Rubber: Brennender Asphalt

Da ich gerade erst Quentin Dupieux jüngsten Streich „Monsieur Killerstyle“ vorgestellt habe, reiche in an dieser Stelle aus dem Archiv die Rezension zu „Rubber“ nach, wie ich sie 2011 zur DVD-Premiere verfasste: Irgendwas muss den Zuschauer ja bewogen haben, sich mit Quentin Dupieuxs „Rubber“ auseinanderzusetzen. Wahrscheinlich, die Aussicht auf ein abgedrehtes Thriller-Spektakel. Insofern gesellt man sich am besten zu dem seltsamen, neugierigen Grüppchen, das sich da in der Wüste versammelt hat…

Doch wer erwartet hat, dass in „Rubber“ die Luzi abgeht, wird zunächst enttäuscht. Der Regisseur macht sich nach „Nonfilm“ (2001) und „Steak“ (2007) auch in seinem dritten Werk an die Dekonstruktion des Sinns; im Allgemeinen und im Speziellen. Ohne zu wissen, was sie erwartet, findet sich eine lose zusammengewürfelte Gruppe Neugieriger in der Wüste ein, um ein ominöses Spektakel zu beobachten. Auf einem Fahrrad nähert sich ein Mensch, der wie ein Büroassistent wirkt, um den Schaulustigen letzte Anweisungen zu geben. Die jedoch interessiert das herzlich wenig.

Während der Blick in die Ferne schweift, referiert der örtliche Sheriff dem Filmpublikum nochmal über die Willkür des Lebens. Und dann endlich erhebt sich aus einem Haufen ausrangierter, brennender Pneus mitten im Nirgendwo ein einzelner Reifen und macht sich auf Erkundung. Unterwegs entwickelt der Reifen eine destruktive Ader, fährt eine Flasche kaputt und verfällt angesichts eines Karnickels in Wutstarre. Was zur Folge hat, dass der Hoppelhase aufgrund der telekinetischen Energie von Robert, dem Reifen, explodiert. Als sich der Reifen einer Siedlung nähert, kommen auch Menschen zu Schaden. Doch Robert hat sich in eine französische Touristin verliebt, oder so etwas ähnliches.

Es ist schon äußerst schräg, was Quentin Dupieux dem Zuschauer das vorsetzt. Die Idee einen Killerreifens ist höchst originell und auch sehr witzig umgesetzt. Doch dieser filmische Versuch über die Wahllosigkeit geht weit über den Killerreifen hinaus, und was den Schaulustigen im Lauf des Filmes zustößt, ist ebenso wichtig für die filmische Aussage von der Sinnlosigkeit der Existenz. Richtig absurd wird es, sobald sich der Sheriff einmischt und behauptet, das Geschehen sei nur inszeniert, ihm aber keiner glaubt.

Das Schwierige an „Rubber“ ist, dass der Film sich auch einem Spannungsbogen verweigert. So unterhaltsam die Reifenszenen sind, so überstrapaziert sind die Szenen mit dem Publikum, die aber notwendig zum Film gehören. Auch wenn man der nihilistischen Grundtendenz des Regisseurs folgen mag, glaubt man doch recht schnell verstanden zu haben, was er mit der Malträtierung der Wüstenglotzer bezweckt, da noch lange die Kamera drauf zu halten, ist schon strapazierend. Aber dann lässt Robert auch schon wieder wen explodieren und zieht seine Fahrspur der Verwüstung weiter.

„Rubber“ hat absolut Kultpotential und etliche sehr originelle Szenen, andererseits treibt es Regisseur Dupieux auch ins langweilende Extrem. Würde man das zu einer Gesamtwertung zusammenwursteln, käme eine mittelmäßige Beurteilung heraus, die dem Film in keiner Weise gerecht würde. Insgesamt ist „Rubber“ aufgrund seiner Originalität schon eher sehenswert ausgefallen.

Film-Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

Rubber
OT: Rubber
Genre: Komödie, Thriller
Länge: 82 Minuten, F/USA, 2010
Regie: Quentin Dupieux
Darsteller: Stephen Spinella, Roxane Mesquida, Jack Plotnik
FSK: ab 16 Jahren
Vertrieb:
DVD-Start: 27.05.2011

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