Die aktuelle Weltlage schlägt mir nicht erst seit gestern auf den Magen. Daher präsentiert brutstatt.de in loser Folge Filmreviews aus dem Archiv, die sich unter dem Motto #WeltImKrieg mit Konflikten und ihren Folgen beschäftigen. Heute mit Angelina Jolies Regiedeüt „‘‘In the Land of Blood and Honey“ von 2012, das während des Bosnienkrieges angesiedelt ist. Der Text entstand zum Home-Entertainment-Start.
Als Hollywoodstar Angelina Jolie mit „In the Land of Blood and Honey“ ihr Regiedebut gab, erhielt das Drama, das im Bosnienkrieg spielt, erstaunlich viel Aufmerksamkeit. Vor allem, weil sich Jolie eine ambitionierte Geschichte vorgenommen hat. Nach der Auflösung des sozialistischen Staates Jugoslawien zerfiel das Gebilde in unterschiedliche Staaten. In Bosnien, wo muslimische Bosniaken, katholische Kroaten und orthodoxe Serben zusammenleben entbrannte bald darauf ein Krieg, der von ethischen Säuberungen und Gräueltaten begleitet wurde und der zu den unrühmlichsten Episoden der jüngsten europäischen Geschichte zählt.
Die muslimische Künstlerin Ajla (Zana Marjanovic) und der serbische Polizist Danijel (Goran Kostic) sind gerade erst ein Paar geworden, als der Krieg sie einholt. Bei einem Tanzabend gibt es ein Bombenattentat. Woraufhin sich die beiden aus den Augen verlieren. Monate später wird Ajla von serbischen Truppen interniert und zufällig ist Danijel einer der Hauptleute. Er versucht seine Liebe zu schützen, indem er sie als sein Eigentum beansprucht und ihr die Flucht nahelegt, weil er versetzt wird.
Die Muslima und der Serbe
Später dann hat sich Ajla muslimischen Partisanen angeschlossen und lässt sich wieder von den Serben gefangen nehmen, Danijel will sie als seine persönliche Malerin. Doch die Romanze bleibt nicht geheim und Danijels Vater (Rade Serbedzija), serbischer Kommandant und verbohrter Nationalist mischt sich ein.
Angelina Jolie, die Regie führte und auch das Drehbuch schrieb, erzählt die Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des Krieges mit einheimischen Darstellern, die in ihrem Land zwar Stars sind, international aber, mit Ausnahme von Rade Serbedzija unbekannt. So liegt der Fokus des Film ganz auf dem Inhalt und Die Geschichte, bei denen, denen sie gehört.
Die Gratwanderung zwischen realistischer Kriegsschilderung und der Liebesgeschichte ist höchst ambitioniert. Tatsächlich verkommt der Bosnienkrieg keineswegs nur zur Kulisse, doch „In the Land of Blood and Honey“ hat trotz des Dramas seine filmischen Schwächen. Die liegen vornehmlich in der Liebesgeschichte zwischen Ajla und Daniel, die viele Shakespeare-hafte Elemente beinhaltet und oftmals statisch und theatralisch wirkt.
Liebe und Macht
Vor allem aber kommt die Spannung zwischen der Muslima und dem Serben eher zur Geltung als die Liebe zwischen Ajla und Daniel. Der Zuschauer kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die ungleichen Machtverhältnisse keine wahre Liebe dulden und es zwischen der Künstlerin und dem Soldaten eher um erotische Spannung geht. Insofern ist einer der dramatischen Grundpfeiler wenig überzeugend.

Formal ist „In the Land of Blood and Honey“ mehr als ansehnlich, die Szenen sind zum Teil großartig und eindringlich gefilmt und die Schauspieler liefern sehenswerte Darstellungen. Allein die über fünf Jahre gehende Handlung wirkt durch mehrere Zeitsprünge ebenso zusammenhanglos wie die Szenenfolge. Der Spannungsbogen der Erzählung kann nicht durchgängig unterhalten.
Für „In the Land of Blood an d Honey“ gab es diverse Preise um das humanistische Engagement zu würdigen. Der Film war sogar als bester fremdsprachiger Film für den Golden Globe nominiert, doch im direkten Vergleich mit etwa „The Whistleblower“ der einige Monate vorher erschien und sich dem Bosnienkrieg aus der Perspektive einer Peacekeeperin nähert, fällt Angelina Jolies Regiedebüt, vor allem wegen der Lovestory deutlich ab.
„In the Land of Blood an Honey“ ist ein ambitionierter Film, der versucht eine Zeitlose Liebesgeschichte mit dem Kriegsgreuel des Bosienkrieges zu verknüpfen. Das gelingt nicht immer und so bleibt ein Drama, das zwar seine starken Momente hat und sehenswert gefilmt ist, aber auch deutliche Längen aufweist.
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In The Land of Blood and Honey
OT: In the Land of Blood and Honey
Genre: Drama
Länge: USA, 2011, 127 Minuten,
Regie: Angelina Jolie
Schauspiel: Zana Marjanovic, Rade Serbedzija, Goran Kostic
FSK: ab 16 Jahren
Verleih: Leonine
Kinostart: 23.02.2012
DVD- & BD-VÖ: 21.09.2012




