Taschengeld-Tipps #26/2011

True-Grit-19Geneigter Leser, während diese Zeilen veröffentlicht werden, ist der Verfasser schon längst nicht mehr bei dir. Alltag war gestern, heute ist Roskilde. Und während ich mich seelisch mit dem Dilemma befasse, Iron Maiden oder P.J. Harvey zuzujubeln, die idiotischerweise gleichzeitig spielen und die Headliner des ersten Festivaltages sind, gilt mein Gruß dem Zurückgebliebenen. Als kleinen Trost schicke ich noch ein paar Tipps in den Äther und räume ein, dass auch ich etwas verpasse; gerade auf der Bühne. Bin ich eigentlich der einzige Rockfan, der sich sowohl Polly Jean als auch die Eiserne Jungfrau anschaut? Glaub‘ ich nicht. Egal, hier sind die Tipps:

primus-frizzle-fryLIVE: Sie sind zurück: Primus, das kauzige, höchst eigenwillige Trio haben für September ein neues Album angekündigt. Eines ist jetzt schon sicher: der Nachfolger zu „Antipop“ wird sich höchsteigenwillig nach Primus anhören. Bis dahin sind die ehemaligen Halbgötter des Alternativ-Sounds noch in Europa unterwegs, um uns bei ihren nach wie vor grandiosen Auftritten staunen zu lassen. Psychedelic Polka at it’s best. Deutschland wir mit Konzerten in Berlin (ausverkauft) und Hamburg (noch nicht ausverkauft!) beehrt und dann ist das Trio auch schon wieder ganz woanders. Primus sind zurück. Und ich bin nicht da!

Auchdie japanischen Noise-Rocker Boris erreichen im Zuge ihrer Europatour endlich unsere Gefilde. Aber dazu mehr in dr kommenden woche, wenn Bris in Hamburg spielen. Tourdaten gibt’s auf der Myspace-Seite.

KINO: Zwingendes ist in diesen Tagen (und auch in dem kommenden Wochen) auf der Leinwand wenig zu sehen. Wer auf Musikfilme im weitesten Sinne steht, kann sich allerdings auf zwei Dokus freuen, die bundesweit in den Kinos starten.

All you need is Klaus„All You Need Is Klaus“ ist eine Hommage an dem Künstler und Musiker Klaus Voormann. Anlässlich seines 70. Geburtstags 2008 macht sich der Grafiker und Bassist auf nach L.A, um mit alten Weggefährten ein Album aufzunehmen. Die Doku von Jörg Bundschuh nutzt die Gelegenheit, um mit dem ehemaligen Beatles-Intimus Stationen seiner Karriere Revue passieren zu lassen. (Hier gibt’s die ausführliche Besprechung). Das ist filmisch eher konventionell gehalten, weckt aber Erinnerungen und wer auf die Pop-Ära ab Mitte der 1960er steht, wird im Kino mit viel Zeitgeist und Infos eingedeckt. „All You Need Is Klaus“ Ist aber wohl nur für Fans und Musikinteressierte interessant, obwohl auch der Grafiker Voormann sehenswerte Sachen produziert hat. Das Album von 2009 heißt „A Sideman’s Journey“.

rockabilly_Titel_QuerWo „Rockabilly Ruhrpott“ draufsteht ist auch die Rock’n’Roll Szene im Kohlenpott drin. Doch bevor der Zuschauer die Doku zu sehen bekommt, gibt Jochen Nickel in dem Kurzfilm „Grey Hawk“ noch den alternden Rock’n’Roller, der nicht damit klarkommt, dass sein Sohnemann eigene Wege gehen will. Danach geht’s dann in die Vollen und Christin Feldmann und Claudia Bach nehmen den Rockabilly zwischen Bottrop und Oberhausen unter die Lupe und fragen sich, warum sich ausgerechnet hier seit Jahrzehnten eine Szene-Hochburg hält. Hinterher kennt der Zuschauer den Unterschied zwischen diversen Subgenres und weiß dass Rock’n‘Roll nie sterben wird. Das ist überaus gelungen (Meine Wertung: 6/10)Mehr Infos zu Terminen und Kinos finden sich auf der Film-Homepage.

DVD: Auch der Western, obwohl zeitweise vom Aussterben bedroht, ist nicht totzukriegen. Es werden sogar wieder grandiose Cowboy-Streifen gedreht. Zuletzt bewiesen die Coen-Bruder , dass das Genre noch funktioniert. Die grandiose Neuverfilmung des Klassikers „True Grit“ (Deutsch „Der Marshall, mit John Wayne“ ist einfach nur e mpfehlenswert: brilliante Besetzung, coole Story und der übliche Coen-Flair. Hier gibt’s nochmal den Trailer für den DVD-Tipp der Woche.

Mann_Pferd_BD_FAUnd weil‘s so schön ist, hat Paramount im Zuge der True Grit-Veröffentlichung gleich noch ein Paar Western-klassiker auf den Blu-ray Markt geworfen, unter anderem den beeindruckenden „Ein Mann, den sie Pferd nannten“. Ein englischer Lord wird von den Sioux gefangen und als Sklave für die alte Mutter des Häuptlings missbraucht. Nach und nach lebt sich der Fremdling bei dem Stamm ein und übernimmt die indianische Lebensweise. Um vollwertiges Stammesmitglied zu werden, muss er das schmerzhafte Ritual des „Sonnengrußes“ durchmachen. „Ein Mann den sie Pferd nannten“ war schon 1969 beeindruckend, daran hat sich nichts geändert. Richard Harris ist grandios als versklavter Lord und selten war die Lebensweise der Indianer so unvoreingenommen und realistisch in einem Spielfilm zu sehen.

MUSIK: Erstaunlicherweise kündigt sich auf dem Musiksektor keine Sommerpause an, doch an großen Namen mangelt es zur Zeit schon. Viele Neuerscheinungen, die es zu checken gilt, aber weil mir momentan die Zeit fehlt, mir in Ruhe einen Eindruck zu verschaffen, wird auch nichts empfohlen.

Kommt sicher durch die Woche.

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