Need For Speed: Autokinos und Leuchttürme

Need for Speed_01_vorschauDie Verfilmung von Computerspielen, gerade erfolgreichen, ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits kann man die Spielererfahrung auf der Leinwand nicht imitieren, andererseits soll der Film aber auch eigenständig sein. Im Falle des adrenalingetränkten Autorennens „Need For Speed“ streiten sich die Geister und nicht wenige attestieren dem Film, er sein ein mauer „2Fast 2 Furious“-Abklatsch. Alles Quatsch!, sagt der Filmonkel, der kein Gamer ist (außer ganz früher mal Autorennen!): „Need For Speed“ rockt und steht in einer Linie mit Kultklassikern!

Die Story kann man eigentlich getrost vergessen, denn sie ist komplett nebensächlich. Wie auch immer: Der geniale Rennfahrer Tobey Marshall (Aaron Paul) kommt als Mechaniker in die Verlegenheit, ausgerechnet für seinen Erzrivalen Dino Brewster (Dominic Cooper) eine grandiose Karre zusammenzuschrauben, einenvlegendären Ford Mustang. Doch als es ans Bezahlen geht, erwacht Tobeys Spieltrieb und er lässt sich auf eine Wettfahrt mit Dino ein –  mit fatalen Folgen: Sein Kumpel kommt ums Leben, die Kohle ist flöten und Tobey wandert in den Knast.

need-for-speed-5Zwei Jahre später will Tobey es Dino bei einem legendären illegalen Straßenrennen, das der mysteriöse DJ und Autofan Monarch (Michael Keaton) veranstaltet, heimzahlen. Doch schon die Anfahrt von New York nach Kalifornien ist abenteuerlich und gefährlich, denn Dino will um jeden Preis verhindern, dass Tobey an dem Rennen teilnimmt.

Regisseur Scott Waugh ist von Haus aus Stuntman und seine Prämisse war es, auf CGI zu verzichten und alle rasenden Stunts wirklich zu drehen. Das merkt man den Hochgeschwindigkeitssequenzen in jeder Sekunde an, und die grandios choreografierte Rennaction lässt einem sofort das Adrenalin in den Körper schießen. Dieser Effekt ist in dem absolut gelungenen 3D und im Kinosaal noch deutlich intensiver, kommt aber auch auf der heimischen Glotze zur Entfaltung.

Sicher, man muss auch der erfolgreichen Gamesmarke irgendwie Rechnung tragen und so sind die Rennsequenzen auch dramaturgisch wie unterschiedliche Levels aufgebaut. Auch die Charaktere sind so typisiert, dass sie genug Projektionsfläche bieten, um Gamern zu gefallen. Sich daran lange abzuarbeiten? Geschenkt.

Need for Speed_03_MP„Need for Speed“ ist ein Genrefilm für Autonarren, die hier voll auf ihre Kosten kommen. Abgedrehte Edelkarossen und rasende Straßengeschosse geben sich die Klinke in die Hand und werden mit Spaß an der Freude zu Klump geschrottet. Das ist ebenso infantil wie genial. Genial, weil sich das Filmteam um Scott Waugh bewusst ist, dass es eine Ahnenreihe von Autokultfilmen gibt, der hier mächtig Tribut gezollt wird.

Hier seien nur zwei cineastische Fixpunkte erwähnt: Monte Hellmanns „Two Brick Lane (Deutsch: Asphaltrennen, 1971) und Richard Sarafians „Vanishing Point“(„Fluchtpunkt San Franzisko“, ebenfalls 1971). Ich gestehe, beide gehören zu meinen Lieblingsfilmen. Insofern fällt es mir leicht in „Need For Speed“ denselben subversiven Geist und Freiheitsdrang zu entdecken, der seinerzeit auch dort zum Ausdruck kam. Sicherlich kann man diesen Zeitgeist nur bedingt in unsere Gegenwart übertragen, aber meistens gelingt das in Scott Waughs rasender Gamesverfilmung einigermaßen kongenial. Das 45minütige Bonusmaterial umfasst diverse Featurettes und Einblicke in die stuntintensiven Dreharbeiten. Und Regisseur Waugh verrät, was Eingeweihte schon selbst erkannt haben: Auch „Bullit“, der Kultfilm mit Steve McQueen, ist eine deutliche Inspiration.

Wer „Need for Speed“ wirklich genießen will, sollte sich von der Illusion befreien, allein die Handlung würde einen grandiosen Film ausmachen. Get your Motor running!

Movie Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

Need for Speed (Blu-ray)_2DNeed For Speed
Genre: Action, Autorennen
Länge: 126 Minuten, USA, 2014
Regie: Scott Waugh
Darsteller: Aaron Paul, Dominic Cooper, Imogen Pots
FSK: ab 12 Jahren
Vertrieb: Constantin
Kinostart: 20.03.2014
DVD-& BD-VÖ: 09.10.2014

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