In nicht allzu ferner Zukunft ist Fernsehunterhaltung alles, was die Menschen von ihrer wirtschaftlichen Not ablenkt. Eine Game-Show auf Leben und Tod verspricht den Kandidat:innen Reichtum und einen Ausweg aus dem Elend. „The Running Man“ ist eine gnadenlose Hetzjagd. Nach dem gleichnamigen Roman von Stephen King aka Richard Bachman. Zu sehen im Kino ab dem 13. November 2025.
Ben Richards (Glen Powell) ist gerade seien Job im Stahlwerk losgeworden und seine kleine Tochter braucht dringend Grippe-Medikamente. Doch alles Flehen beim Vorgesetzten hilft nichts. Ben wurde als Querulant gefeuert, weil er von Gewerkschaft geredet hat. Nun hat seine Frau Cathy (Alyssa Benn) bereits zwei Jobs und die Kohle reicht trotzdem nicht.
Kurzentschlossen bewirbt sich Ben beim TV-Sender als Kandidat für eine der zahlreichen Game-Shows. Doch beim Casting wird er ausgerechnet für „The Running Man“ ausgesucht. Zwar hat Ben Cathy versprochen, da nicht mitzumachen, aber Sender-Boss Dan Killian (Josh Brolin) weiß Ben geschickt zu überreden.
„But See, it’s only entertainment.
Und so findet sich der wütende Ben Richards als einer von drei Kandidaten für „The Running Man“ wieder. In der Show müssen die Kanditaten 30 Tage in der Gesellschaft überleben. Sie werden von einer Gruppe Jäger verfolgt, die von dem maskierten Evan McCone (Lee Pace) angeführt. Die Kandidaten bekommen 12 Stunden Vorsprung und etwas Geld. Dann beginnt die Jagd und alle Bürger:innen können mitmachen und Hinweise an den Sender und die Jäger weitergeben. Die werden gut belohnt. Werden die Kandidaten von den Jägern gefasst, werden sie getötet. Ben merkt schnell, dass sein Überlebensplan nicht funktioniert und es ohne Hilfe nicht geht.
„The Running Man“ beginnt mit viel Tempo und einem flotten Soundtrack. So wird der krasse Gegensatz zwischen der herabgewirtschafteten Gesellschaft und der eingefriedeten und prosperierenden Sender-Stadtteil fast ein bisschen plakativ ausgestellt. Ohne Gesundheitssystem und mit vielen gesellschaftlichen Problemen hat die Bevölkerung wenig Hoffnung auf ein besseres, oder überhaupt ein gutes Leben.
Superficial urgency, posterboard mentality
Das Network sorgt mit seinen Reality-Soaps und den menschenverachtenden Spiel-Shows für allgegenwärtige Unterhaltung und somit für ein ruhigstellen der Bevölkerung. Dabei hat der Sender längst soviel Macht und Einfluss, dass er praktisch die Gesellschaft regiert. Ganz oben der manipulative Dan Killian, der für seine Mission Unterhaltungs-Fernsehen beinahe alles Opfern würde.
Damit muss sich nun der einsame Held unter andauernder Todesgefahr herumschlagen. Ben Richards stellt sich schnell als fürsorglicher, sozialer Mann heraus und im Laufe seiner fliegen ihm durchaus auch Sympathien entgegen. Denn es brodelt in den USA und Richards verspricht einen Funken Hoffnung auf Widerstand und Veränderung.
Only entertainment
Im Laufe des Film bleibt das Tempo zwar adrenalingeladen hoch, aber der anfängliche sozialkritische Impuls wird zu klassischem Actionkino. Das ist aufwendig bebildert und flott geschnitten, wirkt aber auch ein bisschen Genretypisch. Anders beispielsweise als einige frühere Filme von Regisseur Edgar Wright („Shaun of the Dead“, „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“, „Baby Driver“). Häufig genug konnte Wright seinen Actionern einen eigenen Touch verpassen und mit Witz gegen die Genre-Klischees glänzen. Das ist in „The Running Man“ vor allem am Filmanfang zu sehen.
„The Running Man“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Stephen King, den er ebenso wie „Todesmarsch“ unter dem Pseudonym Richard Bachman schrieb und 1982 veröffentlichte. Die deutsche Übersetzung erschien seinerzeit unter dem Titel „Menschenjagd“. Verfilmt wurde „The Running Man“ bereits fünf Jahre später von Paul- Michael Glaser ( dem Starsky aus „Starsky & Hutch“) mit Arnold Schwarzenegger als Ben Richards.
tightly constrained, the buzz that remains
Allerdings verwarf der Film viele Elemente der Romanhandlung und fokussierte sich in klassischer achtziger Art und Weise auf die Action. Auch Edgar Wright verlässt sich auf die Leinwandpräsenz seinen Running Man Glen Powell, bleibt aber in seiner Erzählung viel näher an der Romanvorlage. Das ist durchaus gelungen und das Publikum sollte nicht vergessen, dass King als Bachmann vor allem knackige Thriller geschrieben hat.
(Bad Religion „Only Entertainment“)
Mensch mag in dem dystopischen Setting von „The Running Man“ nach Anspielungen und Kritik am gegenwärtigen Amerika unter Präsident Trump suchen, aber so einfach macht es einem der Film nicht. Es sei denn, mensch mag in der Frisur der verwirrten Mutter des linken Widerständlers Elton Perrakis (Michael Cera, „Juno“, „Barbie“) eine Ähnlichkeit mit dem aktuellen US-Präsidenten sehen.
Ansonsten braucht das Publikum gar nicht so weit in die Zukunft zu blicken. Schon seit Jahrzehnten dient das Fernsehen dazu, die Menschen auch von ihrem Leben abzulenken. Dschungel-Challenges oder Wohngemeinschafts-Experimente sind längst vorhandene TV-Formate. Mit der universellen Verfügbarkeit des Internet und der Dauerpräsenz der Social Media sind längst Zustände der Berieselung und Überwachung erreicht und möglich, die George Orwells „1984“ weit in den Schatten stellen. Die Künstliche Intelligenz scheint gerade ihren Teil dazu zutun. Im Grunde mögen wir schon längst potentielle Kandidaten für die „Menschenjagd“ sein. Aber Edgar Wrigths Film bleibt letztlich Unterhaltung.
Es scheint als hätte Autor Stephen King gerade ein Leinwand-Revival. Nach „Life of Chuck“ und „The Long Walk“ kommt mit „The Running Man“ die dritte Verfilmung innerhalb kurzer Zeit in die Kinos. Edgar Wright gelingt mit Glen Powell in der Hauptrolle eine temporeiche und actiongeladene Neuverfilmung, die auch noch wesentlich näher an der Romanvorlage ist. Das hat seine sehr packenden Momente und ist ziemlich kurzweilig ausgefallen.

The Running Man
OT: The Runnning Man
Genre: Action, Sciene-Fiction
Länge: 133 Minuten, USA, 2025
Regie: Edgar Wright
Vorlage: Gleichnamiger Roman von Stephen King aka Richard Bachman.
Schauspiel: Glen Powell,Lee Pace, Michael Cera, Josh Brolin,
FSK: ab 16 Jahren
Verleih: Paramount Pictures
Kinostart: 13.11.2025




