Da hat ein passionierter, minder erfolgreicher Musiker schon ein halbes Leben hinter sich, als er eine überraschend nette Bekanntschaft mit einem Star macht. Leider zockt der dann die Songidee und landet einen Hit. Paul Rudd muss in „Power Ballad – Der Song meines Lebens“ gehörig Wind machen, um gehört zu werden. Das ist durchaus eine ansehnliche musikalische Komödie geworden. Zu sehen ab dem 25. Juni 2026 im Kino.
Der amerikanische Rockmusiker Rick Power (Paul Rudd) ist der Liebe wegen in Irland hängen geblieben. Nun ist Tochter Aja (Beth Fallon) in der Pubertät und Rick ist der Gitarrist und Sänger der Hochzeitsband „Bride & Groove“. Nicht jeder versteht den Wortwitz mit Groove statt Groom („Bräutigam“) und immer wieder, wenn es gut läuft, haut Rick noch mal einen eigenen Song raus statt der tanzbaren Hits, die die Partygäste hören wollen – und fegt die Tanzfläche leer. Das führt regelmäßig zu Stress mit dem Bandleader und Schlagzeuger.
Dann werden „Bride & Groove“ für eine Hochzeit gebucht, bei der auch das ehemalige Boyband-Mitglied Danny Wilson (Nick Jonas) als Gast eingeladen ist. Es kommt, wie es kommen muss, und das Brautpaar bittet darum, dass der berühmte Freund einen Song singen darf. Danny stellt sich als musikalisch versiert heraus und singt einfach den nächsten Song auf der Liste. Und das mit so überzeugender Performance, dass man ihm gleich den Job von Rick anbietet.
„The Moon belongs to everyone“
Nun, bei Danny läuft’s gerade nicht so, anders als bei seinen ehemaligen Mitsängern, die alle den nächsten Karrieremove gemacht haben. Spätnachts treffen sich Rick und Danny auf dem Weg zur Nachtruhe und verquatschen sich und machen auch gemeinsam Musik. Und Rick behält den Star als netten Typen in Erinnerung. Zumindest bis er dessen Version von Ricks Ballade „Without You“ im Radio hört.
Es nützt wenig zu behaupten, das wäre Ricks Lied, denn der hat keine Aufnahme und keinen Beweis davon. Dennoch lässt er nicht locker und macht sich auf den Weg nach Los Angeles, um Danny zur Rede zu stellen.
Im Grunde ist „Power Ballad“ eine launige, aber auch recht konventionelle Feel-Good-Komödie mit musikalischem Thema. Das kann Filmemacher John Carney („Sing Street“, „Once“) schon ziemlich gut und es gelingt „Power Ballad“, eine neue Variante zu erzählen. Das funktioniert auf der Prämisse, dass der abgehalfterte Musiker ein glückliches Leben führt und der Jungstar mit seinem Erfolg und dem Druck nicht so recht zufrieden ist. Launigerweise wird Danny von Nick Jonas dargestellt, der tatsächlich Mitglied der Boyband The Jonas Brothers war.
Und Paul Rudd, der weithin als „Ant-Man“ in diversen Marvel-Superheldenfilmen berühmt geworden ist, hat schon immer ein Faible für kleinere Filme und Indie-Movies gehabt. Erinnert jemand „Prince Avalanche“, das amerikanische Remake eines isländischen Films über zwei Kerle, die in der Einöde Straßenmarkierungen auftragen? Aber es gibt auch derbe Musikklischees wie AC/DCs „It’s a Long Way to the Top“, wenn die Band in den Transporter steigt.
The best Things in Life are free.“ (DeSilva, Brown, Henderson)
So launig „Power Ballad“ auch ist, wir müssen über Musik reden. Schon lange kriegen Bands und Künstler, die nicht international erfolgreich sind (was auch immer das gerade ausmacht), keine Locations mehr mit Publikum gefüllt. Die Leute ziehen sich zu Hause lieber Live-Videos rein, als in Clubs zu gehen. Außerdem ist in Zeiten von KI die Plagiatsfrage beziehungsweise die schwer nachweisbare Angelegenheit von Co-Writing in ganz anderen Dimensionen unterwegs, als es „Power Ballad“ thematisiert.
Daher verwundert es vielleicht auch nicht sonderlich, dass ich als älteres Semester, das noch mit goldenen Schallplatten und echten Hardrockern aufgewachsen ist, in der Hochzeitskapelle hinreißend komische Klischees entdecken konnte und in der Aufopferung, die Rick Power für die Musik hinlegt, wahre Hingabe und einen funktionierenden Lebensentwurf entdecken kann.
Junge Leute mögen das völlig anders sehen und abgesehen von Feierlichkeiten mit Unterhaltungsmusik jenseits von Taylor Swift und Co. die alten Kerle für komplett cringe halten, also etwas zum Fremdschämen. So wie Pauls Tochter Aja, die keinen Bock hat, mal wieder als Publikum für Papas Nostalgieausflüge herzuhalten. „Junge Frauen sind kein Weltraumschrott, der darauf wartet, eingesammelt zu werden. Wir warten nicht mehr auf die große Liebe.“ – „Was wollt ihr dann?“ – „Rache!“. So geht trockener Humor.
So ist „Power Ballad – Der Song meines Lebens“ eine launige Komödie für Nostalgiker und solche, die es gerne werden wollen und die es lustig finden, wenn sich Altrocker weinend in den Armen liegen. Sláinte!
7 von 10
Power Ballad – Der Song meines Lebens
OT: Power Ballad
Genre: Komödie, Musikfilm
Länge: 98 Minuten, USA, 2026
Regie: John Carney
Schauspiel: Paul Rudd, Peter McDonald, Nick Jonas
FSK: ab 6 Jahren
Verleih: Leonine
Kinostart: 25.06.2026




