Trouble is my Business: Moderne Kapitalflüsse

Der findige Comic-Verlag Schreiber & Leser hat mal wieder einen Krimi-Klassiker auf die Lesekarte gesetzt. „Trouble is my Business – Gefahr ist mein Geschäft“ ist eine frühe Kurzgeschichte von Raymond Chandler, der den hartgesottenen Detektiv Philip Marlowe erfunden hat. Nun hat ein Trio daraus eine feine Graphic Novel gemacht und erzählt schon ein bisschen eigen. Es geht ausnahmsweise mal nicht los mit einer Femme fatale, die im Büro des Schnüfflers auftaucht.

Denn Szenarist Arvind Ethan David beginnt mit einem Prolog, der den traumatischen Suizid zeigt, den Harriet Huntress im Kindesalter miterleben muss. Jahre später macht die rothaarige Schönheit einem Millionär einigen Stress, denn sie hat es auf seinen spielsüchtigen Sohn und Erben abgesehen. Da wittert der reiche Mister Jeeter gleich eine kriminelle Abzocke, denn Casinobesitzer Marty Estrell hat Schuldscheine vom Filius des Schwerreichen.

Marlowe nun wieder kommt an den Job, die Sache mal zu beleuchten und Harriet auf den Zahn zu fühlen, weil eine Kollegin ihn anheuert. Die Zeiten sind karg und Marlowe macht sich an die Recherche. Selbstredend auf seine Weise. Und es dauert nicht lange, bis er merkt, dass mehr hinter der Sache steckt.

Um es gleich vorweg zu erwähnen, „Gefahr ist mein Geschäft“ ist keine Glanzleistung einer Kurzgeschichte und längst noch nicht so lässig und genredefinierend wie die Marlowe-Romane, die freilich auch nicht alle auf demselben hohen literarischen Niveau handeln. Wie auch immer, ursprünglich erschien „Trouble is my Business“ 1939 als Beitrag zu „Dime Detective“, einem Pulpmagazin, das sich auf Krimis spezialisiert hatte. Später dann in diversen Story-Sammlungen von Chandler.

Was geschah mit Arbogast?

Für die Graphic Novel „Trouble is my Business“ ist es Fluch und Segen zugleich, dass die Story nicht so ikonisch und bekannt ist wie andere Chandler-Werke, die ja zum Teil auch verfilmt wurden. Wobei mir Humphrey Bogart in Howard Hawks‘ „Der große Schlaf“ ebenso lieb ist wie Elliot Gould in Robert Altmans „Der lange Abschied“, und viel unterschiedlicher könnten Kriminalfilme kaum sein. Insofern gelingt dem kreativen Trio, das sich „Trouble is my Business“ vorgenommen hat, durchaus ein kleiner Coup.

Szenarist Arvind Ethan David wertet die Geschichte nicht nur mit dem Prolog auf, sondern auch mit augenzwinkernden Bemerkungen, wie etwa der, dass Marlowes Kollegin für den Job einen Kerl Marke Bogart bräuchte. Auch später gelingt es David immer, die Story aufzubrechen, indem kleine Exkurse wie die Lebensgeschichte des Chauffeurs eingeflochten werden. Das dünnt sich gegen Ende des Albums etwas aus, aber dann hat die Dynamik der Handlung längst übernommen.

Zeichner Ilias Kyriazis gibt seinen Figuren einen leicht cartoonigen Touch mit auf den Weg. Die kurvenreiche Harriet erinnert etwas an die Blondine in „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“, einem kriminalistisch-humorigen Mix aus Zeichen- und Realfilm aus den 1980er Jahren, und selbstverständlich wird viel geraucht. Das ist für die Einbindung der Sprechblasen nicht unerheblich, denn es wird auch viel geredet.

Ein nettes Zimmer. Ein nettes Mädchen. Ein netter Scotch.

Dabei gibt es immer wieder originelle offene Panelstrukturen und knackige Ganzseiter, die das herkömmliche Panelraster aufbrechen. Da geht es sehr dynamisch zur Sache. Etwa im Dialog von Marlowe und Harriet in deren Apartment. Links redet Marlowe als Schattenschnitt mit der rauchenden Schönen im geblümten Kleid, rechts antwortet sie als Blümchentapete, die auch den Seitenrand ziert, dem Detektiv mit den Händen in den Hosentaschen.

Einen letzten ziemlich genialen Schliff bringt Kolorist Cris Peter in die Graphic Novel ein. Seine Farbgebung ist sehr, sehr variabel und reicht von knallbunten Wimmelbildern über fast monochrome Sequenzen hin zu stimmungsvollen Farbfiltern über einzelnen Szenen. Und wie bereits erwähnt, es wird viel geraucht. Meist säuselt sich der Qualm nikotingelb (oder schwefelgelb) in Richtung Zimmerdecke, dann wieder geht die Action eines Fausthiebs in demselben Gelb vonstatten und so wird die Qualmerei zu einem eigenen dynamischen Momentum. Aber das mag jede selbst lesen.

In der Krimi-Klassiker-Adaption „Trouble is my Business“ sind die Illustrationen der Star. Die Storyvorlage von Raymond Chandler hat überschaubaren Charme und Zeitgeist. Die Adaption nimmt sich ihre Freiheiten und gewinnt damit auf ganzer Linie. Aber wirklich toll ist der Look in „Trouble is my Business“. Ohne dabei den Gesamteindruck aus dem Auge zu verlieren, wird hier so versiert, abwechslungsreich und stimmungsvoll illustriert, dass es eine wahre Freude ist.

7 von 10

Trouble is my Business – Gefahr ist mein Geschäft
OT: Trouble is my Business, Prodigal Inc., 2025
Genre: Krimi, Graphic Novel
Vorlage: gleichnamige Story von Raymond Chandler
Autor: Arvind Ethan David
Zeichner: Ilias Kyriazis
Farben: Cris Peter
Übersetzung: Resel Rebiersch
ISBN: 978-3-96582-231-3
Verlag: Schreiber & Leser, Hardcover, 120 Seiten
VÖ: 07.04.2026

Trouble is my business bei S & L

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