Heute mal etwas kürzer, weil das deutsche Trio Traum bei Tonzonen Records eine vier Songs umfassende EP auf weißem Vinyl veröffentlicht hat. Musikalisch bewegen sich die Herren etliche Jahrzehnte zu spät, tun das aber mit Verve. Zurück in die poppigen und rockigen Anfänge psychedelischer Musik. Das ist ziemlich gefällig.
Vorab allerdings ein Warnhinweis, die hier vorgestellte Band Traum hat vorher bei einem amerikanischen Label eine Single veröffentlicht und obwohl man etliche Songideen und Demos habe, ist „Traum“-EP erstmal eine Duftmarke.
Damit es allerdings nicht zu Verwirrungen kommt: Es gab vor einer Dekade eine italienische Post-Rock-Band selben Namens. Und es gibt auch eine aktuelle italienische Band die sich Traum nennt. Auch die Römer haben gerade ein relativ aktuelles selbstbetiteltes Album am Start und beackern mit weniger Popappeal ähnliches psychedelisches Terrain. Hier mag es noch zu Klärungen der Namen kommen, oder die Koexistenz geht einfach weiter. Die geneigte Hörerschaft wird sehen.
Zurück zur EP mit gerade mal vier Songs und 15 Minuten Spielzeit kommen Traum ziemlich knackig auf den Punkt. Die vermeintliche A-Seite des Vinyls, hat mit „Shoeshine“ und Tuesday’s Lover“ zwei knackige Songs zu bieten, die mit schmeichelndem Gesang, mehrstimmigen Backing Vocals und flotten Rhythmik direkt Mitte der Sixties hätten produziert sein können. Da steckt möglicherweise Hitpotential, wenn das Publikum sich nicht auf die Originale besinnt.
„Electric Blue“ und „Illusion“ auf der B-Seite sind im Selben Soundgewand unterwegs, kommen aber eher laid back und getragen daher. Auch die beiden Stücke sind sehr eingängig und eingängig. Im Grunde also eine stimmige Angelegenheit. Wenn ich nicht das Gefühl hätte, hier wären die Musiker arg nostalgisch unterwegs. Das unterscheidet sich durchaus im Ansatz von Bands, die ihre Inspiration aus bestimmten Phasen der Musikgeschichte beziehen, aber ihr eigenes Ding machen.
Traum sich schon ziemlich genre-typisch ausgefallen und zelebrieren einen melodischen Psychedelic Rock der Sechziger. Wer da neues Ohrenfutter braucht, sollte ein Ohr riskieren. Mir ist das bei aller musikalischen Qualität zu wenig eigen.
Wertung: (6 / 10)
Traum: Traum EP
Genre: Psychedelic Rock, Retro Pop
Länge: 15 Minuten, D, 2024
Interpret: Traum
Label: Tomnzonen Records
Vertrieb: Soulfood
Format: Vinyl 12“, digital
VÖ: 27.09.2024
Traum Line-Up:
Helen Lichter – Gesang, Gitarre, Produktion
Thereyoughost – Bassgitarre
Christoph Guschlbauer – Schlagzeug, Percussion, Gesang
Foto: Moni Brenner
Traum bei Tonzonen Records
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