Take Care: Der Ex als Pflegedienst

In der US-amerikanischen romantischen Komödie „Take Care“ kommt die junge Frannie mit Gipsarm- und -bein nach Hause und stellt schnell fest, dass es ohne Hilfe nicht geht. Allerdings hat keiner Zeit sich zu kümmern; außer dem verhassten Ex-Freund. Studio Hamburg Enterprises beschert der RomCom aus dem Jahr 2014 eine späte Deutschlandpremiere direkt auf DVD.

Schwer vorstellbar, dass jemand nachdem er oder sie von einem Auto angefahren wurde und mit Beinschiene und einem Gipsarm allein in seiner Singlewohnung im vierten Stock eines Altbaus ohne Fahrstuhl gut aufgehoben ist. So auch Frannie (Leslie Bibb), die unbedingt in ihrer New Yorker Wohnung genesen will und nicht bei ihrer großen Schwester in New Jersey. Doch so einfach ist es nicht, alleine klar zu kommen, wenn frau sich nicht bewegen kann.

Es kommt wie es kommen muss und sowohl Frannies Schwester Fallon (Nadja Dajani) als auch die beste Freundin Laila (Marin Ireland), haben dann doch keine Zeit, sich regelmäßig, mehrmals am Tag, um Frannie zu kümmern. Weil sie den nervigen Nachbarn Kyle /(Michael Stahl-David) nicht fragen will, ruft sie ihren Ex-Freund Devon (Thomas Sadoiski) an, der beruflich gerade durchstartet.

Das Treffen der beiden kommt ein bisschen schräg daher, vor allem, weil Frannie Devon vorwirft, sich für ihn geopfert zuhaben, als Devon krank war. Quasi als Revanche soll der Ex nun also Frannies Pflege übernehmen. Der lässt sich auch darauf ein, und wenn es nur ist, um Frannie zu beweisen, wie unangemessen die Situation ist; unabhängig von Devon aktueller, sehr eifersüchtiger Freundin Jodi (Betty Gilpin).

Es dauert gefühlt eine halbe Stunde, bis das Unfallopfer Frannie in der Angangssequenz endlich in ihre Wohnung bugsiert worden ist. Sicher, wenn jemand so bewegungseingeschränkt ist, dauert alles seine Zeit, aber die unbeholfenen Versuche neurotischer Großstadtfrauen, die Patientin zu transportieren, schlagen fehl. Glücklicherweise naht der Retter in der Not, der arrogante selbstsüchtige Nachbar, der sich breit schlagen lässt, Frannie die Treppen hinaufzutragen, allerdings nicht romantisch auf den Armen, sondern wie ein Kohlensack auf dem Rücken.

Die Eröffnungssequenz bringt nicht nur die Geschichte in Gang, sondern offenbart bereits den größten Mangel der romantischen Komödie „Take Care“: Es fehlt an Timing. Wie körperlicher Slapstick in Vollendung vorgeführt wird, kann sich jeder Filmschaffende in der Stummfilmphase Hollyoods abschauen, in der unter andern Laurel und Hardy, Charlie Chaplin, Harold Lloyd und Buster Keaton diese Art von Humor mit präziser Choreographie zu zeitloser Meisterschaft brachten. Man muss dieses Level nicht erreichen, sollte sich dann aber kürzer fassen und auf den Punkt kommen.

Ein ums ander Mal tut „Take Care“ genau dies nicht. Egal, ob Frannie von einer Angestellten ihrer Schwester aufs Töpfchen gebracht wird oder die Invalide hungrig vor dem Kühlschrank steht, und vergeblich versucht Essensverpackungen zu öffnen, es dauert einfach zu lange und reitet die Pointe tot.

Immerhin aber ist da ja noch die romantische Seite dieser Komödie und zwischen den Darsteller:innnen Leslie Bibb („American Housewife“, „Catch Me!“) und Thomas Sadoski („Life ijn Pieces“, John Wick“) stimmt zumindest die Chemie, so dass die Pflegekonstellation besser funktioniert. Romantische Verwicklungen sind mit dem Nachbarn und der Freundin zumindest angedeutet. Ich hätte es zwar für vielversprechender gehalten, den Nachbarn anzubaggern, aber ich habe auch keine Beinschiene.

Regisseurin Liz Tuccillo, die vor allem als Drehbuchautorin Erfolge feiert und für die letzten Staffeln von „Sex and The City“ verantwortlich zeichnet, feiert mit „Take Care“ ihr Spielfilm-Debüt als Regisseurin und steuerte das Drehbuch bei. Die Doppelbelastung stellt sich als Hindernis für die RomCom dar und so kommt „Take Care“ nicht aus dem Einheitsbrei lustiger Romanzen heraus, die vornehmlich für junge Frauen gedacht sind.

Zugegeben, ich gehöre nicht zur Zielgruppe, traue mir aber professionell zu, über den eigenen Tellerrand blicken zu können. Take Care ist eindeutig für die Zuschauer:innen und Fans von Carrie Bradshaw und Co gedacht, aber nicht pfiffig genug ausgeführt, um im urbanen Dschungel von Woody Allens neurotischer Großstadt aufzufallen.

Zuschauer:innen sollten sich auf die abstruse Situation und die neurotische Patientin einlassen, damit in dieser Romcom der Funken überspringen kann. Besseres Timing an der einen oder andere Stelle hätte der Komödie zu mehr Unterhaltungswert verholfen. Auch die Romanze hat so ihre Längen. Das liegt weniger an den Darstellern als am umständlichen Skript. Da wäre sicher mehr drin gewesen als eine durchschnittliche RomCom.

Film-Wertung: 5.5 out of 10 stars (5,5 / 10)

Take Care
OT: Take Care
Genre: romantische Komödie
Länge: 94 Minuten, USA, 2014
Regie: Liz Tuccillo
Darsteller:innen: Leslie Bibb, Nadja Dajani, Michael Stahl-David, Thomas Sadoski
FSK: ab 6 Jahren
Vertrieb: Studio Hamburg Enterprisens
DVD-VÖ: 12.02.2021

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