Jigoku: Der Kreislauf ewigen Leidens

Jigoku - Das Tor zur Hölle (5)In regelmäßigen Abständen bescheren uns Rapid Eye Movies Filmperlen aus dem großen Fundus des Japanischen Kinos. „Jigoku“ –zu deutsch Hölle – gilt als Vorreiter des Horrorfilms und einer der ersten Filme, die Splatter als Effekt benutzen. Nobuo Nakagawas Werk von 1960 mag in der Sommerzeit ein wenig untergegangen sein. Zeit für einen filmischen Ausflug in die Schrecken der Unterwelt.

Anfang der 1960er Jahre steht der Theologiestudent Shiro (Shigeru Amachi) im Begriff zu heiraten. Die Auserwählte ist Yukiko (Utaku Mitsuya) die Tochter seines Professors. Doch am Vorabend seiner Verlobung macht Shiro mit seinem manipulativen, finsteren Freund Tamura (Yoichi Numata) eine folgenschwere Autofahrt. Auf dem Weg in eine Bar überfährt Shiro einen Betrunkenen und begeht Fahrerflucht.

Jigoku - Das Tor zur Hölle (2)Tamura spielt den Vorfall herunter, da es keine Zeugen gab. Das Opfer stirbt an den Verletzungen und die Freundin des Toten, die den Unfall beobachtet hat, schwört Rache. Während Tamura schnell wieder zum Vergnügen übergeht, plagen Shiro heftigste Gewissensbisse. Da hilft auch die theologische Ausbildung wenig. Der geplagte Student beschließt, sich zu stellen, und nimmt seine Verlobte mit, doch auf dem Weg zur Polizei gibt es einen tödlichen Autounfall und Shiro landet in der Hölle. Hier trifft er in unterschiedlichen grauenhaften Kammern auf sein Leben.

Regisseur Nobuo Nakagawa inszeniert in „Jigoku“ (1960) unterschiedliche Stadien und Vorstellungen der Hölle. Ausgehend vom buddhistischen Unterweltsvorstellung entspinnt der Regisseur, der auch das Drehbuch mitentwickelte, verschiedene Kammern, die alle ihren eigenen Schrecken bergen. Shiro durchläuft auf der verzweifelten Suche nach seiner (toten) Verlobten und seinem ungeborenen Kind alle unterschiedlichen Kammern.

Jigoku - Das Tor zur Hölle (4)Nagakawa schuf mit „Jigoku“ einen Vorläufer des Horrorfilms, indem er als einer der ersten auch blut- und gedärmtriefende Effekte einsetzte. Der Einfluss dieser Bilder auf das japanischen Horrorgenre war immens, auch wenn es dem Regisseur eigentlich um das menschliche Drama geht. Die seinerzeit schockierenden Bilder sind mit unterschiedlichsten, beizeiten psychedelischen aber immer expressiven filmischem Mitteln umgesetzt und entfalten ihre eigene Bildgewalt und dramatische Wirkung.

„Jigoku“ hat im Wesentlichen filmhistorischen Wert, denn heutzutage sind die Bilder zwar immer noch grausig, aber der Zuschauer ist anderes gewohnt, auch was den Stand der Tricktechnik angeht. Die Experimentierfreude Nagakawas mischt Schwarz-Weiß-Sequenzen mit überspanntem Drama, nutzt in der Hölle den Farbfilm als Effekt und bezieht auch die Filmmusik zur Steigerung des Schreckens effektiv mit ein.Viele Episoden sind immer noch große Filmkunst.

Jigoku - Das Tor zur Hölle (3)Der Film wirkt mit seinen unterschiedlichen Höllenqualen episodenhaft und die szenischen Überleitungen lassen sehr zu wünschen übrig, auch das Drama vor dem Tod wirkt von den Darstellern überspielt und vom Script sehr dick aufgetragen, als wolle Nagakawa unbedingt so viel wie möglich in den Film hineinpacken. Mag sein, dass es der Finanznot geschuldet ist, dass „Jigoku“ so fragmentarisch wirkt. Die Produktionsfirma ging während der Dreharbeiten pleite und das hat dazu geführt, gegen Ende der Filmarbeiten zu Geld sparenden Tricks greifen zu müssen. Dem starken Einfluss des Films hat das allerdings nicht geschadet. Horrorfans sollten allerdings nicht allzu viel Splatter erwarten.

Fazit: Die Höllenvorstellungen des japanischen Regisseurs Nobuo Nakagawa haben 1960 einen Grundstein für das japanische Horrorgenre gelegt. Aus heutiger Sicht ist „Jigoku“ vor allem filmhistorisch interessant. Die exzentrischen Bilder wirken mit Abstrichen noch immer ziemlich schockierend, aber dem Film fehlt es an storytechnischer Kontinuität und er ist ein Produkt seiner Zeit. Die moderate Gesamtwertung sollte nicht über die vielen großartige Szenen hinwegtäuschen.

Movie Rating: ★★★★★★☆☆☆☆ 

Jigoku - Das Tor zur Hölle_cover_2DJigoku – Das Tor zur Hölle
OT: Jugoku
Länge: 98 Min., J., 1960
Genre: Drama, Horror, Experimental
Regisseur: Nobuo Nakagawa
Darsteller: Shigeru Amachi, Yoichi Numata
FSK: ab 16 Jahren
Vertrieb: Rapid Eye Movies
deutsche Erstveröffentlichung
DVD VÖ: 15.07.2011

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