Auferstanden: Wo ist der Nazarener?

Im Jahr 2016 präsentierte der historische Thriller „Auferstanden“ die christliche Kreuzigungsgeschichte mit einem anderen Erzählansatz. Ein römischer Offizier muss die verschwundene Leiche des vermeintlichen Messias suchen und kommt dabei mit einer neuen Weltanschauung in Kontakt. „Auferstanden“ ist erstaunlich packend und hat mit Sandalenfilmen alter Schule wenig am Hut. Rechtzeitig zu Ostern ein Wiedersehen.

Palästina anno 33.: es brodelt in der Provinz und Aufständische greifen die römische Ordnung immer wieder an. Stadthalter Pontius Pilatus (Peter Firth) lässt darauf mit massiver Gewalt reagieren. Sein Tribun Clavius (Joseph Fiennes) und dessen Legion schlagen die Rebellionen immer wieder blutig nieder. Und dann steht auch noch eine Kreuzigung an, die für öffentliches Aufsehen sorgt. Ein vermeintlicher Messias wird gekreuzigt und Clavius muss auch hier für Ordnung sorgen. Dennoch gestattet der Befehlshaber den Rabbinern jenen Nazarener namens Yesuha (Cliff Curtis) nach jüdischem Brauch zu bestatten.

Unter den Rabbinern um Caiaphas herrscht jedoch große Unruhe wegen einer Prophezeiung. Danach soll der wahre Messias von den Toten auferstehen. Tatsächlich ist die verschlossene und versiegelte Bestattungshöhle nach einigen Tagen leer. Pilatus befielt seinem Tribun die Angelegenheit aufzuklären und den offensichtlich gestohlenen Leichnam zurückzubringen. Clavius und sein junger Assistent Lucius (Tom Felton) müssen das Verschwinden möglich schnell aufklären, weil der Imperator zu Besuch nach Palästina kommt.

Wo ist die Leiche?

„Auferstanden“ erzählt zunächst vor allem eine Kriminalgeschichte mit sozialem Hintergrund. Dass Regisseur Kevin Reynolds („Robin Hood – König der Diebe“, „Tristan und Isolde“) die zentrale christliche Botschaft, die Auferstehung, die das ewige Leben verheißt, auf diese Weise in Szene setzt nicht so abwegig wie es scheinen mag. Schließlich braucht es dazu nur die Perspektive der römischen Besatzer. Einen anderen Blickwinkel.

Der ungläubige römische Tribun recherchiert und ermittelt also in typischer Kommissars-Manier. Das ist überraschend unterhaltsam, und der Geschichte liegt ein solides Drehbuch zugrunde. Wer einige historische Fehler verzeihen kann, wird mit einem atmosphärisch gelungenen und überraschend spannenden Drama belohnt. Aber Sanduhren gab es seinerzeit einfach noch nicht.

Zum Gelingen des Bibelthrillers tragen auch die guten Darsteller:innen um Joseph Fiennes („Luther“) bei. Es gelingt dem Cast ihren Rollen das nötige Gewicht zu verleihen wissen, ohne in den antiken Kostümen wie eine Parodie daherzukommen. Und „Auferstanden“ hat noch einen Twist anzubieten.

In der zweiten Filmhälfte findet Clavius die Jünger des Auferstandenen an, schließt sich ihnen an und wechselt quasi die Seiten. Sein taktisches Kampf- und Herrschaftswissen beschützt die kleine Gruppe vor den Römern und den Rabbinern. Clavius wird selbst zum Gläubigen. Diese Verwandlung eines rationalen Menschen zu einem Gläubigen war erwartbar, aber der Charakter Clavius und der Darsteller Fiennes kommen glaubhaft rüber.

Wer ist der Mann?

Das Drehbuch von Reynolds und Paul Aiello, der die Geschichte auch entwickelte, erzählt die Ereignisse und das Glaubensbekenntnis des römischen Tribuns als Rückblende. Dadurch ist der Filmbeginn hektisch, blutig und kampfbetont, bevor das Setting etabliert ist und es inhaltlich voran geht. Das erinnert in der Machart an „Gladiator“ oder auch „Der Soldat James Ryan“. Dabei ist der zeitliche Rahmen dieser neutestamentlichen Bibelgeschichte klar umrissen, beginnt mit der Kreuzigung und endet mit der Christus Himmelfahrt sechs Wochen später. Aber chronologisches Erzählen hätte weniger Dynamik erzeugt.

Ein weiterer Aspekt, den ich persönlich stimmig fand, ist, dass „Auferstanden“ sich nicht an einer Neuinterpretation versucht, sondern weitgehend an der biblische Überlieferung und dem religiösen Kern der Geschichte festhält. Anders als die beiden alttestamentarischen Filme „Noah“ (2014) von Darren Aronofsky und „Exodus“ (2014) von Ridley Scott. Beide Filme relativieren das christliche beziehungsweise jüdische Glaubenselement als eine Art universelle Esotherik. Reynolds versucht allen wesentlichen Stationen und Aspekte der Auferstehung und des aufkommenden Christentums gerecht zu werden, ohne etwas über zu interpretieren.

Ohne das Pathos alter Hollywood Bibelverfilmungen zu erwecken kommt „Auferstanden“ ziemlich modern und unterhaltsam, spannend und frisch rüber. Vor allem dank guter Darsteller und eines in der ersten Filmhälfte gelungenen Krimi-Plots ist die eigentlich bekannte Geschichte Jesus‘ „Auferstanden“ überraschend sehenswert ausgefallen.

Film-Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

Auferstanden
OT: Risen
Länge: 103 Minuten, USA/UK, 2016
Genre: Drama, Historisches, Krimi
Regie: Kevin Reynolds
Darsteller:innen: Joseph Fiennes, Tom Felton, Peter Firth
FSK: ab 12 Jahren
Vertrieb: Sony Pictures
Kinostart: 17.03.2016
DVD- & BD-VÖ: 21.07.2016

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