The Death of Robin Hood: Old Man Locksley

Wenn der titelgebende Held zu Filmbeginn noch lebt, kann es ja nur darum gehen, wie die Legendengestalt zu Tode kommt. Filmemacher Michael Sarnoski gelingt eine finstere Neuinterpretation der englischen Sagengestalt. Dass Hollywood-Star Hugh Jackman den alternden Recken spielt, der später seine etwas andere Maid trifft, trägt sehr zum Gelingen der düsteren und dreckigen Robin-Hood-Variante bei. Zu sehen ab dem 18. Juni 2026 im Kino.

Geht’s nur mir so, oder fühlt sich der eine oder andere Comic-Nerd bei der Stimmung und dem ersten Erscheinen von Robin Hood an Mark Millars Klassiker „Old Man Logan“ erinnert? Sicher, das ist etwas völlig anderes, aber dann eben doch nicht, und Hugh Jackman ist und bleibt einfach Wolverine. Dieser Rolle steht das nicht im Weg, aber das Publikum darf es gerne mitassoziieren.

Wie auch immer: Da haust ein zauseliger alter Mann allein in den schottischen Bergen und bekommt Gesellschaft von einer umherirrenden hungrigen Frau. Nachdem man das Lagerfeuer geteilt hat, will sie ihn im Schlaf aus Rache dahinmeucheln. Was misslingt, denn dieser Robin Hood ist kampferprobt und misstrauisch und seit vielen Jahren auf der Flucht vor den Folgen seiner Raubzüge.

Der Winter kommt

Zur Auffrischung für alle, die nicht mit der Legende von Robin Hood groß geworden sind: Der Mann ist historisch nicht belegt, und überlieferte mittelalterliche Gesänge und Geschichten erzählen von einem Räuber, der mit seiner Bande zu Zeiten von Richard Löwenherz den Sherwood Forest bei Nottingham unsicher gemacht hat. Guy von Gisbourne, der Sheriff jenes nordenglischen Städtchens, versucht vergeblich, des Halunken habhaft zu werden. Aber nix da, ständig hat der zielsichere Bogenschütze die Nase vorn.

Über die Jahrhunderte wandelte sich die Mär vom Räuber zu einer sozialromantischen Erzählung über eine Bande Strauchdiebe, die die Reichen bestehlen, um den Armen zu helfen. Seit Beginn der Filmgeschichte sind auch Abenteuer von Robin Hood verfilmt worden. Unter anderem mit Errol Flynn und Kevin Costner. Taron Egerton durfte den Bogenschützen jugendlich-poppig verkörpern, Sean Connery fand Robins spätes Liebesglück mit Lady Marianne und Russell Crowe wurde von Ridley Scott direkt als sozialistischer Revolutionär losgeschickt, um in Britannien die Klassengesellschaft abzubrennen.

Nun also Hugh Jackman als verbitterter, brutaler Räuber, der aus bloßem Trotz noch weiter durch die Gegend zieht. Als dann sein alter Kumpel Little John (Bill Skarsgård) auftaucht und ein letztes Gefecht einfordert, wird es in „The Death of Robin Hood“ nicht nur düster und kalt, sondern dreckig und explizit gewalttätig. Michael Sarnoski sagt dazu, im finsteren Mittelalter haben sich die Bauern gegenseitig die Köpfe eingeschlagen – und genau das geschieht, wenn Robin und Little John dessen erschlichenes Bauernleben zurückerobern wollen. Klappt leider nicht.

Mein Kloster ist meine Burg

John lässt Robin am Ufer eines barmherzigen Klosters zurück und die Priorin Brigid (Jodie Comer) nimmt sich des fast toten Unbekannten an. Mit der Ankunft im Kloster verändert der Film radikal seine Erzählhaltung. Er schwenkt von derber Brutalität zu ruhiger Einkehr und stiller Genesung. Doch spannend bleibt es dennoch, denn der Strauchdieb ist auf der Hut und weiß, dass er früher oder später gefunden werden wird.

Früher von Johns Tochter, die sich nach dessen Tod ins Kloster flüchtet und hier ausgerechnet den brutalen Robin als Ersatzvater auswählt, und später von einem jungen Mann, der sich als harmloser Junge ausgibt, aber bei dem Massaker, das John und Robin auf dem Hof angerichtet haben, fast die gesamte Familie verloren hat. Und so beobachtet der leprakranke Gärtner und Fährmann den absurden Waffenstillstand mit gebotener Skepsis und Sorge um die Priorin, die ihre Profession erst fand, nachdem sie einen schweren Verlust erleiden musste. Das Publikum wird sehen, wohin es den Marodeur und die Nonne führt.

Im Grunde gelingt Filmemacher Michael Sarnoski („Pig“, „A Quiet Place: Day One“) für das Genre des mittelalterlichen Abenteuers das, was Robert Eggers mit „The Northman“ für Shakespeare-Verfilmungen gelang und Andrew Dominik mit „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ geschafft hat. Eine furchtlose Entmystifizierung, die der Legende trotzdem huldigt. Und Hugh Jackman und Jodie Comer sind großartig in „The Death of Robin Hood“.

8 von 10

The Death of Robin Hood
OT: The Death of Robin Hood
Genre: Drama,
Länge: 123 Minuten, USA, 2026
Regie: Michael Sarnoski
Schauspiel: Hugh Jackman, Noah Jupe, Jodie Comer
FSK: ab 16 Jahren
Verleih: DCM
Kinostart: 18.06.2026

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