Rebellinnen: Keine Konserve vom Fließband

Es gibt Filmszenen, die bleiben den Zuschauern ewig im Gedächtnis. Die Schlüsselszene in der französischen Action-Komödie „Rebellinnen“ gehört definitiv dazu. Wenn es dem einen Kerl im Film ans Gemächt geht, mag der männliche Teil des Publikums kurz aber heftig mitleiden, während der weibliche Teil denkt: „Richtig so!“ Dabei ist besagte Szene keineswegs nur ein derber Gag, sondern bringt plötzlich und auf ebenso anarchische wie feministische Weise einen ganz anderen Sound in diese wunderbare Komödie. Für die drei großartigen Actricen in „Rebellinnen“ ist die Story eine Steilvorlage.

Schmachvoll genug, dass die ehemalige Schönheitskönigin der nordfranzösischen Provinz Pas-de-Calais nach fünfzehn Jahren wieder bei ihrer Mutter einziehen muss, die einen abgewrackten Campingplatz leitet. Dann muss sich Sandra beim Arbeitsamt auch noch blöde Sprüche anhören und landet letztlich direkt neben einer ehemaligen Klassenkameradin am Fließband der örtlichen Fischfabrik.

Die alleinerziehende Marylin (Audrey Lamy) nimmt Sandra (Cécile de France) ihre frühere Arroganz immer noch übel, aber als der Vorarbeiter der Fabrik meint, die Qualitäten der Neuen auch mal abseits des Fließbandes abchecken zu müssen, ist die Frauensolidarität schnell wieder hergestellt. Nachdem die Vergewaltigung abgewendet ist, diskutieren die Arbeiterinnen, zu denen sich nun auch noch die ältere Nadine (Yolande Moreau) gesellt hat, ob sie für den Drecksack nun einen Notarzt holen oder nicht.

Der Drecksack robbt sich derweil aus der Umkleide und stürzt dabei zu Tode. Bei der Beseitigung der Leiche stolpern die drei Arbeiterinnen über eine Tasche voller Bargeld. Ein Ausweg aus dem alltäglichen Elend, wenn es gelingt die Leiche verschwinden zu lassen. Dusseliger Weise war das Geld für einen Drogendeal gedacht. Nun hat der örtliche Obergauner Simon (Simon Abkarian) ein Problem und die Belgier, für die das Geld bestimmt war, sind eh schon angepisst. Natürlich werden die drei Grazien zum Verschwinden des Vorarbeiters / Geldboten befragt, aber der Kommissar (Samuel Jouy), der wegen vermeintlicher Bestechlichkeit aus Paris in die Provinz versetzt wurde, ist viel zu eitel, um den drei Fabrikarbeiterinnen kriminelle Energie zuzutrauen.

Schwarzhumorige Komödien gibt es viele, aber wenige haben dazu noch weibliche Hauptdarsteller und zudem einen gewissen sozialkritischen Aspekt, der über reine Kurzcharakteristik eines Kleingauner-Milieus hinausgeht. In „Rebellinnen“ stimmt alles und fügt sich zu großartigen Ganzen, das dem Genre tatsächlich neue Impulse verpassen kann. Regisseur Allan Mauduit hat mit Jérémy Guez ein feines Drehbuch verfasst und lässt seinen Antiheldinnen genug Raum, dies auch mit Leben und Feuer zu füllen. Die Franzosen machen Hollywood einmal mehr vor, dass knackige und anspruchsvolle Frauenrollen einen Film auch tragen können.

In dem Trio, das sich aus einer Notgemeinschaft heraus zu Komplizinnen entwickelt, finden sich auch ebenso alltägliche wie frustrierende Lebensgeschichten wieder. Verkörpert werden die drei so unterschiedlichen Arbeiterinnen von Cécile de France, Yolande Moreau und Audrey Lamy. Gerade letztere kann mit ihrer humorvollen Performance punkten, weil sie aus Zuschauersicht in dem Darstellerinnen-Trio das unbekannteste Gesicht ist und so den Part des Underdogs übernimmt.

Neben der Schönen (De France) und dem Biest (Moreau), wie das Publikum die beiden großartigen Schauspielerinnen oft genug gesehen hat, hat niemand die Dritte im Bunde, die mit der großen Klappe, auf dem Zettel. Eine perfekte Ausgangslage um die wirklich tollen Pointen rauszukloppen.

Sicher ist „Rebellinnen“ auch solide und derbe Genre-Kost in dem Sinne, dass es sich um eine Kleinganoven-Komödie handelt, wie man sie aus dem franko-belgischen Kino kennt und meistens auch liebt, aber gerade der feminine Blick auf Karriere, Geld und Gewalt macht den kleinen Unterschied. Schniepel hin oder her.

Movie Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

Rebellinnen
OT: Rebels Genre: Komödie, Thriller
Länge: 88 Minuten, F, 2019
Regie: Allan Mauduit
Darsteller: Cécile de France, Yolande Moreau, Audrey Lamy
FSK: ab 16 Jahren
Vertrieb: Concorde
Kinostart: 11.7.2019

Copyright der Bilder by Concorde

%d Bloggern gefällt das: