Schemen im Nebel: Cult of Luna im Knust, Hamburg

cult-of-luna-verticalDie schwedische Post-Metal Band Cult of Luna spielte am 17. Januar 2013 mal kurz in Hamburg auf, bevor es wieder in andere Gefilde ging. Die neue Scheibe: „Vertical“ kam zwar erst ne Woche später (am 25.) raus, deren Cover hielt aber immerhin schon für den Backdrop her, eigentlich Verschwendung, weil sich die Bühne im Dauernebel befand, während Cult of Luna souverän Gitarrenwände errichteten und wieder einrissen. Doch vor dem Hauptgang hat die Konzertdramaturgie den Opening Act gesetzt. Abraham aus der Schweiz spielten mehr als pünktlich, ja sogar zu früh, auf und läuteten einen denkwürdigen Konzertabend ein.

abraham-serpentDie fünfköpfige französisch sprechende  Combo Abraham bewies, dass man auch unter Eidgenossen harte Klänge zu würdigen weiß. Die Sounds und Songs der Band waren als Appetizer für die spätere die Postrock-Orgie ganz gelungen. Die Band firmierte wohl auch mal unter dem Namen „Le Baron Vampir“, stammt aus Lausanne und hat meines Wissens mit „An Eye of The Universe“ (2011) und „The Serpent, The Prohet & The Whore“ (2012) bislang zwei Alben vorgelegt. Live entpuppten sich vor allem der Sänger und der Bassist als Freunde pathetischer Gesten, während man ein atmosphärisches Gewitter entfachte. Metallisches, Postmetallisches und irgendwie auch Unausgegorenes. Der Druck stimmte schon, aber vielleicht sollten die Abrahams mal an ihren Songstrukturen feilen. Live wirkte das nicht immer zwingend.

Cult_of_Luna,_Peace_and_Love_2009Dann aber endlich kamen Cult of Luna auf die Bühne und lieferten den Fans, die das Knust mehr als gut füllten (ausverkauft war’s glaub ich nicht) genug musikalische Gründe den Mond anzuheulen. Die acht Schweden aus Umea ließen die Bühne erstmal derart vernebeln, dass man nur noch Schemen erkennen konnte. Aus der sprichwörtlichen Londoner Suppe heraus gab es dann ein grandioses Feuerwerk perfekter metallischer und postmetallischer Soundlandschaften. Schnörkellos und auf den Punkt entfalteten die Schweden ihre typischen und wuchtigen Gitarrenkonstrukte, deren monotone und sich dramatisch steigernde Stimmung von Publikum mit Begeisterung aufgenommen wurde.

Auch Songs vom neuen Album „Vertical“ waren zu hören, aber abgesehen davon, dass es mir sowieso selten gelingt, die Songtitel der Band auf die Reihe zu bekommen, ging an diesem Abend das Fan sein mal wieder deutlich vor und die nerdige Chronistenpflicht wurde gerne vernachlässigt. Mit den langen Instrumentalphasen und ausgedehnten Songs ist  es ein bisschen wie mit Freejazz, man darf den Faden nicht verlieren, sonst ist der Zauber flöten. Wenn es einem aber, trotz Schwätzer zur Linken und Smartphone-Kameramännern voraus, gelingt sich auf die Mukke zu konzentrieren, entwickeln die durchdachten und stimmungsvollen Stücke ihre volle Wucht und ziehen einen in einen Malstrom, der den Headbanger ebenso wenig loslässt wie den Post-Rock-Fan.

CultOfLuna-SomewhereAlongTheHighway-FrontIn den dreizehn Jahren des Bandbestehens haben es Cult of Luna inzwischen auf sechs Alben gebracht, „Vertical“ mitgerechnet, und das neue Album fügt sich naht los in das hochgeschätze Schaffen der Band ein, und bringt gleichzeitig einige neue Sounds zu Gehör. Vor allem aber sind Cult of Luna – nicht erst seit gestern – eine gnadenlos intensive Live-Band, was sich auch immer wieder an der Durchmischung im Publikum ablesen lässt. Musikalisch und soundtechnisch habe ich bei den Schweden noch nie weniger als ein großartiges Konzert erlebt. Dabei legen Cult of Luna Wert auf Stimmung und die Nebelwand auf der Bühne wird klassisch, mysteriös und schlicht. Die  Scheinwerfer kommen mit ihrem kalten Strahl abwechselnd suchscheinwerfermäßig oder als Mondersatz zur Geltung. Fußballgemäß war dann nach 90 Minuten Schluss mit den konzentrierten Spaß aus den Boxen und ohne Zugabe gings in Bett.

Der Rest der Republik muss sich nun erst mal ärgern, etwas verpasst zu haben und kann genüsslich den neuen Tontäger „Vertical“ auswendig lernen, bevor Cult of Luna im Mai wieder in unseren Gefilden weilen. Bis dahin sind die Schweden „Somewhere Along the Highway“-mäßig in Resteueropa unterwegs.

weiterführend Links:

Abraham-Facebook-Seite

Cult of Luna bei Wikipedia

Cult Of Luna Band-Homepage

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