Aus der leidenschaftlichen Liebe zwischen Grace und Jackson wird schnell das große Leiden der Grace. Mit intensiv aufspielenden Hauptdarstellern exerziert Filmmacherin Lynne Ramsey das Psychogramm einer Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs. Das ist intensives Kino und eine „immersive“ Erfahrung wie der Verleih so sinnig. Nach dem hochgelobten Roman-Erstling von Ariana Harwicz, im Kino ab dem 13. November 2025.
Da steht ein verlassene Haus in der Landschaft. Scheinbar fernab von Nachbarn und in der Nähe eines Wäldchens. Während die Standkamera die Räumlichkeiten mit unterschiedlichen Blickwinkeln in ihrer Leere zeigt nähert sich das Leben in Form von Geräusch. Grace (Jennifer Lawrence) und Jackson (Robert Pattinson) kommen mit dem Auto an. Er hat das Haus von seinem Onkel geerbt. Der hat sich hier ungebracht.
Nun wollen Grace und Jackson hier eine Familie gründen und sie will einen Roman schreiben. In der Hitze des Süstaaten-Sommers bekommen die beiden ein Kind und Jackson muss bald wieder arbeiten fahren. Dann ist er lange Tage fort von zuhause.
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Grace nun wieder kommt schwerlich klar mit der Einsamkeit, mit der neuen Umgebung, mit ihrer Schreiberei und auch nicht so recht mit ihrer Mutterschaft. Jacksons Eltern wohnen nicht weit entfernt. Vater Harry (Nick Nolte) ist dement und Mutter Pam (Sisy Spacek) versucht die Oberhand zu behalten. Sie sorgt sich um die Schwiegertochter. Wandelt aber auch selbst im Schlaf umher, mit einer Flinte bewaffnet.
Grace Stimmung wird immer unberechenbarer und ihre Eifersucht, ihre Gewalt- und Sex-Ausbrüche verstören Jackson, ihre Gleichgültigkeit irritiert die Freunde und das Baby macht die Sache nicht einfacher.
Die schottische Filmmacherin Lynne Ramsey („We Need to Talk About Kevin“, „You were Never Really Here“ aka „A Beautiful Day“) ist bekannt für intensives Kino und fordernde Filme. „Die My Love“ reiht sich nahtlos in das bisherige psychologisch anspruchsvolle Filmemachen ein. Obwohl das Filmprojekt der Regisseurin von Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence angetragen worden sein soll.
Dennoch sind die künstlerischen Entscheidungen extrem und sehr auf Grace im Zentrum des Films zugeschnitten. Zwar kann Robert Pattinson („Cosmopolis“) darstellerisch durchaus gegenhalten, aber der schiere Furor, mit dem Jennifer Lawrence („Silver Linings“) die Leinwand füllt, ist schon eine Tour de Force. Und zum Finale liefert Lynne Ramsey höchstselbst eine fantastische Cover-Version von Joy Divisons „Love will Tear Us Apart“.
Das erste Jahr
Es dauert eine Weile, bis ich mit einen Reim darauf machen konnte, was sich hier abspielt und woher Graces Stimmungen und Zustände wohl rühren mögen, aber da mag sich jede:r selbst einen Reim drauf machen. Im Grunde aber ist „Die My Love“ schon ein krasser Frauenfilm. Allerdings inszeniert wie ein Thriller und mit einer gehörigen Portion Mystery, die Grace umgibt.
Ohne den Roman der argentinischen Schriftstellerin Ariana Harwicz zu kennen, ist doch bekannt, dass dieser auf dem Land in Frankreich spielt. Möglicherweise ist auch die Art der amerikanisch hinterwäldlerischen Interpretation sehr frei nach der Vorlage ausgefallen. Mich erinnerte das Milieu bisweilen schon an jenes von Debora Granics „Winter’s Bone“, mit dem die junge Jennifer Lawrence ihre erste Oscar Nominierung feierte. Aber das mag auch einfach zu tief in die brennenden Wälder geschaut sein.
Sorry, dieser psychische Grenzerfahrung (weiblicher) Befindlichkeiten mag ich in der Form nicht in alle Winkel folgen. Das liegt weniger daran, das Thema nicht nachvollziehen zu können. Auch mangelt es nicht an Empathie. Vielmehr kommt mir diese hyperintensive Form der Selbstwahrnehmung und Innenansicht zu übersteigert vor. Die filmischen Ausdrucksmittel sind clever, legitim und wuchtig. Dennoch ist mir ist das Ausloten innerer Zustände in Filmlänge dann doch zu selbstzerstörerisch und zu redundant.
Die My Love
OT: Die My Love
Genre. Psychodrama,
Länge: 118 Minuten, USA, 2025
Regie: Lynne Ramsey
Vorlage: Roman „Mátate, Amor“ (2012) von Ariana Harwicz.
Deutsch: Stirb doch, Liebling im C. H. Beck Verlag, Neuauflage zum Filmstart „Die My Darling“ (2025)
Schauspiel: Jennifer Lawrence, Sissy Spacek, Nick Nolte, Robert Pattinson
FSK: ab 16 Jahren
Verleih: Mubi
Kinostart: 13.11.2025




