Franks Flimmer-Fest 2011: Mittwoch 5.Oktober

Filmfest Hamburg 2011 LogoAm Mittwoch bleibt tatsächlich nicht soviel Zeit für das Filmfest: Zuerst darf ich mir noch Roland Emmerichs Shakespeare-Verschwörung „Anonymous“ ansehen, das gehört schließlich zum normalen Broterwerb, anschließend ruft das Büro, bevor ich dann endlich zu der französischen Polit-Satire „The Minister“ wieder in den Kinosessel falle. Abends feiert dann das epische Drama „Once Upon a Time in Anatolia“ seine Deutschlandpremiere, das auch noch am 8. Oktober zu sehen ist.

The Minister 2Von dem französischen Film „The Minister“ (OT: L’Exercise de l‘Etat“) erwarte ich ziemlich viel, da mir Pierre Schoellers „Versailles“ mit dem verstorbenen Guillaume Depardieu in guter Erinnerung ist. In „The Minister“ geht es um einen ambitionierten französischen Verkehrsminister (Oliver Gourmet), der im politischen Wirren versucht sich zu profilieren. Dazu gehört ein nächtlicher Kondolenzbesuch an einer Busunglücksstelle in den Ardennen ebenso wie die publicity-trächtige Maßnahme, Langzeitarbeitslosen eine Chance zu geben. Der neue Chauffeur Martin ist nur als Aushilfe gedacht, weil der Fahrer des Ministers gerade Vater geworden ist. Das hindert den Minister allerdings nicht, mit dem schweigsamen Neuling saufen zu gehen.

Regisseur Schoeller wirft einen bissigen Blick hinter die Kulissen der Macht und auf den mediengeilen Verwaltungsapparat. Das ist zwar sehr französisch, aber ganz sicher auf jede westliche Regierung übertragbar. Ein unterhaltsamer Film. „The Minister“ läuft nicht mehr auf dem Filmfest Hamburg. Update November 2012: Die französische Satire kommt unter dem deutschen Titel „Der Aufsteiger“ am 22.11.2012 in die Kinos. Hier geht’s zur Film-Homepage mit dem deutschen Trailer.

Film-Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

once-upon-a-time-in-anatolia-1Das türkische Epos „Once Upon a Time in Anatolia“ (OT: Bir zamanlar Anadolu’da“) konnte im Frühjahr in Cannes den großen Preis der Jury und eine Nominierung für die goldene Palme einstreichen und Regisseur Nuri Bilge Ceylan ist ein international renommierter, mehrfach ausgezechneter, türkischer Filmemacher. Sein neuestes Werk erzählt in epischer Länge von der nächtlichen Suche nach einer Leiche. Der Täter kann sich nicht mehr erinnern, wo in der Weite der Landschaft er die Leiche gelassen hat und so irrt der Tross aus Polizei, Doktor, Staatsanwalt und militärischer Begleitung durch die anatolische Weite. Während der Suche und vor allem während des Wartens gibt es diverse mehr oder minder existentialistische Dialoge die zwischen sarkastischem Humor und leiser Melancholie pendeln. Filmisch ist „Once Upon a Time in Anatolia“ konsequent und puristisch. Der Titel erinnert nicht umsonst an große Italo-Western und Mafia-Klassiker. Und der nächtliche Teil des 157 Minuten langen Krimi-Dramas ist schlicht grandios, doch mit der morgendlichen Dämmerung ist noch lange nicht Schluss und das Warten zieht sich elendig hin. Insofern eine wirklich gute und sehenswerte Irrfahrt in die Dunkelheit der menschlichen Seele, der allerdings definitiv viel zu lang ist.

„Once Upon a Time in Anatolia“ ist beim Filmfest noch am 8. Oktober um 19:00 in der Passage zu sehen. Hier geht’s zum Trailer. Dass der Film noch keinen deutschen Verleih hat, wird sich angesichts der vielen türkischstämmigen Mitbürger hoffentlich bald ändern.

Update: In Deutschland wird „once Upon a Time in Anatolia“ über Kinostar Filmverleih vertreiben und startet bundesweit am 19.Januar 2012 in den Kinos. Hier gehts zum Kinofinder und zum Trailer bei Kinostar.

Film-Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

Und wieder bleiben die Top 5 unangetastet. Ich frage mich langsam, ob die Bingo-Damen mein persönliches Rennen machen?

5.“Restless“

4.“Huhn mit Pflaume“

3. „Whistleblower“

2. „The Look“

1. „Bingo -zuletzt entscheidet immer das Glück“

Viel Spaß im Kino.