Highway to Hellas: Strukturförderung und Volkerverständigung

Im #Sommerkino26 geht es heute nach Griechenland. Anno 2014 debütierten die beiden Comedians Arnd Schimkat und Moses Wolff als Romanautoren und legten mit „Highway to Hellas“ eine launige Komödie zur deutsch-griechische Völkerverständigung vor. 2015 hat Regisseur Aron Lehmann daraus einen Film gemacht, der mit Christoph Maria Herbst, Adam Bousdoukos und vielen bekannten griechischen Darstellern und einer sonnig-sommerlichen Urlaubskulisse aufwarten kann. Wenn man allerdings schon im Titel einen Rockklassiker zitiert, sollte man sich auch bemühen, ein wenig Tempo in die Story zu bringen und dem Humor ein bisschen Schub verleihen.

Auf der (fiktiven) griechischen Insel Paladiki setzt man auf sanften Tourismus. Die Idee, hier ein „Galapagos in Greece“ zu etablieren, war immerhin so gut, dass die Insulaner einen Kredit aus Deutschland bekommen haben. Aber jetzt hat sich Besuch angekündigt, um zu überprüfen, ob die entsprechenden Kreditsicherheiten überhaupt vorhanden sind.

Dem AWO-Bankmitarbeiter Jörg Geissner (Christoph Maria Herbst) fällt die undankbare Aufgabe zu, sich den Strand, die Krankenstation und das Elektrizitätswerk der Insel anzuschauen. Was die Griechen allerdings nicht wissen, ist dass die AWO-Bank mit dem Tourismus auf der Insel ganz andere Pläne hat als „Galapagos in Greece“ und Geissner hier nach dem Haar in der Suppe suchen soll.

Der bürokratische Deutsche

Der deutsche Kontrolleur steht vor einen verschlossenem Hotel, macht Bekanntschaft mit geschäftstüchtigen Frauen und wird zur naiven Zielscheibe einheimischen Spotts, während seine Vorgesetzte dauernd telefonisch nach dem Stand der Dinge fragt. Trotzdem versetzt der Deutsche die Inselbewohner in helle Aufregung, denn für die beiden Dörfer auf Paladiki braucht es kaum mehr als eine kleine Erste Hilfe Station und der Strom kommt über ein Seekabel auf die Insel.

Also muss der deutsche „Kommissar“ hingehalten und abgelenkt werden, während schleunigst eine E-Werk-Attrappe aus dem Hut gezaubert werden muss. Für die Ablenkung ist Panos (Adam Bousdoukos) zuständig, der selbst in Deutschland aufgewachsen ist, auf Paladiki aber seine Wahlheimat gefunden hat.

Es mag ja angehen, dass „Highway to Hellas“ als Roman durchaus unterhaltsam ist, für die Filmversion trifft das nicht zu. Allzu vorhersehbar und auch deutlich zu harmlos, weil ohne tragkräftigen Grundkonflikt angelegt, plätschert die Komödie vor sich hin und leidet auch unter Figuren, die zudem recht oberflächlich gezeichnet sind. Da hilft es auch wenig, wenn sich die Darsteller alle Mühe geben. Vor allem auf Seiten der in ihrer Heimat recht bekannten griechischen Schauspieler wird in „Highway to Hellas“ etliches an Potential verschenkt, denn die Inselbewohner sind wenig mehr als niedliche Klischees.

Die bauernschlauen Griechen

Der Grundgedanke der Komödie mit den Nationalitätenklischees zu spielen, mag wohl gemeint sein und spiegelt sich vor allem in der Figur von Christoph Maria Herbst, der eigentlich nur jobbedingt kontrolliert, die Zeit auf der Insel aber mit zunehmender Dauer genießt. Was auch an der vermeintlichen Freundschaft zu Panos liegt. Die wird im Wendepunkt der Geschichte dann doch noch auf die Probe gestellt, aber auch das ist filmisch absehbar, weil von langer und langatmiger Hand als Pointe vorbereitet.

Es soll eben nicht um arbeitsscheuen Griechen und kontrollwütige Deutsche gehen, sondern die Komödie will zur Völkerverständigung beitragen und im Winter noch einmal für sommerliche Urlaubsstimmung sorgen. Das gelingt „Highway to Hellas“ dann auch mit viel Alkohol, dem mediterranen Ritt auf dem Esel und anderen Harmlosigkeiten.

Die Story vom sanften Tourismus gibt einfach nicht genug her. Da wären bei Finanzkrise, Grexit-Debatten und Flüchtlingsdramen ganz andere dramatische Fallhöhen drin gewesen, die dann auch dazu beigetragen hätten, das aus einer soliden Grundspannung heraus, die Witze knackiger und vor allem mit einem höheren Erzähltempo vorgetragen würden.

So wirkt die deutsche Komödie „Highway to Hellas“ als hätte sie zu lange Ouzo-duselig in der griechischen Sonne gelegen und schleppt sich eher auf der Kriechspur nach Kreta als auf dem „Highway to Hellas“.

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Highway to Hellas
OT: Highway to Hellas
Genre: Komödie
Länge: 88 Minuten, D, 2015
Regie: Aron Lehmann
Vorlage: gleichnamiger Roman von Schimkat/Wolff
Schauspiel: Christoph Maria Herbst, Adam Bousdoukos
FSK: ab 6 Jahrne
Verleih: Warner Bros
Kinostart: 26.11.2015
DVD- & BD-VÖ: 07.04.2016

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