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24 Hours – Two Sides of Crime: Bankraub und Geiseldrama

20.03.19 (TV-Serien)

Die belgische Thriller-Serie „24 Hours – Two Sides Of Crime” beleuchtet bei einem Banküberfall abwechselnd die Polizeiarbeit und die Geiselnehmern und Geiseln. Wo das Format anfangs etwas statisch wirkt, ergeben sich später spannende Momente. Das ZDF fungiert bei der auf Realismus bedachten TV-Serie als Koproduzent und strahlte die Serie auf ZDFneo aus. Nun haben ZDF-Enterprises und Justbridge Entertainment „24 Hours – Two Sides Of Crime“ auch auf DVD und Blu-ray veröffentlicht. Ein Serienerlebnis wie ein Steigerungslauf.

Die Polizeipsychologin Merzedes de Vos (Sofie Decleir) bildet gerade einen neuen Unterhändler aus. Ibrahim (Lucas De Wolf) macht noch schwerwiegende Fehler, aber der routinierte Kollege Roeland (Willy Thomas) ist nach einer traumatisierenden Erfahrung noch nicht wieder einsatzbereit und Vos wechselt demnächst die Abteilung. In dieser Situation kommt ein Notruf herein, der eine Geiselnahme anzeigt. In einer belgischen Kleinstadt wurde eine unbedeutende Bankfiliale überfallen. Neben dem Bankdirektor und zwei Angestellten sind auch eine Kundin, die zu einem Beratungsgespräch wollte, und zwei Kinder, die am Automaten Bargeld holen wollten, in den Händen der Geiselnehmer.

Die Situation ist unklar. Die Bank scheint für ein Spezialteam weder zugänglich noch ist eine Einsichtnahme möglich. Als der Geiselnehmer sich meldet, soll Ibrahim die Verhandlungen übernehmen und seine beiden Kollegen unterstützen ihn. Der Geiselnehmer verlangt Lösegeld und einen Hubschrauber, doch die Verhandlungen ziehen sich hin.

Die Presse taucht auf und behindert die Polizeiarbeit. Die Familien der Geiseln werden benachrichtigt. Dennoch bleibt es schwierig, herauszubekommen wie viele Personen tatsächlich in der Bank sind und welche Rolle sie spielen. Die Ermittler bleiben professionell skeptisch. Die präzisen Ortskenntnisse und systematischen Vorbereitungen der Geiselnehmer deuten darauf hin, dass sie Insider-Informationen haben. Dennoch sitzen die Gauner in dem Gebäude fest und sind von der Polizei umstellt. Nicht nur die Unterhändler fragen sich, ob die Bankräuber noch ein Ass im Armel haben.

Um gleich vorweg einige Verwirrungen klarzustellen: Im belgischen Original heißt das TV-Serienformat „De Dag“ also „Der Tag“. Die Ereignisse spielen sich nicht in Echtzeit ab, aber doch in einem ziemlich knappen Zeitfenster, so dass die international titelgebende Assoziation mit Kiefer Sutherlands hyperaktiver Agentenserie „24“ sicher beabsichtigt ist. Zudem mag Verwirrung über die Länge und Anzahl der Episoden bestehen: Auf der DVD und Blu-ray beinhaltet die Serie in dieser Staffel zwölf Folgen. Die Episodenlänge der belgischen Serie variiert eher stark. Auf ZDFneo wurden allerdings nur 10 Folgen ausgestrahlt, so viele sind auch in der Mediathek zu finden. Das liegt einzig und alleine daran, dass bei der deutschen TV-Ausstrahlung die jeweils ersten und jeweils letzten beiden Folgen als Doppel ausgestrahlt wurden.

Dabei ist das dramaturgische Schema des Perspektiv-Wechsels sehr starr. Den Auftakt des Szenarios machen die Sichtweisen der Polizei, dann folgen in der nächsten Episode die Perspektiven von Geiselnehmern und Opfern für denselben Zeitraum, anschließend ist wieder die Polizei dran. Die Serien-Macher und Autoren Julie Mahieu und Jonas Geirnaert ziehen diesen Wechsel konsequent durch. Angesichts der vielen Personen und Charaktere, die im diesem Setting aufgeboten werden, ist es durchaus sinnvoll, das zweigleisige Erzählen als Alleinstellungsmerkmal der Serie beizubehalten, selbst wenn einige der Informationen dadurch mehrmals auftauchen, also etwas redundant rüberkommen.

Gerade der Anfang der in düsteren dunklen Blau-Tönen gehaltenen, finsteren, psychologischen Thriller-Serie macht den Zuschauern den Einstieg nicht eben spannend. Die Hauptakteure auf Seiten der Polizei werden eher plakativ etabliert und die Dialoge um den Einsatz und die Aufgabenteilung gehören eher in die Abteilung Polizeiklischee und Alltagsgeschwätz. Die Neugier trägt einen dann doch durch die erste Episode. Auf Seiten der Gauner und Opfer nimmt man sich gleichfalls viel Zeit und setzt auf langsam anschwellende psychologische Spannung, statt schnell Spannung und Action zu erzeugen.

Hat man sich nach den beiden Auftaktepisoden im Setting zurechtgefunden, entwickelt „24 Hours – Two Sides of Crime“ durchaus seine Qualitäten. Die persönlichen Probleme der Polizisten gehören zwar nicht dazu und wirken eher wie aufgesetztes Beiwerk, aber die Geschehnisse in der Bank überzeugen mit vielen überraschenden Wendungen. Die Twists sind in der Form nicht immer vorauszusehen und die Verwicklungen werden tatsächlich immer komplexer, verwirrender und sorgen für ein zunehmende Spannung.

Filmisch ist „24 Hours“ mehr als solide und die belgische Serie weiß ihre stilistischen Mittel und ihr Budget effektiv einzusetzen. Bisweilen wundert man sich zwar, dass es in Belgien nie richtig hell wird, aber das kennt der geneigte Zuschauer bereits aus ähnlichen skandinavischen Formaten. Die Darsteller spielen durch die Bank weg solide auf, wenn man von den gescripteten Unzulänglichkeiten der Figuren mal absieht. Ein langweiliger Dialog lässt sich schwerlich mit shakespearehafter Dynamik vortragen. Die beiden Regisseur Gilles Coulier und Dries Vos teilen sich die Arbeit, ohne dass man einen Bruch in der Serienoptik oder der Dynamik feststellen könnte.

Ohne hier spoilern zu wollen, kann man behaupten, dass weitgehend belohnt wird, wer sich durch den müden Auftakt der Serie kämpft. Am Ende ist es dann vielleicht ein Twist zuviel, der in „24 Hours – Two Sides of Crime“ ausgepackt wird. Es lohnt sich dennoch bis zum letzten Ende dran zu bleiben. Aber keine Bange, es gibt am Schluss keinen Cliffhänger.

Um es kurz zu machen: Am Anfang hakelt das komplexe Setting der belgischen TV-Thriller-Serie „24 Hours – Two Sides of Crime“ ein bisschen mehr, fängt sich aber und steigert sich zu einer spannenden und wendungsreichen Krimi-Serie, die mit ihren vielen Figuren auch tatsächlich etwas anzufangen weiß; trotz einiger Längen und achtlosen Dialoge. Die Perspektivwechsel von Polizei zu Tätern und Opfern ist mehr als nur Makulatur und sorgt für einige spannende Momente, an denen Hitchcock seine Freude gehabt hätte.

Movie Rating: ★★★★★★★☆☆☆ 

24 Hours – Two Sides of Crime
OT: De Dag
Länge: 546 Minuten, (12 Folgen), B/D, 2018
Genre: TV-Serie, Krimi, Thriller,
Idee: Julie Mahieu, Jonas Geirnaert,
Regie: Gilles Coulier, Dries Vos,
Darsteller: Sofie Decleir, Lucas De Wolf, Maaike Neuville, Titus De Voogdt, Jeroen Perceval,
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Vertrieb: justbridge entertainment (Rough Trade Distribution)
DVD- & BD-VÖ: 15. März 2019

24 Hours – Two sides Of Crime beim ZDF

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