Wir sind die Besten: Teenage Kicks in Schweden

vi-är-bäst--vorschau1982 war die Hochzeit des Punk zwar schon lange vorbei und nicht wenige behaupteten, dass Punk tot sei. Aber für drei Stockholmer Mädchen, die gerade dabei sind ihre eigene Persönlichkeit zu entdecken, ist das alles Quatsch. Insofern trifft der Undertones Klassiker den Sound von Lukas Moodyssons sehr charmanter Coming of Age Story recht gut. Das mag sich zwar vornehmlich an eine jugendliche Zielgruppe richten, hat aber auch dem reiferen Zuschauer einiges zu bieten.

Eher zufällig gründen die beiden dreizehnjährigen Mädchen Bobo (Mira Barkhammer) und Klara (Mira Gosin) eine Punkband, weil ihnen der Lärm aus dem Proberaum des Jugendzentrums auf den Senkel geht. Dort probt die Nachwuchs Heavy Metal Band Iron Fist und macht auf dicke Hose. Weil sich die Jungs aber nicht in den Terminplan eingeschrieben haben, belegen die frechen Gören den Raum jetzt einfach mal und klöppeln auf den vorhandenen Instrumenten herum. Ja, das ist vor allem Krach, macht aber Spaß. Und so gründen die beiden eine Punk-Band. Einen Song haben sie auch schon, oder zumindest eine zugkräftige Aussage „Ich hasse Sport“.

VI ÄR BÄST!Bobo lebt bei ihrer alleinerziehenden Mutter und fühlt sich irgendwie unverstanden. Mit ihrer besten Freundin Klara, die ihre fünfköpfige Familie auch nicht eben toll findet, hängt sie ab und hat keine Lust auf diesen Mädchenkram. Bobo und Klara zelebrieren ein alternatives Außenseitertum. Und weil es mit der Band nicht so recht vorangeht, fragen die beiden dann Hedvig (Liv LeMoyne), die klassische Gitarre spielt, ob sie mitmachen will. Und erstaunlicher Weise ist die christlich erzogene, so brav wirkende Hedvig ganz nett und hat auch von Musik ne Menge Ahnung.

VÄB_VIB6Mit „Raus aus Åmål“ (OT: „Fucking Åmål“, 1998) und später „Lilja 4 Ever (2002) hat der schwedische Filmmacher Lukas Moodysson sich bereits mit den Befindlichkeiten junger Mädchen befasst und eindrückliche Werke geschaffen. Seinen kommerziell größten Hit hatte er allerdings mit der WG-Komödie „Zusammen“ (2000). „Wir sind die Besten“ reiht sich da nahtlos ein, auch wenn dem Film ein wenig die Wuchtigkeit und Dringlichkeit von „Fucking Åmål“ fehlt. Statt dessen geht es verspielter, naiver und deutlich suchender zur Sache und es ist eine große Qualität des Dramas, das mit vielen kleinen und komischen Momenten überzeugt, dass das Leben der drei Freundinnen nicht in eine erzählerische Dramaturgie gezwängt wird, sondern frei fließt wie das realistischer Weise so ist. Zwar gibt es mit dem anstehenden ersten Gig so etwas wie dramaturgische Stoßrichtung, aber auf dem Weg dorthin ist viel Platz und Muße, für pubertäre Probleme, familiäre Situationen, und Teenager-Alltag, erste Liebe – oder so etwas Ähnliches – und Rivalitäten.

Aldrig_godnatt„Wir sind die Besten“ beruht auf der autobiografisch geprägten  Graphic Novel „Aldrig Godnat“ von Moodyssons Frau Coco, die bei uns nicht erschienen ist, im April diesen Jahres aber unter dem Titel „Never Goodnight“ in den USA veröffentlicht wird. Der Film geht sensibel mit seinen Charakteren um und zeichnet dabei zugleich ein unaufgeregt authentisches Zeitzeugnis aus dem Schweden zu Beginn der 1980er Jahre. Und wie sich das für eine jugendliche Perspektive gehört, machen die Erwachsenen nicht eben eine gute Figur, meist machen sie sich lächerlich, wie die beiden Betreuer im Jugendzentrum, die der Girlband (Wir sind keine Girl Band! Wir sind eine Punk Band!“) mal zeigen wollen, wie man so abrockt.

„Wir sind die Besten“ macht Spaß und vermittelt auf unaufgeregte, manchmal kindlich alberne Weise die Nöte und Hoffnungen junger Mädchen,  die die Pubertät so mit sich bringt.

Movie Rating: ★★★★★★★☆☆☆ 

vi-är-bäst-plakatWir sind die Besten
OT: Vi är bäst
Genre: Jugendfilm, Drama, Komödie
Länge: 102 Minuten, S, 2013
Regie: Lukas Moodysson
Darsteller: Mira Barkhammer, Mira Gosin, Liv LeMoyne
FSK: keine Angabe
Vertrieb: Kulturprojektor, Nordlichter
Kinostart: 23.03.2015

 

www.nordlichter-film.de

3 Kommentare

Daniel 2015/03/28

Verleih: Kulturprojektor

nofrank 2015/03/28

ja, klar. sorry.

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