Möglicherweise erinnert noch jemand die Owens-Schwestern, die seinerzeit in den späten 1990ern unter einem Liebesfluch litten, den auch die eigene Zauberkraft kaum besiegen konnte. Nun kehren die „Zauberhaften Schwestern“ zurück auf die Leinwand und beweisen in 130 Minuten leider, warum es nicht immer ratsam ist, eine Geschichte weiterzuerzählen. Erneut müssen sich Sandra Bullock und Nicole Kidman mit dem Familienfluch auseinandersetzen. Zu sehen ab dem 10. September im Kino.
Ein Vierteljahrhundert ist vergangen, seit Sally Owens (Sandra Bullock) feststellen musste, dass der Familienfluch, der den Owens-Frauen ihre Lover tötet, doch nicht überwunden war, denn auch Sallys Ehemann verstirbt viel zu früh und hinterlässt eine Witwe und zwei Töchter. Am Grab wendet sich Sally von der Magie ab und ihre Schwester Gillian Owens (Nicole Kidman) muss schwören, Sallys Töchtern nicht zu erzählen, dass sie Hexen sind.
Nun sind Antonia (Maisie Williams) und Kylie (Joey King) junge selbständige Frauen geworden. Antonia will Ärztin werden und Kylie studiert noch und genießt das Leben in vollen Zügen – und sie verliebt sich. Der Auserwählte ist charmant, taucht auch auf Großtante Jets (Diane West) Geburtstag auf und wird kurz darauf Opfer eines Verkehrsunfalls und fällt ins Koma.
Zeit, den Töchtern von ihrer Hexenfamilie zu erzählen. Das führt selbstredend zu Stress zwischen Mutter und Tochter. Und während die andere Großtante Franny (Stockard Channing) eigentlich daran arbeitet, den Familienfluch zu entkräften, zockt Kylie das Zauberbuch und macht sich auf nach England, in jenes Dorf, in dem ihre Vorfahrin den Fluch einst losgetreten hat. Sally und Gillian reisen hinterher, um die zauberunkundige Tochter vor dem Schlimmsten zu bewahren. Dabei bekommen sie Hilfe vom englischen Zauberer Ian Wright (Lee Pace).
Der Trost eines geordneten Lebens
Ehrlicherweise sollte mensch vorausschicken, dass „Practical Magic“ 1998 kein besonders herausragender Film war. Die Verfilmung des Romans von Alice Hoffman traf möglicherweise einen zeitgeistigen Nerv und die RomCom war mit Nicole Kidman und Sandra Bullock als attraktive Schwestern in Liebesnöten populär besetzt. Das reichte scheinbar, um über die Jahre zum „Kultfilm“ zu werden, der nun fortgesetzt wird. Dabei konnte die Produktion immerhin die renommierte dänische Filmemacherin Susanne Bier gewinnen, deren Drama „In einer besseren Welt“ 2010 immerhin den Oscar als bester fremdsprachiger Film einheimsen konnte und die auch sonst für tiefgründige Dramen bekannt ist.
„Zauberhafte Schwestern 2“ versucht, ein generationenübergreifendes Frauenbild zu manifestieren, in dem sich jede Generation von Owens-Schwestern als je eine Dunkelhaarige und eine Rothaarige manifestiert. Die magische Berufung und die Sorge für die Mitmenschen in der kleinen Stadt sind deren Verantwortung. Bis sich Sally dem entzieht und Bibliothekarin wird. Was sich nun zu Filmbeginn rächt, weil ihre rothaarige Tochter sich verliebt und unwissend und unvorbereitet dem Familienfluch erliegt. So weit, so gut als Fortsetzungsprämisse.
Das Chaos der Gefühle
Allein, der Film funktioniert auf etlichen Ebenen mehr schlecht als recht. Da wäre der Schwerpunkt auf der Mutter-Tochter-Beziehung und eben nicht auf den Schwestern, was Nicole Kidman als Gillian ziemlich nutzlos durch die Szenerie stolpern lässt. Auch Kylies Schwester Antonia kommt in der Geschichte nur sporadisch als Sidekick vor.

Dann wäre da eine schwarzmagische Bedrohung, die eher an „Harry Potter“ erinnert, als dass sie in die „Practical Magic“-Geschichte passt. Und schließlich fehlt dem Film jegliches Timing, sowohl in komödiantischer als auch dramatischer Hinsicht. Es dauert allein eine gefühlte Ewigkeit, bis sich die drei Generationen in einem Haus treffen und Kylies Love Interest vorgestellt wird. Das ist in jeder Hinsicht zu langatmig und behäbig. Und als wäre das nicht schon genug, stellt sich der englische Zauberlehrling auch noch als attraktiver Kerl heraus, der sich in Sally verliebt. Und dann findet der Film wie weiland „Herr der Ringe“ einfach kein Ende.
Über Filmlänge behauptet „Practical Magic 2“ ein weibliches Familienverständnis, das erstaunlich altbacken ist und das zu keiner Sekunde einem Vergleich mit einer Jane-Austen-Geschichte standhielte. Tatsächlich wäre es empfehlenswert, das Eintrittsgeld zu sparen und sich die bald kommende Verfilmung von „Sinn und Sinnlichkeit“ anzuschauen. Die hat mehr Pfeffer, ist lebendiger und hat immerhin die Magie historischer Kostüme zu bieten.
3/10
Practical Magic 2 – Zauberhafte Schwestern
OT: Practical Magic 2
Genre: Romanze, Komödie
Länge: 130 Minuten, USA, 2026
Regie: Susanne Bier
Vorlage: Roman „The Book of Magic“ von Alice Hoffman
Schauspiel: Sandra Bullock, Maisie Williams, Joey King, Nicole Kidman
FSK: ab 12 Jahren
Verleih: Warner
Kinostart: 10.09.2026



