Das geheime Stockwerk: Ausstieg Deutschland 1938

Ambitionierte Filme für ein junges Publikum zu machen, ist nicht einfach. Nun bringt „Das geheime Stockwerk“ der heutigen Jugend das Leben im Nazideutschland ein wenig näher. Und zwar als Zeitreise-Abenteuer mit einem kriminalistischen Rätsel. Der Spielfilm von Norbert Lechner kommt im Farbfilm Verleih am 12. März 2026 ins Kino.

Karli (Silas John) hatte sich von den Sommerferien mehr erwartet. Nun sitzt der 12Jährige mit seinen Eltern in einem alten Hotel in der bayrischen Provinz fest. Die Eltern wollen das Hotel nach einer Renovierung wieder eröffnen und Karli darf sich bei den Arbeiten gerne einbringen.

Eher zufällig drückt er im Lastenaufzug zwei Tasten gleichzeitig und steigt an einem unbekannten Ort aus. Wie sich herausstellt, ist Karli im selben Hotel, aber im Jahre 1938 gelandet. Seinerzeit ist ist das ehrwürdige Etablissement in voller Blüte. Und der moderne Junge wirkt wie ein Fremdkörper. Dennoch freundet er sich mit dem gleichaltrigen Mädchen Hannah (Annika Benzin) an.

Hannah ist mit ihrem Vater hier in den Ferien, doch der ist immerzu beschäftigt. Daher freut sie sich, wenn Barpianist Bruno (Tobisa Resch) ein Lied für sie spielt. Auch mit dem Schuhputzjungen Georg (Maximilian Reinwald) hat sie sich ein bisschen angefreundet. Doch da sind noch Hermann und Heinrich, die beiden Söhne eines überzeugten Nazis, die stets auf de Lauer liegen um ihrem Vater was zu petzen. Und der kann Juden nicht leiden. Also haben die Jungs Hannah und ihren Vater auf dem Kieker.

Ein flacher Kasten für Fernsprecher, Fotoapparat und Lexikon

Dann aber wird Lukas wegen vermeintlichen Diebstahls zum Tellerwäscher verbannt. In seiner Werkzeugtasche hat sich ein Bündel Geld gefunden. Außer Hannah und Karli glaubt ihm niemand, dass er nicht weiß, woher das Geld stammt. Und so machen sich die drei Detektive auf die Suche nach Erklärungen und nach den wahren Dieb.

Bei einer Kriminalermittlung mit jugendlichen Detektiven ist das Publikum schnell mit Referenzen zur Hand und so wündet es nicht, dass einem Erich Kästners Kinderbuchklassiker „Emil und die Detektive“ (1929) in den Sinn kommt, oder auch Astrid Lindgrens „Kalle Blomquist“ (1946). Tatsächlich läuft die Aufklärung des Verbrechens aber auch darauf hinaus, die Lebensumstände im deutschen Reich in Jahr 1938 besser zu veranschaulichen.

„Das geheime Stockwerk“ ist durchaus ambitioniert, weil es junge Schulkinder anspricht und mit Themen konfrontiert, die so noch nicht unbedingt im Schulunterricht behandelt wurden.Nationalsozialismus und Judenverfolgung. Dabei kommen durchaus Aspekte zum Tragen, die es einzuordnen gilt. Und wenn die Familie von Hermann und Heinrich das „Horst Wessel“-Lied anstimmt auch um den Barpianisten Bruno zu beleidigen, weiß das junge Publikum ja nicht, dass das Lied heutzutage verboten ist. Und auch die Judenverfolgung mit ihren tödlichen Konsequenzen wird auf recht einfühlsame Weise erläutert.

Ein verhängnisvolles Bündel Geldscheine

Zum Glück gibt es ausführliches Schulmaterial zum Film, das an dieser Stelle ausdrücklich gelobt wird. Nicht nur werden die Zeit vor dem Krieg und die Situation der Juden und Minderheiten im Dritten Reich dargelegt, sondern auch Aspekte der Filmkunst und zur Zeitreisethematik und so weiter.

Sehr gelungen an dem spannenden und lehrreichen Jugendfilm ist der Aspekt, tatsächlich einen Jungen aus unserer Zeit in die Vergangenheit zu verfrachten. So haben die modernen Kinder eine Identifikationsfigur, mit der sie auf Abenteuer gehen können. Und mit den beiden Freunden und den Gegenspielern in der alten Zeit entwickelt sich sowohl eine Kindgerechte Dynamik als auch ein einfühlsames exemplarisches Erleben der damaligen Umstände. Tatsächlich hat sich die Produktion auch nicht lumpen lassen und das Grand Hotel ist detailfreudig ausgestattet und wirkt auch ein bisschen verschroben wie seinerzeit Wes Andersons „Grand Hotel Budapest“, hier im Bayrischen Land.

„Das geheime Stockwerk“ schafft es mit einer coolen Zeitreise-Idee und ein bisschen Krimihandlung ein junges und älteres Publikum in eine Zeit zu versetzen, als es für viele Menschen sehr gefährlich war in Deutschland zu leben. Das ist bei einem schwierigen Thema klug und unterhaltsam zugleich.

Das geheime Stockwerk
OT: Das geheime Stockwerk
Genre: Jugendfilm, Geschichte, Fantasy,
Länge: 95 Minuten, D/AUT, 2025
Regie: Norbert Lechner
Schauspiel: Silas John, Maximilian Reinwald, Annika Benzin
FSK: Ab 6 Jahren
Verleih: Farbfilm
Kinostart: 12.03.2026

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