The Beast: Rivalen auf Killerjagd

In dem derben südkoreanischen Thriller „The Beast“ liefern sich zwei Cops ein duell um eine Beförderung. Ausgerechnet derjenige, wer einen brutalen Frauenmörder schnappt, soll beruflich aufsteigen. Dabei wäre eine Zusammenarbeit deutlich zielführender, denn die Ermittlungen ziehen sich. Aber wenn sich zwei nicht riechen können, kracht es auch schon mal im Polizeirevier. Nun veröffentlciht Constantin Film den Thriller für das Home-Entertainment.

In der südkoreanischen Industriestadt Incheon wird ein junges Mädchen vermisst. Die Polizei hat keine Spur, bis ein Fischer bei Ebbe eine abgetrennte Hand im Küstenschlick gefunden hat. Tatsächlich handelt es sich um das vermisste Mädchen und der Polizeichef will schnelle Ergebnisse.

Aus genau diesem Grund verdonnert er seine beiden Ermittlungsteams dazu, zusammenzuarbeiten. Doch die beiden Team-Leader und Detektive Han Min-tae (Lee Sung-Min) und Jeong Han-su (You Chea-Myung) können sich nicht ausstehen, was auch daran liegt, dass Jeong es mit dem Buchstabend es Gesetzes nicht allzu genau nimmt. Er und sein assistent verprügeln schon mal Gauner, wenn die sich an Jeongs Informanten vergreifen.

Nun also müssen die beiden routinierten Polizisten zusammenarbeiten und ziemlich schnell gibt es einen Verdächtigen. Dann ergeben sich Hinweise auf etliche weitere Leichen und die Suche nach einem Serienkiller nimmt die Ermittler gefangen. Nur Erfolge bleiben aus. Dann behauptet eine Informantin, die gerade aus dem Knast gekommen ist, sie würde den Mörder kennen. Allerdings wird Detektiv Jeong für diese Info zum Mittäter gemacht, denn er muss der Informantin in einem anderen Fall ein Alibi besorgen.

Bevor es gleich an die Analyse des Thrillers „The Beast“ geht, vorweg noch zwei allgemeine Bemerkungen: 1. Die Transkiption der südkoreanischen Namen in unsere Schrift hat immer wieder Verwirrung zur Folge so unterscheiden sich die Schreibweisen des Verleihs und jene die Beim Fantasy Filmfest, wo der Film im Programm war, ebenso wie die englische Schreibweise. Hauptdarsteller You Chea-Myung wird andernorts Jae-myung Yoo geschrieben. In diesem Text halte ich mich an die vom Pressetext vorgegebene Schreibweise. 2. Einige Kollegen haben „The Beast“ als Remake oder Variante des französischen Thrillers „36 – Tödliche Rivalen“ (2004) ausgemacht. Weder im Pressetext noch in einschlägigen Infoquellen lässt sich das verifizieren. Fakt ist allerdings, dass es erhebliche Parallelen in der Grundkonstruktion der beiden Thrillers gibt. Jeweils müssen verfeindete Cops einen Fall lösen, um befördert zu werden. Soviel also dazu.

Regisseur und Drehbuchautor Lee Jeung-Ho legt mit „The Beast“ seinen zweiten Spielfilm vor und er beherrscht sein Handwerk. Die Inszenierung ist packend und atmosphärisch düster. Die Charaktere sind gut ausgeleuchtet, für asiatische Verhältnisse sogar emotional erstaunlich zugänglich, und die Rivalität der Polizisten kommt stark rüber und trägt den Film. Die charakterstarke Besetzung macht das ganze sehenswert.
Und dennoch hat „The Beast“ einige Minuspunkte zu verzeichnen. Zuallererst ist da die erhebliche Brutalität, die so explizit für die Handlung nicht notwendig gewesen wäre. Wenn sie aber schon mit Close ups und Effekten inszeniert wird, dann auch so konsequent derbe, dass es keine Jungendfreigabe gegeben hätte. Das Thriller-Sujet des sadistischen Serienmörders legt natürlich eine Gewisse Härte nahe, aber sie lenkt eben auch ab von dem tragenden Konflikt zwischen den beiden so unterschiedlichen Polizisten.

Ein großes Plus von „The Beast“ ist die Besetzung. Nicht nur die beiden Charakterdarsteller Lee Sung-Min und You Chea-Myung liefern sich ein finsteres und subtiles psychologisches Duell. Ihre Figuren sind nicht nur gegensätzlich gezeichnet, sondern im Filmverlauf kommen beide immer wieder an ihre Grenzen, so dass sie sich verhalten müssen wie sie es beim Rivalen verabscheuen. Selbstredend läuft Detektiv Jeung mit der Bürde herum, ein Verbrechen gedeckt zu haben, während sein Rivale scheinbar integer ist. Beide Polizisten aber wissen, dass sie auch von ihren jeweiligen Vorgesetzen instrumentalisiert werden, um deren Fehde auszutragen.

Für einen Klasse Polizei-Thriller hätte das schon an Handlung gereicht. Da wirkt es bisweilen ein wenig over the Top, dass es nun auch noch ein brutaler Serienmörder sein muss. Wahrscheinlich hat Regisseur Lee Jeung-Ho dies als zusätzliches Spannungselement angesehen, de Fakto lenkt gerade die Sadistische Dimension des Verbrechens aber auch von dem Machtkampf ab. Oder eben umgekehrt. Eventuell wäre Weniger hier mehr gewesen. So auch bei der Informantin, die ein bisschen rüberkommt wie ein krimineller, koreanischer Lisbeth Salander Klon.

Bisweilen verliert sich „The Beast“ etwas zu sehr in Nebenhandlungen und sorgt eher für zunehmende Verwirrung als für zielführende Verbrechensaufklärung. Einige falsche Fährten sind zwar gelungen, andere eher unausgegoren. Letzten Endes führt dies auch dazu, dass „The Beast“ mit 131 Minuten deutlich zu lang ausgefallen ist. Es hätte dem Thriller gutgetan, einige Minuten und einige Nebenszenen zu kürzen, das hätte die Spannung konstant hochgehalten und für einen stärkeren Gesamteindruck gesorgt.

Film-Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

The Beast
OT: Biseuteo
Genre: Thriller, Action
Länge: 131 Minuten, ROK, 2019
Regie: Lee Jeung-Ho
Darsteller: Lee Sung-Min, You Chea-Myung, Jeon Hye-Jin, Daniel Choi,
FSK: ab 16 Jahren
Vertrieb: Constantin Home Entertainment, Highlight,
DVD- & BD-VÖ: 05.03.2020

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