Heaven Stood Still: Musik und Leben des Willy DeVille

Es gibt in der Geschichte der Rockmusik wenige Künstler die so flamboyant waren wie Willy DeVille. Der umtriebige Musiker und charismatische Sänger blickte auf eine lange und erfolgreiche Karriere zurück als er 2009 an Bauchspeicheldrüsenkrebs starb. Ab dem 31. Oktober 2024 bringt der Arsenal Filmverleih eine Doku über Willy DeVille in die Kinos. Filmmacher Larry Locke ist ein alter Doku-Hase und hat einen unterhaltsamen Abriss von DeVilles Karriere zusammengestellt.

Als William Paul Borsey Jr. war der sehnsuchtsvolle und ambitionierte junge Mann für die Provinzstadt Stamford im US-Bundesstaat Conneticut einfach zu schillernd. so machte sich Willy mit 14 auf nach Greenwich Village in New York, mit der festen Absicht Musiker zu werden. Als Willy „West Side Story“ im Kino sah, fand er in diesem Puerto Ricanischen Großstadtleben eine Heimat für seine romantische Seele. Das drückte sich auf in den auffälligen Outfits und Styles aus.

Nach einer Zeit als Hausband im legendären „Punk“-Club CBGBs ging Willy DeVille nach San Francisco, gründete dort eine andere Band und nahm ein erstes Album auf. Auf der anschließenden Tour entdeckt der Musiker seine Liebe für Paris, wo er eine ganze Weile lebt. Seiner Karriere ist das nur bedingt förderlich. Das dritte Album „Le Chat Bleu“ wird nur in Europa veröffentlicht und abgefeiert. Capitol Records in den USA kann mit der Musik und dem Künstler nichts anfangen.

One dream of my life

Es bleibt ein seltsames Missverhältnis, das Willy DeVille, egal ob mit seiner Band Mink DeVille oder als Solokünstler, in Europa erfolgreich ist und von Kritikern und Publikum gefeiert wird, während er in seiner amerikanischen Heimat lebenslang ein Geheimtipp bleibt. Auch spätere Erfolge werden von der amerikanischen Musikindustrie weitgehend ignoriert, beinahe so, als wäre der Musiker „verbrannt“. Dabei gibt es durchaus prominente Fans wie etwa den gelegentlichen Kollaborateur Mark Knopfler von den Dire Straits, oder auch Bob Dylan, der 2015 anregte Willy DeVille endlich in die Rock’n‘Roll Hall of Fame aufzunehmen.

One night in eternity

So umtriebig DeVille als Musiker und Sänger war, so naiv und unbedarft war er scheinbar in finanziellen und organisatorischen Belangen. Immer mal wieder über die Jahrzehnte steht Willy DeVille mit nichts als seiner Stimme da. Dann rappelt er sich auf, erfindet sich neu und hat erneut Erfolg. Das ist schon sehr erstaunlich und zeugt von großer Hingabe.

The wind whispers soft to me

„Heaven Stood Still: Musik und Leben des Willy DeVille“ erzählt in chronologischer Reihe von einem Ausnahmemusiker, dem eine romantische und tragische Aura anhaftet. Regisseur Larry Locke ist ein Spezialist für biografische Dokus und hat über die Jahrzehnte schon einige Porträts kreiert (Wenige davon hierzulande veröffentlicht). Für „Heaven Stood Still“ haben der Filmmacher und sein editorisches Team einen Haufen von Archivmaterial zusammengetragen und ausgewertet. Altersbedingt hat nicht alles davon Leinwandtaugliche Bildqualität, aber es verschafft einen lebhaften Eindruck.

Bei Musikdokus ist es immer schön, wenn die Lieder auch mehr oder minder ausgespielt werden. Locke hat einen anderen Fokus als den künstlerischen. Ihm geht es um die Biografie, die Stationen des Lebens und eine bestimmt Kausalität und weniger um das kreative Momentum in der Musik des Willy DeVille.

And heaven stood still

Angereichert wird das Archivmaterial durch Interviews mit Weggefährten, Freunden und Mitmusikern, die noch verfügbar waren. Einige, wie etwa Mark Knopfler, sind im Archivmaterial zu sehen. Es gibt auch immer wieder Ausschnitte aus Live-Mitschnitten, so wie dem Rockpalast Konzert von 1978.

Die Frage, wie sinnvoll es ist einen Ausschnitt zu wählen, in dem DeVille bemerkt er fände es schwer in einem Club zu spielen, wo er nicht rauchen darf, statt Musik zu zeigen, muss jede:r im Publikum selbst beantworten. Sicherlich waren Drogen in der Karriere DeVilles auch ein Thema.

Unterm Strich ist „Heaven Stood Still“ ein kompetenter und ausführlich bebilderter biografischer Abriss über Willy DeVille. Der schnippselige, dokumentarische Stil und auch der biografische Schwerpunkt, gehören nun nicht unbedingt zu meinen bevorzugten Stilmitteln einer Musikdoku. Aber so wie ich den Film verstanden habe, geht es dem Filmmacher Larry Locke auch eher darum, dass viele Eindrücke ein Gesamtbild ergeben, dass möglicherweise größer ist als seine Einzelteile. Das hat durchaus seinen Reiz.

Film-Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

Heaven Stood Still: Musik und Leben des Willy DeVille
OT: Heaven Stood Still: The Incarnations of Willy DeVille
Genre: Doku, Musik, Biographie
Länge: 87 Minuten, USA, 2022
Regie: Larry Locke
Mitwirkende: Willy DeVille, Peter Wolf, Chris Franz
FSK: nicht geprüft
Vertrieb: Arsenal Filmverleih
Kinostart: 31.10.2024

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Deutscher Wikipedia-Eintrag
Englischer Wikipedia-Eintrag

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