Daredevil: Reborn

DAREDEVIL11AUFERSTEHUNG_vorInzwischen ist „Reborn“, der aktuelle Daredevil-Band bei Panini, auch schon zwei Monate auf dem Markt. Fast ein bisschen zu spät für eine Rezension. Aber die Wiederauferstehung des blinden Superhelden ist mehr als gelungen, so dass die späte Würdigung durchaus ihre Berechtigung hat. Was Autor Andy Diggle hier abliefert, fügt sich nahtlos an die Geschehnisse aus Shadowland an. Matt Murdock hat New York verlassen und dem Superhelden-Dasein nach seiner desaströsen Zusammenarbeit mit der Verbrecherorganisation „Die Hand“ endgültig abgeschworen. Oder doch nicht?

Daredevil Reborn 3Matt Murdock sucht die Abgeschiedenheit und ist ziellos in der Wüste New Mexikos unterwegs. In einer Kleinstadt, durch die er zufällig kommt, wird er von ein paar unverbesserlichen Rednecks handgreiflich verjagt. In seiner momentanen Stimmung wäre Matt wohl seiner Wege gezogen, wäre da nicht der blinde Junge gewesen, der Murdock an sich selbst erinnert. Abgesehen davon, hat der Mann, der mal Daredevil war, sowieso das Gefühl, in dieser Stadt geht irgendetwas vor sich. Dazu braucht es nichterst den Sheriff, der ihn wegen Landstreicherei einbuchten will. Und Matt Murdock gerät mitten hinein in einen schwunghaften Waffenhandel, der auch vor Korruption nicht Halt macht.

daredevil reborn #1Als Autor Andy Diggle, der mit „Losers“ seine eigene Erfolgsstory schrieb, die Comic-Serie Daredevil 2009 bei Marvel übernahm, beschert er dem Mann ohne Furcht kein neues Image, sondern besinnt sich auf die Stärken und Tugenden des Anwalts und Superhelden, nur um ihn dann in Shadowland mit dem Bösen paktieren zu lassen. Jetzt also steht der rote Rächer vor seiner Rückkehr als Superheld. Die Story ist dabei wohltuend bodenständig ausgefallen und funktioniert im Prinzip wie ein klassischer Krimi, weniger wie eine Superhelden–Story. Das hebt sich vom Rest des Genres ab und steht dem Daredevil gut zu Gesicht, dass er in New Mexiko nicht mit der gewohnten roten Maske bedecken kann, sondern mit einem extrem tiefsitzenden Bandana verhüllt.

DD_REBORN_02Der Storybogen, der letztlich zu Daredevils Rückkehr nach New York führt, ist in sich abgeschlossen und man erkennt Diggles Handschrift an der Story. Das hat Hand und Fuß und überzeugt mit stimmungsvoller Melancholie und rastloser Getriebenheit des Helden wider Willen. Zeichner Davide Gianfelice findet mit seinem gleichzeitig plakativen und sehr dynamischen Zeichenstil die richtigen Bilder, um das Dilemma des Matt Murdock auszudrücken. Das relativ freie Paneling tut der Story gut und auch den Zeichungen. Man hat beim Lesen das Gefühl, da konnte sich der Künstler mal austoben. Die unterschiedlichen Hintergrundfarben, die fast wie Filmfilter wirken, sind ausgesprochen wirkungsvoll eingesetzt.

Ich will gar nicht verhehlen, dass Daredevil schon immer einer meiner Lieblingshelden bei Marvel war, gerade weil er im Prinzip über relativ geringe Superkräfte verfügt. Das gab und gibt den Stories immer einen vergleichsweise realistischen Touch, den auch Andy Diggle mit seiner toughen Krimi-Story sehr überzeugend weiterführt. Insofern freut mich die gelungene Rückkehr umso mehr.

Fazit: Für Fans ist „Daredevil: Reborn“ sowieso zu empfehlen und wer sich lange nicht mehr mit dem Beschützer von Hell’s Kitchen beschäftig hat, findet mit „Reborn“ einen guten Wiedereinstieg. Sowohl Story als auch Artwork sind fesselnd und dynamisch.

Comic-Wertung: 8 out of 10 stars (8 / 10)

DAREDEVIL11AUFERSTEHUNG_880Daredevil: Reborn
OT: Daredevil: Reborn 1-4, Marvel, 2011
Autor: Andy Diggle
Zeichner: Davide Gianfelice
Übersetzung: Robert Syska
ISBN: 4-197723214954
Verlag: Panini, 2012, 100 Seiten, Softcover
VÖ: 10.01.2012

Weiterführende Links:

Daredevil bei Panini

Leseprobe bei Mycomics

Daredevil bei Wikipedia (Englisch)

Daredevil-Fanseite Man witout Fear

Daredvil-Fanseite The Other Murdock Papers 

Andy Diggle Homepage