Wächter des Tages: Die Revanche

Aus dem Archiv eine Perle der modernen Fantasy. Nach dem überraschenden Fantasy-Spektakel „Wächter der Nacht“ folgte hierzulande 2008 endlich die Fortsetzung des Konfliktes zwischen den Mächten des Guten und des Bösen. nach dem gleichnamigen Roman von Sergej Lukjanenko. Die „Wächter des Tages“ schicken sich an, die Macht über die Welt endgültig an sich zu reißen. Die Chancen waren nie so gut.

Soviel vorneweg: Wer den ersten Teil „Wächter der Nacht“ nicht kennt, hat etwas verpasst und wird es schwer haben, in die Handlung hineinzukommen. Es gelingt dem aufmerksamen Zuschauer, aber es macht einfach keinen Spaß. Zwar spielt „Wächter des Tages“ etwas später, knüpft aber direkt an den Vorgänger an und bezieht sich auf Geschehnisse daraus.

Zurück zu „Wächter des Tages“: Zavulon (Viktor Verzhbitsky), der Chef der bösen Seite hat alle Trümpfe in der Hand, um das seit Jahrhunderten währende Gleichgewicht zwischen Licht und Dunkelheit endgültig zu entscheiden. Seit er Yegor (Dmitry Martynov) unter seinen Fittichen hat, wird der Junge mächtiger und wächst zu einem starken Anderen heran. Die Seite des Lichts, die Wächter der Nacht, versuchen alles in ihrer Macht stehende, um den Sieg der Dunkelheit abzuwenden. Die Guten spüren, wie sich das Gleichgewicht der Kräfte zu ihren Ungunsten verschiebt.

Das „Wächter“-Epos von Sergej Lukjanenko

Allen voran bemüht sich Anton (Konstantin Khabensky), Yegors Vater, seinen Sohn zurückzugewinnen. Dass er dabei von der „Praktikantin“ Svetlana (Mariya Poroshina) begleitet wird, ist ihm eher hinderlich, weiß diese doch erst seit kurzem, dass sie eine Andere ist. Svetlana kennt weder die Spielregeln des Gleichgewichts noch weiß sie um ihre wahre Stärke. Außerdem liebt Anton sie heimlich.

Immer wieder sucht Anton in Moskau nach seinem Sohn. Antons ganze Hoffnung liegt auf der „Kreide des Schicksals“ und er macht sich auf die Suche nach dem seit Jahrhunderten verschollenen magischen Gegenstand. Doch Zavulon verwickelt Anton in ein Mordkomplott, worauf dieser nun auch noch untertauchen und seine Unschuld beweisen muss. Schließlich, auf Yegors Geburtstagsparty kommt es zum großen Showdown.

Soweit klar? Hilft nichts, am besten selbst gucken. Die Filme basieren auf der Romanvorlage des russischen Autors Sergei Lukjanenko, der mit der vierbändigen Wächter-Reihe ein Fantasy-Epos geschaffen hat, das in Russland schon längst Kult ist. Das Epos schildert in episodenhafter Weise den Konflikt zwischen den Kräften des Lichts und den Kräften der Dunkelheit, der nach einem langen Waffenstillstand wieder aufflammt. Die Tagwache und die Nachtwache besteht aus übersinnlichen Wesen, Anderen, die ursprünglich zur Überwachung und Einhaltung des Friedens unter uns leben. Über Jahrhunderte hat sich ein kompliziertes Regelwerk herausgebildet.

Armer Anton statt dummer August

„Wächter des Tages“ kann den Vorgänger in Sachen Action und Spektakel noch toppen und die Handlung scheint flüssiger voranzukommen, aber das mag auch daran liegen, dass ich „Wächter der Nacht“ schon kenne, somit schon weiß, worum es geht. Die Story hat Hand und Fuß und die Charaktere sind trefflicher gezeichnet und schleppen ihre Problemchen und Neurosen mit sich herum.

Der eigentliche Charme aber ergibt sich aus dem russischen Setting, in dem immer wieder unvermittelt Anarchie und Lebensfreude um die Ecke grinsen. Dem vollkommen selbstverständlichen Nebeneinander von Ballonseide tragenden, Sportwagen fahrenden Bösewichtern und alternden Vampiren, die in ärmlichen Etagenwohnung im Waschzuber ihr einziges Beinkleid waschen. Die Wächter der Nacht (die Guten) sind ein vermeintlich kläglicher Haufen von Stadtwerksangestellten, die in zu alten Transportern durch Moskau gurken. Mystische, mächtige Figuren verbergen sich hinter schrulligen Nischenexistenzen. Kaum etwas ist so, wie es scheint.

Die „Wächter“ sind eine extrem gelungene Umsetzung der Romanvorlage, auch wenn nur ein Teil der Saga ausgeleuchtet wird. Zwar setzt die russische Fantasy-Action keine neuen Genre-Maßstäbe, aber es ist beachtlich, was mit relativ geringem Budget (etwa vier Millionen) zu erreichen ist. „Wächter des Tages“ muss sich nicht hinter Hollywood-Produktionen verstecken. Temporeich und mit viel (skurillem) Witz bieten die Wächter-Filme feinste, abendfüllende Unterhaltung.

Film-Wertung: 8 out of 10 stars (8 / 10)

Wächter des Tages
OT: dnevor doznoy
Genre: Drama, Fantasy, Thriller
Länge: 140 Minuten, RUS, 2006
Regie: Timur Begmambetov
Darsteller:Innen: Konstantin Khabensky, Mariya Poroshina, Viktor Verzhbitsky
FSK: ab 16 Jahren
Vertrieb: 20th Century Fox
Kinostart: 20.09.2007
DVD VÖ: 14.03.2008
Blu-ray VÖ: 12.08.2008

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