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Der junge Inspektor Morse – Staffel 2: Wahrheit oder Pflicht?

29.11.17 (Literatur, TV-Serien)

Während sich die britischen TV-Zuschauer schon seit 2012 mit beständiger Regelmäßigkeit auf ITV über die großartige Krimi-Serie „Dr junge Inspektor Morse“ nach Motive von Colin Dexter freuen durften, kamen Zuschauer hierzulande eher in die Versuchung des Binge-Watching: ZDFNeo präsentierte die vier bislang ausgestrahlten Staffeln der Erfolgsserie über drei Monate Sonntag für Sonntag in Doppelfolgen. Nun hat Edel:Motion auch die zweite Staffel von „Der junge Inspektor Morse“ fürs Home Entertainment veröffentlicht. Fernab von Sendeterminen und Mediathekenverfügbarkeit ermittelt Shaun Evans als genialer, junger Eigenbrötler in den Sechziger Jahren vertrackten Verbrechen, für die Dexter Romane berühmt waren. Selbstverständlich, dass „Der junge Inspektor Morse“ im idyllischen englischen Universitätsstädtchen Oxford angesiedelt ist.

Also, Krimi-Fans werden das bereits aus der ersten Staffel von „Der junge Inspektor Morse“ wissen, aber die erfolgreiche englische TV-Serie entstand nicht aus dem luftleeren Raum, sondern wurde von Drehbuchautor und Serien-Mastermind Russel Lewis entwickelt und stützt sich auf die Figur des von Krimi-Autor Colin Dexter erfundenen Inspektor Endeavour Morse. „Inspektor Morse“ löste nicht nur in etlichen Romanen vertrackte Kriminalrätsel, sondern war von 1987 bis 2000 über zwölf Staffeln auch die Hauptfigur einer der beliebtesten englischen Serien überhaupt. John Thaw verkörperte in der Serie, die hierzulande nie ausgestrahlt wurde, den Inspektor und Colin Whatley seinen Assistenten Lewis. Eben jener Lewis kehrte, noch immer gespielt von Colin Whatley, 2006 als TC-Inspektor der Serie „Lewis – Der Oxford-Krimi“ an die alte Wirkungsstätte zurück und ermittelte dort über neun Staffeln bis 2015.

Russel Lewis hat als Drehbuchautor für viele erfolgreiche TV_Serien gearbeitet, unter anderem auch für die originale „Inspektor Morse“-Serie und für „Lewis – Der Oxford-Krimi“. Russel Lewis wickelte die Idee, einen noch jungen Polizeibeamten Morse in Oxford ermitteln zu lassen, was der charismatischen Ermittlerfigur einerseits eine Vergangenheit gibt, andererseits aber durch das Zeitkolorit der aufregenden 60er Jahre einen völlig anderen Seriencharme entwickelt als „Morse“ oder „Lewis“. Nachzulesen in meinen Lobhudelei auf die erste großartige Staffel der Serie.

Jetzt geht es also über weitere vier spielfilmlange, in sich abgeschlossene Ermittlungen in das Oxford der 60er Jahre. Und auch wenn die Falle jeweils zu Ende ermittelt werden und ohne einen Serienzusammenhang funktionieren, so entwickeln sich doch die Figuren und ihre Interaktionen. Weswegen an dieser Stelle verraten sei, dass Morse zu Beginn der zweiten Staffel, im Februar 1966, nach einer traumatischen Schussverletzung aus der Abschlussepisode der ersten Staffel) und dem Tod des Vaters in den Dienst zurückkehrt. Der junge Endeavour Morse darf sich nicht nur als Ermittler entwickeln, sondern auch als Mensch. Eine charmante neue Nachbarin, die Krankenschwester Monica Hicks (Shvorne Marks), sorgt in Morses Liebesleben für eine Veränderung.

In „Der Schatz“ (OT: Trove) hat sich der junge Polizist noch nicht wieder richtig eingelebt, als seine Fähigkeiten schon wieder gefragt sind. Wie sonst bekommt man den Raub eines historischen Schatzes und einen scheinbaren Selbstmord sowie ein seit langem verschwundenes junges Mädchen schon miteinander in Verbindung gebracht. Während sich Vorgesetzter Bright (Anton Lesser) und auch sein Pendant von der County Polizei nicht sicher sind, dass der einfache Polizist Morse überhaupt mit Ermittlungsarbeiten betraut werden sollte, schwört Inspektor Thursday (Roger Allem) nach wie vor auf Morses Fähigkeiten. Aufgrund des Todes seines Vaters verpasste Morse die Sergeant-Prüfung, sein Kumpel Strange hingegen hat es nun zum Sergeant gebracht. (9/10)

In dem zweiten Fall „Nachtstücke“ (OT: „Nocturne“) geht es wieder ins Museum. Diesem Mal allerdings wird ein Heraldiker (Wappenkundler) und Ahnenforscher getötet. Die Mordwaffe, ein indischer Dolch macht Morse ebenso stutzig wie die Mädchenklasse, die sich zur Tatzeit im Museum befand, obwohl eigentlich Ferien sind. Bei seinen Ermittlungen wird Morse weit zurück in das 19. Jahrhundert geführt. Regisseur Guiseppe Capotondi inszeniert souverän einen ebenso klassischen wie soliden Kriminalfall. Die Stärken dieser Folge liegen eher in dem, was abseits der Ermittlung geschieht. Oh, by the Way: War im Sommer ‚66 nicht was sportlich Interessantes? (8/10)

In „Dunkle Mächte“ (OT: „Sway“) bekommt es die Oxford Police anschließend mit einem Serienmörder zu tun, der junge verheiratete Frauen erwürgt. So richtig wird Morse aus den Zusammenhängen nicht schlau, denn die Opfer des von der Presse schon „Oxford Strangler“ genannten Mörders, haben nur gemeinsam, dass sie zwar alle verheiratet waren, aber ihren Ehering nicht trugen. Strumpfwaren aus Polyamid, im Volksmund auch Nylonstrümpfe genannt wurden übrigens in den 1930ern erfunden. Nicht alles was heute popkulturell relevant ist, stammt aus den Sechzigern. (9/10)

Im abschließenden Fall „Nimmerland“ (OT: Neverland“) geht es dann richtig zur Sache und Verschwörungsliebhaber kommen voll auf ihre Kosten. Alles beginnt mit dem Fund eines toten Reporters. Die Truppe um Inspector Thursday stellt fest, dass dieser Reporter zuletzt übe reine Baufirma recherchiert hat und scheinbar unbequem wurde. Dass die Mordermittlung dann auch Gefahr für Leib und Leben nach sich zieh, hatten weder Morse noch Thursday vorhergesehen. (10/10).

Ohne an dieser Stelle allzu viel vorweg zu nehmen, das Staffelfinale der zweiten Saison der englischen Krimi-Erfolgsserie „Der junge Inspektor Morse“ gehört nicht nur zu den Highlights der Serie bislang, sondern ist ein Musterbeispiel dafür, wie serielles Erzählen auch in einem Krimi-Format auf hohem Niveau funktioniert. Russel Lewis hat die roten Fäden der zweiten Staffel von Beginn an ausgelegt und mit dem hintergründigen Thema, dass die Polizei reformiert werden soll versehen.-Für Oxford und Umgebung bedeutet dies, dass die beiden Polizeidienststellen nicht nur administrativ zusammengelegt werden sollen.

Menschen sorgen sich also um ihren Job, während Sergeant Strange gleichzeitig das Angebot bekommt, bei den örtlichen Freimaurern einzusteigen. Morse sieht das mit Skepsis, sind ihm doch Geheimbünde nicht eben sympathisch. Und je länger die zweite Staffel läuft, desto klarer wird, dass gerade Morse Leuten, die in der Polizeibehörde im Hintergrund ihre Fäden ziehen, gefährlich nahe kommt. Eben jener Zusammenhang wird in „Nimmerland“ (eine Anspielung auf die Heimkinder in „Peter Pan“) mit Höchstspannung und recht actionreich deutlich.

Fans der Serie und solche die es werden wollen müssen sich, sofern sie die deutschen TV-Ausstrahlungen auf ZDFNeo verpasst haben bis zum Frühjahr 2018 gedulden, bis Edel:Motion die dritte Staffel von „Der junge Inspektor Morse“ herausbringt. Im Sommer soll dann die vierte Saison folgen, dann wird in good old England bereits eine neue Staffel gelaufen sein. Es gibt also Nachschub.

Die zweite Staffel der englischen Krimi-Erfolgsserie „Der junge Inspektor Morse“ hält nicht nur das hohe Unterhaltungsniveau und die sorgfältige zeitliche Einordnung sowie die feine und aufwändige Ausstattung der Auftaktstaffel, sondern schafft es zudem auch noch diverse sehr spannenden Subplots zu installieren. So lebendig waren zeitgeschichtliche TV-Krimis schon lange nicht mehr. Krimi-Unterhaltung der Extraklasse.

Movie Rating: ★★★★★★★★★½ 

Der junge Inspektor Morse – Staffel 2
OT: Endeavour, Season 2,
Genre: TV-Serie, Krimi,
Länge: 450 Minuten (5x 90 Min.), UK, 2014
Idee & Drehbücher: Russel Lewis, nach Charakteren von Colin Dexter
Regie: Krystoffer Nyholm, Guiseppe Capotondi, Andy Wilson, Geoffrey Sax,
Darsteller: Shaun Evans, Roger Allam, Jack Lasky, Sean Rigby, Anton Lesser, Abigail Thaw
FSK: ab 12 Jahren
Vertrieb: Edel Motion,
DVD-VÖ: 17.11.2017

„Der junge Inspektor Morse“ beim ZDF

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