Ökohorror ist ein recht zeitgemäßes Genre, auch und gerade, weil Klimaschutz und Raubbau an unserer Lebensgrundlage enormen Handlungsbedarf erforden. Die Schauspielerin Jamie Lee Curtis hat zusammen mit Russell Goldman und Illustrator Karl Stevens eine Graphic Novel veröffentlicht. „Mother Nature“ erschien Anfang Februar bei Panini Comics.
Ausgerechnet auf dem Gebiet einer stillgelegten Cobalt-Mine nahe der Stadt Catch Creek im Südosten der USA will die Firma Cobalt Industries nun Erdöl fördern. Doch bei der Einweihung des ersten Förderturms kommt es zu einem tragischen Unfall. Ein Mitarbeiter stirbt. Seine Tochter Nova Terrell muss mitansehen, wie ihr Vater von einem Maschinenteil enthauptet wird.
Jahre später kommt die renitente Nova mal aus dem Gefängnis und hat bereits einen neuen Anschlag auf Cobalt Industries geplant. Doch der Konzern hat sich verändert und die nun verantwortliche Cynthia Butterfield hat sich ganz dem Nature-Projekt verschreiben. Die Ingenieurin Nancy Denton hat ein Lösungsmittel entwickelt, das das Trinkwasser wieder reinigen soll. Die Natur soll sich wieder regenerieren können.
Doch wie auch Novas Mutter hat Nancy Probleme mit ihrer heranwachsenden Tochter Riley. Die hat gerade eine Beziehung mit Sarah angefangen, sich aber auch an der Uni in Stanford eingeschrieben, was Sarah nicht weiß. Als diese davon erfährt verschwindet sie spurlos, ebenso wie auch Nova Terrell. Und während man die beiden Mädchen sucht, kommt es in Catch Creek zu seltsamen, leuchtenden Phänomenen und technischen Störungen.
In den Interviews, die der Graphic Novel „Mother Nature“ beigefügt sind, wird erwähnt, dass der Comic auf einer Filmidee basiert, die Jamie Lee Curtis mitentwickelt hat. Möglicherweise rührt daher die optische Ähnlichkeit der Schauspielerin mit Cynthia Butterfield. Jedenfalls machten Curtis und Assistent Russel Goldman daraus ein Script, dass der Illustrator Karl Stevens in eine Bildgeschichte fügte. Stevens verfasst sonst auch selbst Graphic Novels und Comic Strips für Tageszeitungen.
Von der Filmidee zum Comic
„Mother Nature“ beginnt wie viele klassische Thriller mit einem zurückliegenden Prolog, der die Dinge ins Laufgen bringt. Nach einem Zeitsprung werden die handelnden Personen dann wieder mit dem Phänomen konfrontiert. So weit, so genreüblich. Auch die vermeintliche Gier der Konzerne und Machthaber ist spätestens seit „Der weiße Hai“ als Motiv für das in Kauf nehmen einer Gefährdungslage hinlänglich bekannt. Ebenso wie auch in „Poltergeist“ die Ruhe der indigenen Ahnen gestört wurde.
„Mother Nature“ mischt diese Motive zu einer soliden Erzählung, die auf den Schultern von Frauen erzählt wird. Das hat durchaus ein emanzipatorisches Momentum und einige anrührende Mutter-Tochter-Momente. Allerdings hadere ich arg mit dem Erzählfluss in der Graphic Novel, auch und vor allem, weil ein Comic eben nicht wie ein Film funktioniert und kein Score die Spannung intoniert.
Die Autor:innen haben darauf verzichtet, erläuternde Textboxen zu verwenden und vertrauen darauf, dass die Macht der Bilder schon genug Infos und Orientierung bieten werden. Aber bereits nach dem ersten Einschlag kommt es zu verwirrenden Vorkommnissen, zu Orts- und /Oder Ebenenwechseln und einem Zeitsprung der ganz andere Charaktere einführt. In einem Film wäre das im Sinne von Suspense stimmiger, doch auf den Seiten braucht es ein wenig, um sich in das Szenario einzufinden.
Gaia und das Paradies
Doch auch später wird häufig darauf vertraut, dass es ausreicht zu zeigen, was gerade seltsames abgeht, ohne dass daraus tatsächlich mehr Verständnis erwachsen würde.
Es mag sein, dass der visuell eigenständige und aquarellierende Stil von Karl Stevens für das Genre etwas zu nüchtern und realistisch wirkt. Gäbe es mehr Soundeffekte und mehr Actionpanels wäre die erzielte Wirkung deutlich effektiver.
Doch „Mother Nature“ zielt auf den hintersinnigen Schauer, die Einbeziehung der indigenen Traditionen und Elemente und auf die Verknüpfung mehrerer Ressourcen zerstörender Techniken, die sich zu einem katastrophalen Szenario verknüpfen. Gerade in den Action-Sequenzen, etwa wenn jemand unter der Dusche verbrennt, oder wenn es tödliche Hagelkörner regnet, kommt der zeichnerische Stil von Karl Stevens an seine Grenzen.
„Mother Nature“ ist eine solide Erzählung über den Missbrauch der Ressourcen und die Missachtung der indigenen Lebensweise. Es ist auch eine Erzählung über Mütter und Töchter. Nun geben die Erdgeister nicht eher Ruhe als bis sie ihre Rache haben.
6/10
Mother Nature – Die Rache der Erdgeister!
OT: Mother Nature, Titan Press, 2023
Genre: Graphic Novel, Umwelt, Horror
Autoren: Jamie Lee Curtis & Russel Goldman
Illustrationen: Karl Stevens
Übersetzung: Sandra Kenthof
ISBN: 9783741638275
Verlag: Panini Comics, Hardcover, 184 Seiten
VÖ: 03.02.2026





