Das Beste kommt erst noch: Ping-Pong im Wohnzimmer

Männerfreundschaften sind scheinbar eine ganz besondere Sache. In der französischen Komödie „Das Beste kommt erst noch“ könnten die beiden Buddies unterschiedlicher kaum sein, kennen sich aber seit Schulzeiten. Da ist es schwer, wenn der eine dem anderen eine tödliche Diagnose vermitteln muss. Es kann zu Missverständnissen kommen. Hört sich nicht lustig an? Ist aber eine Komödie mit Drama-Anteil, die vor allem von den beiden gut aufgelegten französischen Stars Fabrice Luchini und Patrick Bruel lebt.

Der Mensch fragt sich bei der Betrachtung seiner Mitmenschen gelegentlich ja schon mal, was Paare zusammenhält, warum Freundschaften funktionieren? Fragt sich, wieso sich gleich und gleich nicht immer gerne gesellen und weshalb sich Gegensätze auch mal abstoßen und nicht anziehen.

Im Film, gerade im so genannten Buddy-Movie, der ja meist auf Action angelegt ist, gehört es zum Konstruktionsschema, dass die beiden Protagonisten respektive Protagonistinnen so gegensätzlich sind, dass sie sich anfangs nicht ausstehen können und erst durch die gemeinsame Aufgabe, die meist mindestens weltbedrohend ist, gegenseitigen Respekt lernen und so nicht nur die Person des Gegenüber sondern auch seinen unterschiedlichen Ansatz zu schätzen lernen.

Der geschiedene Medizin-Professor Arthur Dreyfus (Fabrice Luchini) ist kein sympathischer Mensch, der kleinliche rechthaberische Misanthrop fährt schon mal anderen Verkehrsteilnehmern einige Minuten hinterher, um ihnen an einer Ampel darzulegen, wie oft sie in der Zeit nicht geblinkt haben.

Anders César Montesiho (Patrick Bruel), der charmante Frauentyp hats nicht so mit den Finanzen und es stört ihn auch nicht, dass er aus seiner Wohnung geschmissen wird, weil er die Miete ewig nicht bezahlt hat. Aber dass sein Sportwagen gepfändet wird, bringt César dazu, sich vom Balkon zu stürzen.

Notgedrungen schlawienert er sich bei Schulfreund Arthur ein, der schleppt den halsbrecherisch gestürzten in die Notaufnahme zur Erstversorgung. Doch César hat keine Krankenversicherung und wird auf Arthurs Karte behandelt. Was wiederum dazu führt, dass Arthur Tage später eine Lungenkrebs-Diagnose bekommt, mnämlich die seines besten Freundes. Doch er ist nicht in der Lage César die Nachricht zu überbringen, und bei all der Stammelei glaubt César nun, Arthur müsste sterben.

Es dauert nicht lange, bis sich die beiden hinsetzen und eine Liste aufstellen, mit Sachen, die sie im Leben immer schon mal machen wollten. Das führt zu einigen Selbstüberwindungen und überraschenden Erkenntnissen. Hauptsache, die lebenslangen nd momentan zufällig allein stehenden Freunde verbringen die verbleibende Zeit zusammen, intensiv und lebendig.

Die französische Tragikomödie „Das Beste kommt erst noch“ der beiden Regisseure Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte („Der Vorname“) erinnert nicht von ungefähr an Rob Reiners Hollywood-Erfolg „Das Beste kommt zum Schluss (OT: „The Bucket List“, 2007) mit Morgan Freeman und Jack Nicholson und an den spanischen Arthaus-Erfolg „Freunde fürs Leben“ („Truman“, 2015) mit Ricardo Darin und Javier Camara. Zuschauer:innen ahnen also in etwa wohin der Hase laufen könnte.

Dabei offenbart „Das Beste kommt erst noch“ eine ganz erhebliche Schwäche, nämlich die Glaubwürdigkeit jenes Missverständnisses, nach dem beide Freunde vom anderen glauben, er müsse sterben. Wer als Zuschauer:in an dieser Stelle dem Film nicht folgen mag, wird mit den folgenden Ver- und Entwicklungen nicht so recht warm werden. Da hilft es auch nicht, dass eben jenes Missverständnis den beiden Freunden später gehörig auf die Füße fällt.

Wie auch immer, mit den beiden oben genannten Filmen über Männerfreundschaften kann „Das Beste kommt erst noch“ aus verschiedenen Gründen nicht ganz mithalten. Vor allem aber, weil bei ähnlicher Thematik bei den Franzosen zu wenig Eigenständigkeit erkennbar ist und die Dynamik nicht immer so stimmig wirkt.

Die Frage hingegen, ob denn nun überhaupt einer der bedien Krebs hat wiederum, entwickelt auf der filmbetrachtenden Metaebene ein Eigenleben, denn oft genug gab es im Film auch schon Diagnose-Verwechslungen, die Handlungen auslösten. Aber das kann ja jede:r selbst überprüfen.

Handwerklich ist „Das Beste kommt erst noch“ gelungen, auch wenn man sich schon fragt, wieso Arthur so ein nörgelnder Griesgram ist, und die Figurenetablierung etwas schwematisch abläuft: erst der eine, dann der andere, dann nostalgischer Rückblick auf die Schulzeit, dann das Aufeinandertreffen. Angesichts der zwei prächtig aufgelegten französischen Stars, die den Film ganz locker auch durch schwächere Phasen tragen, ist das allerdings auch kleinliches Genörgel seitens des Kritikers.

Die französiche Dramödie „Das Beste kommt erst noch“ hat so ihre Momente und ist ganz auf die beiden überzeugenden Darsteller ausgelegt. Was dem Film gelegentlich an Dynamik und Originalität abgeht, machen die beiden französischen Stars wieder wett. Insgesamt haben Zuschauer:innen ähnliche Konstellationen aber schon stärker sehen können.

Film-Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

Das Beste kommt erst noch
OT: Le meilleur reste à venir
Genre: Komödie, Drama,
Länge: 117 Minuten, F, 2019
Regie: Alexandre de La Patellière, Matthieu Delaporte
Darsteller: Fabrice Luchini, Patrick Bruel
FSK: ab 12c Jahren
Vertrieb: Constantin
Kinostart: 09.07.2020
DVd- & BD-VÖ: 05.11.20220

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