe der Kinobetrieb in Deutschland langsam wieder an; und doch ist vieles anders als vor der Corona-Pandemie. Ob die Kinos eures Vertrauens tatsächlich wieder bespielt werden, hängt von den jeweiligen Landesverordnungen ab. Die koreanische Komödie „Rettet den Zoo“ hat wie einige andere Filme einen offiziellen Kinostart am 4. Juni 2020. Was gibt es schöneres als die große Leinwand mit einer herzerwärmenden Komödie wieder zu entdecken.

Der junge Anwalt Kang Tae Soo (Jae-hong Ahn) arbeitet in einer großen Wirtschaftsagentur. Bislang ist er eher für Botengänge zuständig, aber als er sich zwischen den Agenturboss und aufgebrachte Demonstranten schmeißt, bekommt Kang seine Chance. Die Agentur verwaltet für einen englischen Investor einen Zoo, der hat zwar gerade Pleite gemacht, aber Kang soll den Laden als Zoo-Direktor wieder auf Vordermann bringen.

Selbstredend braucht der frischgebackene Direktor erst einmal ein neues präsentables Auto, doch der Zoo entpuppt sich als hoffnungsloser Fall. Bei Kangs Ankunft werden gerade die letzten Tiere abtransportiert, die etwas hermachen. Übrig bleiben ein psychiotischer Eisbär, diverse Kleintiere und eine Rumpfbesetzung unverbesserlicher Zoo-Angestellter. Darunter der ehemalige Direktor Seo (Yeong-gyu Park) und die Tierärztin Han (So-ra Kang).

Was also tun, um den Tierpark wieder aufzupimpen? Neue Tiere zu kaufen ist bei all den Regularien quasi unmöglich und Fotos von einem Zoo-Event bringen Kang auf die rettende Idee: Tierkostüme. Wenn sich die Angestellten weit genug im Gehege verstecken gehen sie locker als Gorilla, Löwe, Eisbär und Faultier durch. Richtig viel Publikum zieht die große Wiedereröffnung nicht an und dann brennt auch noch der Kostümmacher mit dem Geld durch, bevor die Giraffe fertig geworden ist.

„Ich check mal eBay nach gebrauchten Tigern.“

Tiere ziehen immer. Egal, ob Katzenvideos auf Youtube oder Naturdokus im Fernsehen, solange die Chance auf possierliche Vierbeiner besteht, findet sich auch ein Publikum. Die Idee zu der koreanischen Feel-Good-Komödie „Rettet den Zoo“ stammt m Webcomic „Secret Zoo“ oder „Haechijiana“, der online zwar frei verfügbar ist, aber nur in koreanischer Variante, was den meisten Lesern nun auch keinen Erkenntnisgewinn bringt.

Zwar wird der Protagonist des Films, Anwalt Kang, anfangs nicht gerade als Sympathieträger präsentiert, aber der Mann wächst mit seiner Aufgabe und wie das bei dieser Art von Komödie so ist, wenn aus Saulus ein Paulus wird. die Handvoll Zoo-Beschäftigter wird jedenfalls ziemlich schnell eine sympathische Truppe, die sich der absurden Herausforderung des neuen Direktors sportlich stellt. Und siehe da, die Menschen werden zu leidlich guten Tierimitatoren und über die Beobachtungen von Tieren und Besuchern lernt man doch einiges über das Leben im Dschungel der Zivilisation.

Die Besetzung und die Crew der koreanischen Produktion machen ihre Sache gut, sind aber hierzulande weitgehend unbekannt. Es gibt zum Glück überraschend wenig Special Effects . Schließlich liegt der Charme und ein Großteil des Humors ja geradedarin, dass Zuschauer die Tiere als kostümierte Menschen erkennen sollen. Und der Clou der Zoorettung kommt überraschend modern daher.

Nicht dass, „Rettet den Zoo“ ein Lehrfilm wäre oder mehr als eine simple antikapitalistische Botschaft hätte, aber gerade darin liegt die Stärke der Komödie. Solide Figuren, gute Kostüme und ein paar bissige Dialoge reichen für starke Kinounterhaltung. Wann ist der Gorilla schon mal in das Faultier verknallt? An dieser Stelle sei auch noch einmal darauf hingewiesen, dass die launige Zoorettung nicht nur für Freunde asiatischen Filmschaffens funktioniert. Nein, die Geschichte ließe sich ganz solide in unsere Gesellschaft übertragen und ragt so über „Wilde Kreaturen“ (1997) und „Wir kaufen einen Zoo“ (2011) heraus, verzichtet dabei auf die große Love-Story und hat den großen Vorteil, wesentlich lustiger zu sein. Wer (außer Pixar in „Zoomania“) hat schon ein Faultier zu bieten, das mit den Krallen auf einem Smartfon herumtippt.

Diese charmant-subversive koreanische Komödie rettet hoffentlich nicht nur einen Zoo, ein paar Arbeitsplätze und ein paar Tiere, sondern aus aktuellem Anlass vielleicht auch ein paar Kinos. Und Vielleicht entfällt mit Tierkopf nicht nur die Maskenpflicht im Saal, sondern auch das Eintrittsgeld…

Film-Wertung: 8 out of 10 stars (8 / 10)

Rettet den Zoo
OT: Secret Zoo
Genre: Komödie,
Länge: 118 Minuten, ROK, 2020
Regie: Jae-gon Son
Vorlage: Webcomic „Haechijiana“ aka Secret Zoo“
Darsteller: Jae-hong Ahn, So-ra Kang, Yeong-gyu Park, Seong-oh Kim, Yeo-bin Jeon
FSK: ab 6 Jahren
Vertrieb: Capelight Pictures, Central
Kinostart: 04.06.2020

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