Ein Blick hinter die Kulissen lohnt sich für Interessierte immer. Nun hat die opernbegeisterte französische Regisseurin Anissa Bonnefont für eine Premierenproduktion bei der weltberühmten Mailänder Scala Mäuschen gespielt und die Planungen und Vorbereitungen für Verdis „La forza del destino“ (Die Macht des Schicksals) beobachtet. Die Doku kommt am 18.12.2025 hierzulande in die Kinos.
In Mailand ist der 7. Dezember in jedem Jahr ein besonderes Ereignis. Dann nämlich präsentiert das Opernhaus die Premiere einer neuen Aufführung. „La Scala“ ist altehrwürdig und weltberühmt und gilt als eines der renommiertesten Opernhäuser der Welt. Im Dezember 2024 wurde „Die Macht des Schicksals“ nach Guiseppe Verdi aufgeführt. Das Haus hat auch eine Geschichte mit dem 1862 uraufgeführten Stück, denn das Libretto wurde nachträglich umgeschrieben und jene Version 1869 im Mailand erstmals aufgeführt.
Nun nähert sich Regisseur und Dramaturg Leo Muscato der Verdi-Oper mit neuem Schwung und Starbesetzung. Die musikalische Leitung übernimmt wie immer an der Scala deren Musikdirektor Ricardo Chailly. Doch bis es zur von der Polizei gesicherten und öffentlich übertragenen Premiere kommt ist es ein weiter Weg. Genau den begleitet die sehenswerte Doku der französischen Filmmacherin Anissa Bonnefont.
Der Doku geht es weniger um das starbesetzte Spektakel, in dem unter anderem Anna Netrebko und Brian Jagde singen, sondern vielmehr um die Umsetzung von einer Idee über die unterschiedlichen Gewerke bis hin zum Premierenabend. Da gilt es Regie-Entscheidungen umzusetzten, eine zeitliche und räumliche Verortung für die Opernhandlung zu finden. Es gilt ein ebenso stimmiges wie originelles und dennoch auf der Bühne gut einsetzbares Szenario zu kreieren.
Leonora und Alvaro
Selbstredend sind auch Kostüme zu entwerfen, Effekte und Beleuchtung einzubauen und abzustimmen und nicht zuletzt muss die Musik geprobt werden. Außerdem wäre da noch die Geburtsszene, die katholische Sittenwächter auf den Plan bringt und voraussichtlich zu öffentlicher Empörung führen wird. Möglicherweise lässt sich da ein alternative Darstellung finden?
Tatsächlich scheint die Spielzeit der Doku wie im Flug zu vergehen. Was auch daran liegt, dass die Dreharbeiten 80 Tage vor der Premiere einsetzen. Von diesem Zeitpunkt an, werden die Zwischenschritte in einer Art Countdown präsentiert. Das erzeugt schon einen gewissen Erfolgsdruck, der sich auch auf das Publikum überträgt.
In Zeiten des Krieges
Spannend ist der hinreißend direkte und sehr nah gefilmte Blick hinter die Kulisse des Kulturbetriebs wohl vor allem für solches Publikum, das der angepeilten Aufführung, also der Oper, etwas abgewinnen kann. Nicht, dass kein Mehrwert für „fachfremdes“ Publikum enthalten wäre, aber üblicher Weise scheiden sich die Geister gerade an der Frage: Oper oder nicht?
Toll zu beobachten ist das Ineinandergreifen und koordinieren der einzelnen Gewerke und die immer wieder stattfindenen Treffen zur Entscheidungsfindung. Da wird der Entwicklungsprozess konstant angepasst und der fachliche Austausch geht erstaunlich sachlich vonstatten. Es scheint, als wäre Dramaturg Leo Muscato ein umsichtiger Impressario, der weiß, dass er ohne sein hervoragendes Team nichts wäre. Am Ende steht eine erfolgreiche Premiere und die Gewissheit, dass Oper auch ganz großes Kino ist.
Die Doku „La Scala – Die Macht des Schicksals“ zeigt die Entstehung einer Opernaufführung in einem der renommiertesten Opernhäuser der Welt. Dabei sind die Stars nur schmückendes Beiwerk und die Arbeiten im Hintergrund rücken in den Fokus. Das ist lebendig gefilmt und respektvoll inszeniert und sehr packend anzuschauen.
La Scala – Die Macht des Schicksals
OT: La Scala – La Force du Destin
Genre: Doku, Musik
Länge: 92 Minuten, F, 2025
Regie: Anissa Bonnefont
Mitwirkende: Leo Muscato, Anna Netrebko, Brian Jagde, Riccardo Chailly,
FSK: Ohne Altersbeschränkung, ab 0 Jahren
Verleih: Neue Visionen
Kinostart: 18.12.2025
Die Macht des Schicksals bei Wikipedia




