
Aus dem Archiv noch eine Doku zum Thema Landwirtschaft. „Sauacker „von 2014. Filmmacher Tobias Müller hat den Generationenwechsel auf einem kleinen schwäbischen Bauernhof über zwei Jahre mit der Kamera begleitet. Herausgekommen ist ein launiges und sympathisches Portrait, das allerdings auch einige filmische Schwächen hat. Willkommen bei der Familie Kienle.
Wenn man es herunterbricht auf die wirklich wesentlichen Dinge in unserer Gesellschaft, dann steht die Landwirtschaft ganz oben auf der Liste. Das geht allerdings nicht mit einer gesellschaftlichen Wertschätzung der Nahrungsmittelerzeugung einher. Außerdem findet Landwirtschaft seit Jahren hauptsächlich in industrieähnlicher Produktion statt. Kleine Betriebe können kaum noch überleben.
Seit zehn Generationen wirtschaftet die Familie Kienle im Schwäbischen als kleiner landwirtschaftlicher Betrieb. Vater Konrad leitet den Hof noch, doch der fast dreißigjährige Sohn Philipp steht in den Startlöchern, um den Hof zu übernehmen. Das geht nicht ohne Reibungsverluste vonstatten. Auch Konrads Vater konnte das Zepter seinerzeit nur schwer aus der Hand geben.
Ein Besuch bei der Beratung der Landwirtschaftskammer offenbart eine ziemlich angespannte wirtschaftliche Lage. Seit 1990 ist der familiengeführte Betrieb kaum wirtschaftlich und momentan fließt ein Teil von Philipps Lohn, den er als Stahlarbeiter im Nachbarort verdient, in den Hof. Investitionen stehen an, Maschinen und Gebäude müssen erneuert werden. Der familiäre Bauernhof ist breit aufgestellt, hat Milchvieh und Schweinemast und baut an, was am Markt gerade gute Preise erzielt. In diesem Jahr Mais für die Biogasproduktion.
Wirtschaften an der Rentabilitätsgrenze
Doch auch die familiäre Situation ist nicht einfach. Der Hof ist für die beiden Männer das ein und alles. Die Familientradition soll gewahrt werden. Philips Mutter sorgt sich um das Arbeitspensum ihres Mannes, der nebenbei auch noch Zeitungen austrägt, damit sich der Hof über Wasser halten kann. Philipps Freundin Manuela, die auch mit auf dem Hof wohnt, strebt ein Kunststudium an und klagt darüber, dass Philip zu viel arbeitet und sich damit aufreibt. Für die Beziehung bleibt wenig Zeit.
Filmmacher Tobias Müller, der aus einem Nachbarort stammt, versucht den Generationskonflikt ebenso einzufangen, wie die privaten und wirtschaftlichen Probleme, die mit dem landwirtschaftlichen Betrieb einhergehen und das Leben der Familie Kienle lenken. So bekommt der Zuschauer auch einen guten Eindruck von den Routinen und Problemen, von der Arbeit und von den Menschen. Das reicht durchaus, um ein stimmungsvolles Bild zu zeichnen, wie schwierig es heutzutage ist, Bauer zu sein.
Andererseits verschenkt der Film etliches an Potential und somit auch an Wirkung. Viele spannende Aspekte werden nur angerissen und nicht weiter vertieft. Zeit genug hätten sich nur die 81 Minuten lange Doku schon nehmen können. Um sich wirklich einen Eindruck von der wirtschaftlichen Lage zu machen, hätte es zumindest einer groben Vorstellung des Betriebs bedurft (Größe, Viehbestand, Maschinenpark). So bleibt unkonkret, was denn nun ein „kleiner Hof“ ist und der Zuschauer kommt ins fantasieren. Das hier nicht in industriellem Maßstab gewirtschaftet wird, sondern eher kleinteilig und zum Teil kontraproduktiv gewurstelt, wird allerdings deutlich.
Leben und Arbeiten im Familienverbund
Auch wird nicht klar, warum der Film überhaupt „Sauacker“ heißt und dem Untertitel „Zwischen zwei Generationen“ wird der Film insofern nur bedingt gerecht, als dass er seinen Beobachtungszeitraum einer „Happy End“-Dramaturgie opfert und Philipp den Hof letztlich zu der eingangs aufgestellten Deadline seines dreißigsten Geburtstags offiziell übernimmt. Spannend wäre in „Sauacker“ auch gewesen, den Zeitraum zu begleiten, nachdem sich die Verhältnisse auf dem Hof geändert haben.
Zusätzlich deutet die musikalische Unterlegung mit countryartigen Gitarrenklängen nicht gerade auf einen Heimatbezug zum Schwabenland hin und ist dem modernen Wohlfühlfaktor geschuldet, der so einige moderne Dokumentarfilme gefällig macht.
Nach einigen Minuten wird deutlich, dass der Dokumentarfilm nicht chronologisch montiert wurde, sondern einer Dramaturgie folgt und lose thematische Blöcke aufstellt. Das wirkt beizeiten etwas gestellt und nimmt der Realität auch ein wenig ihre Lebendigkeit. Gerade bei diesem Thema und bei dieser Familienkonstellation wäre es deutlich aussagekräftiger und lebensnaher gewesen, auf eine chronologische Aufbereitung zu setzen. Wirtschaftslage und saisonale Abfolge gäben genügend Dramaturgie vor. Das Leben selbst schreibt bekanntlich noch immer die besten Drehbücher. Gerade als Dokumentarfilmer sollte man darauf setzen.
Die Landwirtschaftsdoku „Sauacker“ zeigt ein stimmungsvolles Bild vom Generationswechsel auf einem schwäbischen Hof, lässt aber viele interessante und wichtige Aspekte unbeachtet und setzt zu sehr auf den Unterhaltungsfaktor.
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Sauacker
OT: Sauacker
Genre: Doku, Landwirtschaft
Länge: 81 Minuten, D, 2014
Regie: Tobias Müller
Mitwirkende: Konrad Kienle, Gertrud Kienle, Philip Kienle
FSK: ohne Altersbeschränkung, Ab 0 Jahren (Infoprogramm)
Verleih: Teichoskop fFlmverleih
Kinostart: 26.06.2014
DVD-VÖ:
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